Sport | Fußball
15.05.2018

Salzburgs Lehrstunde: Rapid stolpert beim Schrittwechsel

© Bild: APA/HANS PUNZ

Nach dem 1:4: Die Rapidler wollen flexibler werden, scheitern aber an sich selbst. Salzburg ist auf Rekordkurs.

Wie machen die das bloß? Auch im 60. Saisonspiel war Salzburg den ausgeruhten Rapidlern körperlich überlegen, spritziger und wirkte entschlossener. „Die Mannschaft hat großen Charakter“, sagt Trainer Marco Rose, der zwei Hilfen für die Motivationsarbeit vor dem 4:1 verriet: „In einem schönen Stadion mit vielen Fans wollen die Jungs ihren besten Fußball zeigen.“ 23.200 Fans im Allianz Stadion sind also eher eine Hilfe für die Gäste.

„Außerdem wollen wir den Punkterekord.“ Mit 80 Punkten fehlt nur noch ein Zähler auf den Top-Wert von Red Bull (2017 unter Óscar). Der Liga-Rekord (82 Zähler der Austria 2013) kann bereits im Heimspiel gegen Mattersburg überboten werden.

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Platz 3 mit Bedeutung

Für Rapid geht es hingegen nur noch um Platz 3. Der LASK liegt nur einen Punkt zurück. „Der dritte Platz ist für den Europacup und die Sommervorbereitung wichtig“, betont Trainer Goran Djuricin. Der Vierte muss in der zweiten Quali-Runde starten – am 26. Juli, also noch vor dem Liga-Start.

Kettenriss

Eine verkürzte Vorbereitung könnte beim anstehenden Umbruch fatale Folgen haben. Auch ein frühes Europacup-Aus ist bei Auftritten wie gegen Salzburg keineswegs ausgeschlossen. Neben der körperlichen Unterlegenheit war Rapid diesmal auch taktisch falsch ausgerichtet.

Nur zwei Trainingseinheiten mit der Dreierkette waren offensichtlich zu wenig. „Wobei die fehlende Grundaggressivität eher zu den Gegentoren geführt hat als die Kette“, meint Kapitän Stefan Schwab nach einer ausführlichen Analyse der Bullen-Lehrstunde.

Im Frühjahr lässt sich ein Muster feststellen: Gegen die „Kleinen“ will Rapid den eigenen Stil durchsetzen. In den Schlüsselspielen wird „etwas probiert“. Die Kontertaktik im Derby (4:0) über Schobesberger ist aufgegangen. Das 4-4-2 beim LASK (2:0) war wacklig, wurde von Djuricin aber noch rechtzeitig korrigiert. Das 3-4-2-1 gegen Salzburg ist hingegen „komplett in die Hose gegangen“, wie Sportdirektor Fredy Bickel analysiert. „Trotzdem muss es unser Ziel bleiben, variabler zu spielen.“

Es stellt sich die Frage: Liegt es an den Spielern des aktuellen Kaders, die nicht flexibel genug sind, oder am Trainerteam, das neue Ideen nicht schnell genug vermitteln kann? Bereits im Wintertrainingslager wurde der Systemwechsel geübt. Spieler wie Galvão oder Berisha wirkten danach verunsichert und stürzten zum Frühjahrsstart in ein Formloch.

Pechvogel Kuen

© Bild: DIENER / Philipp Schalber/DIENER / Philipp Schalber

„Da läuft es dir kalt über den Rücken“, sagt Schwab zum Pech von Andreas Kuen. „Andi war zuletzt richtig gut im Training.“ Der Tiroler erkämpfte sich einen Platz in der Startelf, hat allerdings schon länger einen ablösefreien Transfer zu Mattersburg geplant. Aber ob der nach der dritten schweren Knieverletzung noch stattfindet?