Sport | Fußball
12/06/2015

Salzburg: Die Akte Martin Hinteregger

Warum der Teamverteidiger nicht erst seit dieser Woche der Salzburger Problemboy ist.

Setze ich auf Martin Hinteregger oder nicht? Diese Frage muss sich Salzburgs neuer Trainer Thomas Letsch vor seinem Debüt erst gar nicht stellen. Denn der Teamverteidiger steht für das heutige Spiel in Mattersburg (16.30 Uhr, live ORFeins, Sky, Spielstand) wegen einer Oberschenkelprellung nicht zur Verfügung.

Am Dienstag war der 23-Jährige hingegen noch fit gewesen. Dennoch war er vom nunmehrigen Ex-Trainer Peter Zeidler im Heimspiel gegen den WAC (1:1) nicht eingesetzt worden. „Martin hat die Regenerationseinheit nach dem Grödig-Spiel nicht professionell absolviert“, erklärte Zeidler. Konkreter wurde er nicht.

Kurzeinheit

KURIER-Recherchen ergaben, dass Hinteregger nach dem Derby am letzten Samstag nicht den Weg von Grödig nach Hause gefunden hatte. Noch in der Nacht war er ins Red-Bull-Trainingszentrum in Taxham gekommen, um dort zu schlafen. Die für Sonntagvormittag angesetzte Einheit auf einem Ergometer brach der 23-Jährige nach ein paar Minuten ab, um sich wieder niederzulegen. Einen Massagetermin ließ er sogar komplett ausfallen – und das in einer Woche mit drei Spielen, in der Regeneration extrem wichtig ist.

"Ich kann nichts darüber sagen, weil ich am Sonntag nicht im Trainingszentrum war", sagte Sportchef Christoph Freund auf Nachfrage dem KURIER. Die Klub-Geschäftsführung war erst am Montagnachmittag über den Vorfall informiert worden.

Die Konsequenz war moderat, obwohl Hinteregger diese Saison schon einmal abgestraft worden war und danach vollste Konzentration auf die restlichen Spiele bis zur Winterpause versprochen hatte: Wieder wurde er nur für ein Spiel aus dem Kader gestrichen. Die erste Sanktion (Hinteregger fehlte Anfang November beim 1:1 bei der Austria) hatte er – wohl abgelenkt von kolportierten Gesprächen mit Gladbach – mit inferioren Trainingsleistungen provoziert.

Leistungsloch

2015 ist nach zweieinhalb sportlich ganz starken Saisonen nicht sein Jahr. Seine Leistungen in den Spielen wurden von Monat zu Monat schwächer. Im Spätsommer kam Verletzungspech hinzu. Außerdem reagierte er auch noch Wochen danach extrem frustriert auf das doppelte Ausscheiden im Europacup. Und das mündete wiederum in Probleme mit seinem nunmehrigen Ex-Trainer.

"Der Hinti ist halt der Hinti" ist in Red-Bull-Kreisen ein geflügelter Satz. Er genießt durchaus einen Sonderstatus, obwohl er kein Musterprofi ist. So ist seine Unpünktlichkeit notorisch. Deshalb ist Hinteregger auch ein Hauptgeldgeber der Mannschaftskasse. "Er ist ein Red-Bull-Spieler, kommt aus unserer Akademie, hat schon sehr viel für den Verein geleistet und ist einer unserer wichtigsten Spieler", erläutert Freund Hintereggers Status.

Gut fünf Jahre ist der Kärntner Stammkraft bei Red Bull, 2013 gelang ihm der Sprung ins Nationalteam. Aus der Profi-Norm fiel er immer, besondere Aktionen lieferte er wiederholt. Einige waren zum Schmunzeln, andere weniger. Strafen gab es einige. Oft wurde aber ein Auge zugedrückt – wohl auch aus Angst, der passionierte Jäger könnte vom einen auf den anderen Tag einfach den Beruf wechseln.

Frustventil

"Er ist ein eigener Mensch. Wir wollen ihm helfen und haben deshalb schon oft mit ihm geredet. Aber das ist schwierig", sagt Freund. Weitergehen wie bisher kann es aber auch nicht. "Das ist kein Dauerzustand. Er hat aus Frust über das Ausscheiden in der Champions und Europa League ein falsches Ventil benützt", weiß der Sportliche Leiter.

Auch in einer anderen Hinsicht hat sich Martin Hinteregger mit seiner unprofessionellen Aktion keinen Gefallen getan: Beim WAC-Match waren Scouts aus allen Topligen. Diese erkundigten sich natürlich, warum er fehlte. Der Grund bringt Hinteregger dem erhofften Auslandstransfer sicher nicht näher.