WM-Countdown: Poker um Rangnick, Deadline für neue ÖFB-Stars

Wie es um die Vertragsverlängerung des Teamchefs steht, wie die WM-Vorbereitungen laufen und welche Muskeln bei den Spielern zwicken.
Josef Pröll und Ralf Rangnick

Der Countdown zur Fußball-Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA läuft. Noch dreieinhalb Monate, bis es losgeht und Österreich am 17. Juni in Santa Clara gegen Jordanien ins Turnier startet. Was sich rund ums Nationalteam aktuell tut.

  • Wie steht es um Ralf Rangnicks Vertragsverlängerung?

Das ist völlig offen. Aktuell laufen Gespräche des Teamchefs mit ÖFB-Boss Josef Pröll. Der oberste Funktionär hat das Thema am 30. Jänner bei der Aufsichtsratssitzung auf den Tisch gebracht, um ein Stimmungsbild einzuholen. Das würde Pröll dem Vernehmen nach nicht wieder tun, weil es zur Folge hatte, dass sich einzelne Landesverbandspräsidenten medial zu Wort meldeten. Fakt ist: Es geht ums Geld. Aber gar nicht so sehr für den Teamchef selbst wie für manch andere im ÖFB, denen das Hemd näher ist als der Rock. Landesverbände und vor allem die Bundesliga, die es beim neuen TV-Vertrag ab Sommer nicht geschafft hat, die Erträge zu halten, wollen mehr vom Kuchen, den das Nationalteam durch die WM in den Verband spült. Ergo: Sie sehen ihre Anteile in Gefahr, sollte Rangnick bald mehr verdienen als bisher – das ist rund eine Million Euro pro Jahr.

  • Wie ist der Stand der WM-Vorbereitung?

Bereits nächste Woche reist eine rund sechsköpfige ÖFB-Delegation in die USA, wo es in Atlanta einen FIFA-Workshop in Sachen Marketing, Sicherheit, Medienarbeit etc. gibt. Ein Teil der Gruppe fliegt im Anschluss weiter nach Santa Barbara, um im Ort des WM-Hotels organisatorische Dinge zu klären.

Das Team trifft sich Ende März in Marbella, wo es sich vier Tage lang in der Sonne auf die beiden Testspiele gegen Ghana (27. März) und Südkorea (31. März) vorbereiten wird. Aktuell sind für das erste Spiel bereits mehr als 30.000 Tickets verkauft und für die zweite Partie mehr als 20.000.

Zwischen den beiden Spielen im Ernst-Happel-Stadion gibt es für David Alaba und Co. ein Novum: Erstmals wird das A-Nationalteam im neuen ÖFB-Campus in der Seestadt Aspern residieren und für den Aufenthalt in Wien nicht eigens ein Fünfsternehotel anmieten.

  • Welche Sorgenkinder gibt es im Nationalteam aktuell?

In rund 100 Tagen hebt das Team Richtung USA ab. Ob da alle dabei sein werden? Xaver Schlager hat sich am Wochenende verletzt. Der 28-Jährige, der schon die EM 2024 wegen eines Kreuzbandrisses verpasst hatte, wurde beim 2:2 von Leipzig gegen Dortmund nach einer Stunde ausgewechselt. Aufgrund von Adduktorenproblemen wird er mehrere Wochen ausfallen. Philipp Lienhart fehlt Freiburg bereits seit 10. Jänner wegen einer Bauchmuskelverletzung. Positiv ist, dass er seit Kurzem wieder am Mannschaftstraining teilnimmt. Für Bayern-Star Konrad Laimer gab es unlängst einen Rückschlag: Nach überstandenem Muskelfaserriss in der Wade spielte der Salzburger zwei Mal und muss aktuell nun wieder wegen muskulärer Probleme passen. Patrick Wimmer fällt aktuell erneut mit einer Muskelverletzung im linken Oberschenkel aus. Nachdem er bereits im Oktober 2025 einen Muskelfaserriss erlitt, klagte der Österreicher nach dem Spiel gegen Köln Ende Januar 2026 wieder über Beschwerden und verpasste zuletzt drei Partien.

  • Gibt es neue Hoffnungsträger?

Durchaus. Etwa David Alaba, der am Wochenende bei Real Madrid zum ersten Mal seit September wieder über 90 Minuten spielen konnte – und auch durfte. Beim 1:2 gegen Osasuna war der Österreicher einer der besseren Spieler auf dem Platz. Oder Sasa Kalajdzic, der nach langer Leidenszeit beim LASK Stammspieler ist und seit Winter in vier Partien zwei Tore und zwei Assists verbuchen konnte. Der KURIER legt sich fest: Der 28-Jährige, der sein bisher letztes Länderspiel im November 2023 absolvierte, wird zur WM fahren, wenn er so fit bleibt. Gute WM-Chancen hat auch Carney Chukwuemeka. Der in Wien geborene und in England aufgewachsene Dortmund-Legionär hat sich für Österreich deklariert. Aktuell werden Staatsbürgerschaftsthemen und FIFA-Nationenwechsel geprüft. Auch wenn sich der ÖFB noch bedeckt hält: Der 22-jährige offensive Mittelfeldspieler wird wohl im März von Teamchef Rangnick einberufen und darf sich dann empfehlen.

Sollte Paul Wanner auch mit Österreich zur WM fahren wollen, wird er sich ebenso demnächst deklarieren müssen, um im März noch einmal beim Teamchef vorzuspielen. Der 20-jährige Sohn einer Vorarlbergerin und eines Deutschen ist bei PSV Eindhoven gesetzt. Im Herbst spielte er noch für das Unter-21-Team des DFB.

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