Barisic bot 2012 ein Amateurteam auf, das zur Gänze bei den Rapid-Profis landete.

© APA/HERBERT NEUBAUER

Rückblick
09/26/2015

Rapids Entwicklungshelfer Zoran Barisic

Von den Amateuren zu den Profis: Zoran Barisic hat bei Rapid eine 100-Prozent-Quote.

von Alexander Huber

Es war einmal ein Spiel in der Regionalliga Ost. Rapid gegen Ritzing, am 3. August 2012, Endstand 7:0.

Warum ist ein einseitiger Drittliga-Auftakt mehr als drei Jahre später noch relevant? Weil Zoran Barisic, der damalige Trainer der Rapid-Talente, eine Mannschaft einlaufen ließ, die es in die Bundesliga geschafft hat. Nicht drei oder vier Kicker, wie es mittlerweile bei guten Zweierteams üblich ist, sondern elf von elf. 100 Prozent.

Tormann Tobias Knoflach war der letzte, der vor einem Monat gegen Mattersburg sein Profidebüt für Rapid gegeben hat (siehe Grafik). Die Feldspieler vom 7:0 kamen zwischen 2012 und 2014 zu ihren ersten Einsätzen in der Bundesliga. Auf bereits 111 Profi-Einsätze brachte es der mit 17 Jahren damals Jüngste: Louis Schaub, der am Mittwoch in Amstetten vom Feld getragen werden musste.

Verteilt auf sechs Klubs

Am Wochenende könnten bis auf den am Knöchel verletzten Schaub wieder alle Feldspieler – aufgeteilt auf sechs Klubs – zum Einsatz kommen. Für Rapid werden Max Hofmann und Mario Pavelic verteidigen. Heute ab 16 Uhr gegen die SV Ried, wo mit Paul Gludovatz ein ausgewiesener Nachwuchs-Experte als Cheftrainer wieder einmal für Stabilität sorgt. Im Abstiegskampf kann der 69-Jährige jedoch den Fokus nicht auf die Nachwuchs-Förderung legen.

Es geht vorerst um die Ordnung im defensiven 3-3-3-1-System: "In schwierigen Situationen muss man auf das zurückgreifen, was die Spieler spielen können. Es geht ausschließlich um die Punkte. Wir müssen sie wie ein Eichkatzerl schon im Spätsommer für den Winter sammeln. Erst im Frühjahr kann man eine wesentliche Steigerung erwarten."

Vor der Entwicklungsarbeit von Barisic zieht der jahrzehntelange ÖFB-Nachwuchs-Teamchef den Hut: "Gratulation, diese Bilanz ist wirklich beachtlich."

Als Gludovatz noch die Talente von den Klubs in die ÖFB-Auswahlen holte, galt ein anderer Erfolgsquotient: "An sich ist man im Nachwuchs mit einem herausgebrachten Spieler pro Jahrgang zufrieden. Wenn es zwei sind, ist das schon außergewöhnlich."

Gludovatz hebt den Faktor Barisic bei der 100-Prozent-Quote der 2012er-Amateure hervor: "Dass alle elf in die Bundesliga kamen, hängt eng mit ihrer Begleitung durch Barisic zusammen. Er kannte sie vom Nachwuchs, und sie sind gemeinsam gewachsen." Der Trainer-Routinier spricht von einer einmaligen Premiere: "Es hat so eine Quote vor ihm nicht gegeben, und ich glaube, dass es sie nach Zoki auch nicht mehr geben wird."

Barisic gibt die Blumen an seine "Buam" weiter: "Das war damals schon eine Bomben-Mannschaft."

Schon 2013, genau ein Jahr später, war absehbar, dass es außergewöhnlich viele "nach oben" schaffen würden: "Ich war schon bei den Profis Trainer, und mein Nachfolger Norbert Schweitzer hat die Aufstellung vom 7:0 als Motivation in die Amateure-Kabine gehängt. Die Burschen sollten zum Saisonauftakt ihre realen Chancen bei Rapid erkennen."

16 Bundesliga-Profis

Neben der kompletten Startelf brachten es auch die damals eingewechselten Peter Zulj (72 Profi-Einsätze, jetzt Admira) und Vasil Kuleski (zwei Rapid-Einsätze) zu Bundesliga-Ehren. Auf der Bank blieben beim 7:0 Ferdinand Weinwurm (1x Rapid) und Marko Maric. Der damals 16-Jährige stand neun Mal für die Rapid-Profis im Tor, ehe ihn Hoffenheim kaufte.

Im Lauf der Ostliga-Saison gaben noch Armin Mujakic (1 Liga-Einsatz) und der damals 16-jährige Philipp Lienhart (heute Real Madrid) ihr Debüt bei den Amateuren. Vom Barisic-Kader 2012/’13 haben es also sogar 16 Spieler bis in die oberste Bundesliga (und einer zu Real) geschafft. "Ein eigenes Pflänzchen zu pflegen, das dann ein Baum wird – das ist für jeden Trainer wunderschön", meint Gludovatz.

Dass sich Barisic vor den zwei Jahren als Amateure-Coach bereits als Individualtrainer um Konstantin Kerschbaumer (heute Brentford) und Daniel Luxbacher (Altach) kümmerte, muss dem 45-Jährigen fast herausgelockt werden. Er verweist lieber auf die Umstände bei den Klubs: "Um so eine Quote erreichen zu können, muss auch beachtet werden, wie der Verein zurzeit dasteht, welche Transferpolitik und welche Ziele verfolgt werden." Aber eine Lehre hat für den Entwicklungshelfer bei jedem Verein Gültigkeit: "Junge Spieler lernen extrem schnell. Das gilt immer."

Standardfrage

Ein interessantes Detail ist das System, das Barisic damals spielen ließ: 4-1-2-3. Heute wird Steffen Hofmann aber wieder – auch wegen der besonderen Rolle des Kapitäns – das übliche 4-2-3-1 anführen. Gegen das kompakte 3-3-3-1 von Gludovatz fanden die letzten Ried-Gegner keine spielerischen Mittel. Gut möglich, dass die ersatzgeschwächten Wiener wieder auf ihre Stärke bei ruhenden Bällen angewiesen sein werden. Gludovatz setzt auf Understatement: "Bis jetzt war für uns nicht einmal Zeit, ordentlich Offensivstandards zu trainieren."

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