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12.08.2018

Rapid-Neuzugang Andrei Ivan: „Ich sollte den Torjubel ändern“

Andrei Ivan spricht vor dem WAC-Spiel über anstehende Pflichtsiege, Instagram-Follower und das Risiko beim Jubeln.

Der neue Rasen wurde im Rekordtempo verlegt. Heute wird im Allianz Stadion auch das Spielfeld wieder in sattem Grün erstrahlen.

Ob es von der Mannschaft gegen den WAC (17 Uhr) auch so eine rasche Reaktion geben wird wie vom Stadionmanagement nach dem aggressiven Pilzbefall? Nach dem schwachen Auftritt beim 1:2 in Bratislava gegen Slovan fordert Rapid-Trainer Goran Djuricin: „Wir müssen eine Reaktion zeigen, den Gegner unter Druck setzen, angreifen und die drei Punkte mitnehmen.“

Es wird gegen den Austria-Bezwinger rotiert und wieder auf Andrei Virgil Ivan gesetzt werden. Nach seinem starken Start war der Flügelstürmer im Europacup nur Joker. Auf eine Interview-Anfrage hieß es, der 21-Jährige spreche zwar ordentlich Englisch, sei aber schüchtern und kein großer Redner. Deswegen kam die rumänischstämmige KURIER-Mitarbeiterin Mariana Nica als Dolmetscherin mit nach Hütteldorf – und siehe da, Andrei Ivan blühte beim Interview auf.

KURIER: Rapid wurde 1899 gegründet. Wussten Sie, dass Sie in dieser langen Zeit der erste Rumäne beim Klub sind?

Andrei Ivan: Das fühlt sich sehr gut an, und ich bin stolz darauf. Bei Rapid wurde ich gut empfangen, das ist für mich sehr wichtig. Und Wien liebe ich jetzt schon. Der Verein, die Stadt, die Fans, das Umfeld – das ist alles schöner und besser als ich es von meinen Ex-Vereinen kenne.

Nach dem starken Start und drei Toren von Ihnen in den ersten beiden Pflichtspielen gab es gegen Altach und in Bratislava Rückschläge. Wissen Sie über die Bedeutung der Spiele gegen den WAC und Slovan Bescheid? Und auch, was ein Europacup-Aus für den Verein bedeuten würde?

Ja, wir müssen jetzt gewinnen. Wir müssen! Wenn es gegen Slovan gut ausgeht, erwarte ich danach ein Duell mit Steaua. Das wäre für mich etwas ganz Besonderes.

Wie sind Sie in Rumänien zum Profi geworden?

Ich spiele seit dem sechsten Lebensjahr, zuerst bei Flacara Moreni, danach bei Sporting Pitesti. Profi war ich bei Universitatea Craiova.

Sie waren ein Teenager, als Sie bei Craiova zum Kapitän ernannt wurden. Wie geht das?

Es war überhaupt kein Problem, dass ich so jung war. Der wichtigste Grund dafür war, dass ich am längsten von allen beim Verein war. Ich habe mich bei diesem Verein sehr wohl gefühlt, die Stadt Craiova liebe ich.

Es gibt Berichte, wonach Sie zu Barcelona hätten wechseln können, aber nicht wollten. Wie ist das abgelaufen?

Barcelona B hat mich beobachtet, aber mir wurde kein Vertrag für die Profis angeboten. Ich dachte damals, es ist besser, wenn ich noch bei Craiova bleibe. Im Rückblick freue ich mich, dass kein Transfer zustande gekommen ist. Ich habe die richtige Entscheidung getroffen.

2017 hat Sie Krasnodar um drei Millionen Euro gekauft. Warum hat es in Russland nicht funktioniert?

Ich habe leider sehr wenig gespielt. Ich wünschte, ich hätte mich öfter beweisen dürfen. Aber die interne Konkurrenz war sehr groß. Wanderson kennt ihr von Salzburg. Kennen Sie auch Fedor Smolow? Das sind richtig gute Spieler mit mehr Erfahrung, da war es auf meinen Positionen schwierig.

Trotzdem bezeichnen Sie Wanderson als Ihren Freund ...

Ja, er ist mir bei Krasnodar am nächsten gestanden, und wir haben noch Kontakt.

Was hat er Ihnen über Österreich und die Liga erzählt?

Er hat mir über die vier großen Teams in Österreich erzählt. Ich habe dann angefangen, über diese Teams nachzulesen. Ich schätze Wandersons Rat sehr, und so habe ich mich dann für Rapid entschieden.

Es wirkt so, als hätten Sie bei Rapid durch Boli Bolingoli schnell Anschluss gefunden.

Ja, mit Boli verstehe ich mich am besten. Aber auch Stefan Schwab ist sehr bemüht und mir nahe. Mir fällt überhaupt auf, dass diese Mannschaft zusammenhält und ein gutes Klima hat.

Wie verständigen Sie sich?

Alle meine Kollegenhier sprechen Englisch. Ich mache bereits einen Deutsch-Kurs und möchte die Sprache auch wirklich lernen. Eigentlich finde ich Deutsch gar nicht so schwierig.

Rapid hat nach dem Transfer dafür gesorgt, dass Sie bei Instagram ein blaues „Hakerl“ bekommen. Ihr Social-Media-Account ist somit verifiziert, also der offizielle Auftritt eines Prominenten. Ist Ihnen das wichtig?

Ich bin kein großer Fan von Medien für die Massen. Wir brauchen sie aber alle. Heutzutage hat jeder von uns Facebook und Instagram oder andere Social-Media-Kanäle. Ich schaue aber nicht nach, ob jemand über mich etwas Gutes oder Schlechtes geschrieben hat.

Dafür, dass es Ihnen nicht wichtig ist, haben sie sehr viele Follower ...

Rund 45.000. Fast so viele wie Rapid, wie ich festgestellt habe (lacht).

Ihr Torjubel sorgt für viele Reaktionen. Wie ist es dazu gekommen?

Als ich klein war, habe ich bei uns auf der Straße Parkour gelernt. Da geht es darum, nur mit der eigenen Körperkraft über Hindernisse zu springen. Seither kann ich solche Sachen wie Flickflack und Salto.

Trainer Djuricin hat es Ihnen erlaubt, mit Flickflack und Salto zu jubeln. Aber gefährlich ist das schon, oder?

Ja, ein bisschen. Der Trainer will mir meine Emotionen nicht nehmen. Sie müssen wissen: Wenn ich treffe, bin ich glücklich, da kommen Emotionen, da denke ich nicht an die Gefahr beim Salto ...

... und die Fans freuen sich.

Genau, sie jubeln. Da verschwinden für ein paar Sekunden alle Bedenken aus dem Hirn. Aber eigentlich sollte ich trotzdem damit aufhören. Ich sollte meinen Torjubel ändern. Jetzt bin ich ja auch nicht mehr der Jüngste (schmunzelt).