Sport | Fußball
09.12.2018

River Plate gewinnt Copa-Libertadores-Finale in Madrid

Über 120 Minuten ging der Thriller im Santiago Bernabeu, dann stand River Plate als Sieger fest.

Es war wohl das umstrittenste Finale in der Geschichte der südamerikanischen Fußball-Königsklasse. Erst im fernen Madrid wird der Sieger des argentinischen Superclásicos ermittelt. River Plate Buenos Aires triumphiert dabei über Stadtrivale Boca Juniors.

Nach wochenlangen Streitereien, hässlichen Vorkommnissen unter den Fans und gerichtlichen Auseinandersetzungen hat River Plate Buenos Aires die Copa Libertadores gewonnen. Im fernen Madrid gewann der Fußball-Traditionsclub am Sonntag das Final-Rückspiel des südamerikanischen Pendants der Champions League gegen Stadtrivale Boca Juniors 3:1 (1:1, 0:1) nach Verlängerung und sicherte sich damit zum vierten Mal den Titel. Das Hinspiel im Boca-Stadion La Bombonera war am 11. November 2:2 ausgegangen.

Ein langer Weg zum Finale

Mit dem Sieg von River Plate unter den Augen von Superstars wie Lionel Messi und Antoine Griezmann ging eines der denkwürdigsten, aber auch beschämendsten Endspiele der Copa-Historie zu Ende. Das ursprünglich für den 24. November angesetzte Rückspiel im Stadion von River Plate war wegen der Fan-Krawalle abgesagt worden. Der Mannschaftsbus der Boca Juniors war kurz vor der Ankunft im Monumental-Stadion von Fans mit Steinen beworfen worden. Mehrere Spieler wurden verletzt und hätten nicht antreten können.

Daraufhin war das Superclásico-Rückspiel ins 10.000 Kilometer entfernte Madrid verlegt worden, wo immerhin 250.000 Argentinier leben. 80.000 Anhänger aus beiden Lagern sorgten im Estadio Bernabeu für eine hitzige Atmosphäre. Am Ende jubelte River Plate dank der Treffer von Juan Quintero (108.) und Gonzalo Martinez (120.+2). In der regulären Spielzeit war Boca durch Dario Benedetto (44.) in Führung gegangen, Lucas Pratto erzielte den Ausgleich (68.). Nahezu die gesamte Verlängerung musste Boca nach einer Gelb-Roten Karte für Wilmar Barrios (92.) in Unterzahl bestreiten.

TOPSHOT-FBL-LIBERTADORES-RIVER-BOCA

Bis zum Anpfiff gab es in Madrid keine Zwischenfälle. Dafür hatten allein schon 4000 Sicherheitskräfte, darunter 2000 Polizisten gesorgt. In der spanischen Hauptstadt herrschte der Ausnahmezustand, denn die beiden Fanlager sind stark verfeindet. Aus Sicherheitsgründen dürfen in Argentinien seit geraumer Zeit keine Auswärtsfans ins Stadion. In Madrid war dies anders.

River Plate erwacht nach der Pause

Und so kamen die Anhänger der Boca Juniors nicht nur in den Genuss des Spiels, sondern sahen auch lange Zeit eine starke Leistung ihrer Mannschaft. Die Blau-Gelben hatten in der ersten Halbzeit die deutlich besseren Chancen. Ein unplatzierter Schuss von Pablo Perez in aussichtsreicher Position (12.) war der erste Warnschuss. Nach einer halben Stunde verfehlte Barrios mit einem abgefälschten Schuss knapp das Tor, ehe schließlich Benedetto eiskalt vollstreckte. Vorausgegangen war ein Traumpass von Nahitan Nandez (44.).

Das konnte River Plate nicht auf sich sitzen lassen. Nach der Pause fand das Team besser ins Spiel und kam durch Ignacio Fernandez zur ersten Großchance (49.). Danach forderten die Rot-Weißen nach einem Zusammenprall von Lucas Pratto mit Boca-Torhüter Esteban Andrada Elfmeter, doch der Pfiff blieb auch nach Rücksprache mit dem Video-Schiedsrichter aus (57.). Elf Minuten später war es doch passiert: Nach Zuspiel von Fernandez trifft Pratto zum Ausgleich. So gab es noch einen 30-minütigen Zuschlag obendrein: Und da war River Plate vor allem nach der Gelb-Roten Karte die tonangebende und am Ende auch siegreiche Mannschaft.

Dass das Finale überhaupt erst in Madrid über die Bühne gehen konnte, wurde am Samstag endgültig besiegelt. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) hatte da einen Eilantrag der Boca Juniors auf Absetzung des Finalrückspiels abgelehnt. Wie das Gericht mitteilte, soll über einen weiteren Antrag des argentinischen Vereins, den Finalgegner zu disqualifizieren, zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden. Der südamerikanische Verband CONMEBOL hatte zuvor entschieden, neben der Verlegung nach Madrid River Plate mit einer Geldstrafe von 400 000 US-Dollar zu belegen. Außerdem muss der Verein die ersten zwei Partien im nächsten Jahr vor leeren Rängen spielen.