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Sport Fu├čball

Salzburg-Gegner Lille hat seinen Zauber verloren

Meistertrainer, Sportdirektor und einige Stars sind abgesprungen. In der Liga hinkt man aktuell hinterher.

09/27/2021, 12:00 PM

Als Lille im vergangenen Mai Paris Saint-Germain dessen scheinbar unendlichen Ressourcen zum Trotz vom Thron gesto├čen hatte, war Fu├čball-Frankreich tief beeindruckt. Coach Christophe Galtier hatte nach drei Jahren sein Werk vollbracht, mit einem verschworenen Kollektiv ohne gro├če Stars das schier Unglaubliche geschafft. Doch das M├Ąrchen beim Mittwoch-Gegner Salzburgs in der Champions League (21.00 Uhr/live Sky) scheint vorbei.

Mit einer Topdefensive (die wenigsten Gegentore), starkem Pressing, u.a. einem brillanten Sturm-Oldie Burak Yilmaz und ├╝berschaubarem Kader (nur 21 Kicker wurden eingesetzt) lie├č Lille das Starensemble von PSG hinter sich - auch, weil dieses schw├Ąchelte. Ironischerweise waren daran einige ehemalige PSG-Nachwuchskicker beteiligt: Mike Maignan, Boubakary Soumare, Timothy Weah und Jonathan Ikone - Letzterer kickte an der Seite des heutigen Salzburgers Antoine Bernede 2016 f├╝r PSG sechsmal in der Youth League. Goalie Maignan (AC Milan) und Mittelfeldmann Soumare (Leicester) sind seit Sommer Geschichte in Lille, genauso wie der S├╝dfranzose Galtier, der nun OGC Nizza coacht. Und auch der relativ unscheinbare, aber exzellente Sportdirektor Luis Campos ist nicht mehr an Bord.

Jahrelang wusste kaum ein zweiter Club den entfesselten Transfermarkt so f├╝r sich zu nutzen wie die Nordfranzosen dank des Portugiesen Campos. Den in Wolfsburg gescheiterten St├╝rmer Victor Osimhen holte man 2019 f├╝r gut 20 Millionen Euro aus Charleroi und verkaufte ihn nur ein Jahr sp├Ąter f├╝r 70 Millionen an SSC Napoli weiter. ├ähnlich Rechtsau├čen Nicolas Pepe, der 2019 f├╝r rund 80 Mio. zu Arsenal wechselte.

Seit Sommer 2018 stieg Lille aus dem Transferkarussell stets mit einem Plus und um insgesamt rund 210 Mio. Euro reicher aus. Bemerkenswert: Es ist eine Dimension, in der sich im selben Zeitraum auch Salzburg bewegte.

Und auch, wenn die eigene Akademie nicht Weltklasse am Flie├čband produziert, so hat sie doch schon mehrere gro├če Namen hervorgebracht: Frank Ribery, Eden Hazard oder Benjamin Pavard, um nur drei zu nennen.

Schweres Erbe

Galtiers Nachfolger Jocelyn Gourvennec hat jedenfalls ein schweres Erbe angetreten, das Versprechen der vergangenen Saison ist diesmal nicht einzul├Âsen. Das zeigte schon der m├╝hselige Saisonstart. Elf Punkte aus den ersten acht Partien bedeuten einen R├╝ckstand von bereits 13 Z├Ąhlern auf Leader PSG, immerhin gelangen zuletzt zwei Siege hintereinander. In der K├Ânigsklasse kamen die ÔÇ×DoggenÔÇť zum Auftakt gegen Wolfsburg zuhause trotz halbst├╝ndiger ├ťberzahl und einiger Chancen ├╝ber ein 0:0 nicht hinaus.

Einen Umbruch erlebte der Club - allerdings schon in den Monaten vor dem Meistertitel - auch abseits des Platzes. Mitten in der Corona-Krise konnte Clubbesitzer Gerard Lopez seine Darlehen bei einer US-Fondsgesellschaft, die mittlerweile auch den AC Milan besitzt, nicht mehr zur├╝ckzahlen. Lopez verkaufte seine Anteile der Lillois an einen Investmentfonds aus Luxemburg, der wiederum nach dem Gewinn der Meisterschaft erst einmal mehrere Spieler ziehen lie├č, um die Schuldenlast von ├╝ber 150 Millionen Euro zu verringern. Lopez selbst stieg kurz darauf bei Girondins Bordeaux ein, w├Ąhrend sein ehemaliges Team um den Anschluss ringt.

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