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01.09.2018

Salzburg vs. Leipzig: Das Familien-Duell im Hause Red Bull

Brisantes Aufeinandertreffen: Wie konnte es zu einem Konzernduell in der Europa League kommen?

Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz bekommt im Herbst gleich zwei Mal die Möglichkeit, sich in einem direkten Duell anzuschauen, was er im europäischen Fußball mit seinem Geld geschaffen hat. Red Bull Salzburg und RB Leipzig wurden in die Gruppe B der Europa League gelost.

Am 20. September findet in der Red-Bull-Arena in Leipzig das Hinspiel statt, am 29. November folgt in der Red-Bull-Arena in Salzburg das Rückspiel. Alleine, dass die beiden Stadien denselben Namen tragen, zeigt, dass es sicher nicht zwei normale Spiele sind. Ohne den Getränkekonzern würde es weder in Salzburg noch in Leipzig einen Fußballklub in dieser Größenordnung geben.

Das Original spielt in der österreichischen Bundesliga. Red Bull übernahm 2005 die Lizenz des von finanziellen Problemen gebeutelten Traditionsklubs Austria Salzburg und veränderte – trotz Protesten der Fanbasis – alles, was es zu verändern gab (Name, Farben, Logo etc.).

Vier Jahre später stieg Red Bull auch in den deutschen Fußball ein. Auf Vermittlung von Franz Beckenbauer gab es Verhandlungen mit Sachsen Leipzig. Die für die WM 2006 in der ostdeutschen Stadt errichtete Arena sollte einen Mieter mit Ambitionen bekommen.

Doch mit den Traditionsklubs kam Red Bull nicht überein. Also wurde ein Fünftligist aus dem Leipziger Vorort Markranstädt übernommen. Sieben Jahre sollten vergehen, bis der in RB Leipzig umbenannte Klub in der höchsten Spielklasse Deutschlands ankam.

Synergien

Salzburg und Leipzig waren zunächst eng verbunden. Mateschitz hatte Ex-HSV-Manager Dietmar Beiersdorfer verpflichtet, der für beide Klubs verantwortlich war und jede mögliche Synergie nützen sollte. Das setzte er so perfekt um, dass ein gleichzeitiger Start im Europacup unmöglich war – wegen der Wettbewerbsintegrität.

Weil Leipzig immer erfolgreicher wurde und auch Salzburg Jahr für Jahr europäisch spielte, mussten die beiden Klubs unter Beiersdorfer-Nachfolger Ralf Rangnick, der von 2012 bis 2015 für beide Vereine verantwortlich war, mühsam wieder getrennt werden.

„Als ich Salzburg vor drei Jahren verlassen habe, war es der erste Schritt, in den letzten zwei Jahren wurden die Klubs weiter entflochten“, erklärt der 60-Jährige, der mittlerweile Trainer und Sportdirektor bei Leipzig ist.

Und trotzdem: Zunächst musste einmal die UEFA überzeugt werden. Es gab intensive Prüfungen und einige Auflagen. Juni 2017 fiel dann die Entscheidung, dass beide Klubs gleichzeitig europäisch spielen dürfen.

Red Bull tritt mittlerweile in Salzburg offiziell nur mehr als Hauptsponsor auf, in Leipzig besitzt das Mateschitz-Unternehmen hingegen 99 Prozent jener GmbH, die den Klub führt.

„Um die Wettbewerbstauglichkeit muss sich keiner Gedanken machen, es werden zwei emotionale und brisante Spiele“, sagt Rangnick. „Natürlich ist die Partie gegen Salzburg eine besondere – für mich und sicher auch den einen oder anderen Spieler.“

Auch von Österreichs Serienmeister gab es ähnliche Statements. „Es ist immer speziell gegen deutsche Vereine, aber hier noch ein bisschen spezieller“, sagte Rangnicks früherer Assistent Christoph Freund, der Salzburger Sportchef ist. „Man kennt sich, man spielt einen ähnlichen Fußball.“

Für Trainer Marco Rose ist es noch aus einem anderen Grund ein ganz spezielles Spiel. Der 41-Jähriger ist gebürtiger Leipziger, seine Familie lebt dort. „Ich darf nach Hause, auch schön. Ich komm' nicht so oft dahin, also freue ich mich.“

Selbstbedienungsladen

Auch für die Salzburger Fans werden die beiden Partien etwas ganz Besonderes sein. Seit 2015 waren in jeder Transferzeit Leistungsträger nach Leipzig gewechselt. Die RB-Kaderspieler Peter Gulacsi, Stefan Ilsanker, Dayot Upamecano, Konrad LaimerKevin Kampl und Marcel Sabitzer haben alle schon beim Europa-League-Gegner gespielt.

Die Salzburger Fanszene monierte im September 2016 in einem offenen Brief an Dietrich Mateschitz, dass ihr Klub zu einem „Selbstbedienungsladen“ für den deutschen Klub geworden sei. Viele Zuschauer zeigten ihren Ärger anders: Sie kamen einfach nicht mehr in die Salzburger Red-Bull-Arena.

Mittlerweile hat sich die Situation verändert. Bei Red Bull Salzburg hat sich auch durch die Erfolge in der Europa League, in der der Klub in der vergangenen Saison immerhin bis ins Semifinale und damit um eine Runde weiter als Leipzig gekommen ist, ein neues Selbstvertrauen in die eigene Größe entwickelt.

Diesen Sommer wechselte in der zweiten Transferzeit in Folge kein Spieler von Salzburg nach Leipzig. Rangnick hätte gerne Amadou Haidara gehabt. Der Mittelfeldspieler aus Mali sagte ab und verlängerte vorzeitig seinen Vertrag bei Österreichs Meister.

Salzburg hat längst andere Abnehmer für seine Spieler – darunter ist jetzt auch der HSV. Die Hamburger holten den südkoreanischen WM-Starter Hee-chan Hwang für ein Jahr leihweise und das ohne Kaufoption. Auch das beweist, welches Standing die Salzburger mittlerweile international haben.