Sport | Fußball
03/02/2019

Rapid gegen SKN: Kühbauer und der unerwartete Richtungswechsel

Fünf Monate nach dem Wechsel: Die Trainer Kühbauer und Popovic verändern Rapid und St. Pölten anders als vermutet

Einen Sieger gibt es heute in St. Pölten auf jeden Fall: Der SKN-Kassier freut sich über bereits 7000 verkaufte Karten für das Spiel gegen Rapid (17 Uhr). Er wird in der großteils grün eingefärbten NV-Arena den besten Besuch seit den 7600 Zuschauern am 1. April 2017 abrechnen. Damals gab es ein 1:1 – natürlich gegen Rapid.

Sollte der Dritte wieder einen Punkt holen, könnte der SKN wie nach einem Sieg feiern: Die Qualifikation für die Top 6 wäre de facto geschafft. In Hütteldorf sind die Hoffnungen gewachsen, zur Lage meint Verteidiger Max Hofmann vor seinem 100. Spiel: „Es ist ähnlich wie vor zwei Jahren im Cup-Viertelfinale: Wenn wir den SKN nicht schlagen, ist es vorbei.“ Damals gewann Rapid 3:1. „So soll’s wieder laufen, dann wird es am Sonntag für Sturm und Austria auch nicht einfacher.“

Keine Sentimentalitäten

Vor fünf Monaten beendete Didi Kühbauer mit einem 2:0 von St. Pölten die Amtszeit von Rapid-Trainer Djuricin. „Die SKN-Spieler haben mir die Chance gegeben, Rapid-Trainer zu werden. Aber 90 Minuten lang wird’s keine Sentimentalitäten geben“, sagt Kühbauer vor seiner brisanten Rückkehr.

Er übergab mit 20 Punkten in neun Runden, Nachfolger Ranko Popovic hält ebenfalls bei neun Ligaspielen – aber nur neun Punkten.

So wie Kühbauer Rapid verändert hat, hat auch Popovic den SKN verändert. Nur die Richtung sorgte sowohl in Hütteldorf als auch in St. Pölten für Überraschung.

Kein Schleifer

„Der Didi wird ihnen die Wadl’n vire richten“, war nicht nur unter Fans, sondern auch im Verein zu hören. Tatsächlich hat Kühbauer zwar die Intensität im Training erhöht, gibt aber viel öfter frei als Vorgänger Djuricin und sorgt für gute Laune im Training.

Auch das Rumpelstilzchen-Image wurde nicht Realität: Nach dem 0:4 bei Inter absolvierte Kühbauer innerhalb von nur 16 Stunden drei Pressegespräche. Immer blieb der Trainer analytisch, ruhig und empathisch.

Und der Fußball? „Früher hat man sich nur auf die spielerische Qualität verlassen. Aber allein mit Technik geht es nur in der Schutzgruppe“, verweist Kühbauer auf den Kick in den untersten Spielklassen. Sein Credo: „Fußball darf nicht nur offensiv gedacht werden. Wir arbeiten jetzt mehr gegen den Ball und sind aggressiver.“ Offensichtlich ist die Verbesserung der Fitness: „Ohne Körper funktioniert es nicht.“

Kühbauer 2.0?

In St. Pölten hat sich mehr geändert, als eigentlich gewollt war. Manfred Schmid wurde abgesagt, weil der Top-Favorit klar ansprach, was er vorhat und dabei ähnlich wie der gescheiterte Oliver Lederer klang. Popovic wurde hingegen als Kühbauer 2.0 präsentiert. Der 51-Jährige hätte vorab betont, dass er dessen „Weg fortsetzt“.

Es folgten ein 0:2 in Mattersburg, ein 0:1 beim WAC – und die Kehrtwende: Popovic setzte verstärkt auf spielerische Typen wie Ambichl, Hofbauer und Bajrami, die unter Kühbauer keine Rolle gespielt hatten: „Die Kompaktheit war unsere Stärke, dazu will ich aber auch mehr Gefahr nach vorne erzeugen. Es muss möglich sein, den Ball länger und präziser in der Mannschaft zu halten.“

Auch nach dem 0:6 beim LASK zum Frühjahrsauftakt und dem schmeichelhaften 1:1 in Hartberg will der Ex-Verteidiger nicht mehr den Retourgang einlegen. „In der Vorbereitung hat es funktioniert, warum sollten wir nicht darauf vertrauen? Ich fordere mehr Glauben an das, was wir wollen“, sagt Popovic.

Resultate zählen

Zur veränderten Spielanlage unter dem Osim-Schüler meint SKN-Manager Blumauer nur: „Wir haben gemeinsam Ziele für das Frühjahr festgelegt. Die sind zu erfüllen, das weiß der Trainer.“

Gemeint sind die Top 6. Popovic hofft gegen Rapid auf den einen fehlenden Punkt: „Ich sehe jetzt aber eine ganz andere Rapid-Mannschaft als im Herbst.“ Abseits des Kollektivs nennt die Legende der Sturm-Fans auch Namen: „Bolingoli ist viel besser geworden. Und Pavlovic hat mich bei meinen Beobachtungen beeindruckt – ein Spitzenstürmer.“