Rangnick beim ÖFB halten? "Nicht um jeden Preis"

Ralf Rangnick
Die Gespräche haben begonnen und die Schmerzgrenze liegt nicht bei jedem Funktionär in gleicher Höhe. Marcel Koller hat das Doppelte verdient.

Es ist der 29. März 2022. Österreich spielt im Ernst-Happel-Stadion gegen Schottland. Es ist nur ein Freundschaftsspiel. Dennoch erschreckend: Nur 6.600 Fans verirren sich in den Prater zum letzten Länderspiel der Teamchef-Ära von Franco Foda und sehen ein 2:2. Der defensive Spielstil unter dem Deutschen langweilt die Österreicher. Trotz EM-Achtelfinale 2021 wird man auch den Eindruck nicht los, dass mehr steckt in diesem Team. Tatsächlich ernüchternd: Unter Foda gelingt in viereinhalb Jahren kein einziger Pflichtspielsieg gegen eine Mannschaft, die in der FIFA-Weltrangliste vor ihr platziert ist.

Ralf Rangnick erledigt das gleich bei seinem ersten Spiel. Fodas Nachfolger gewinnt sein Teamchef-Debüt in der Nations League auswärts gegen Kroatien mit 3:0.

Heute ist überhaupt vieles anders. Das Team hat sich nicht nur erstmals seit 28 Jahren für eine Weltmeisterschaft qualifiziert, es strömen auch die Massen zu den Kassen. In 14 Länderspielen unter Rangnick im Happel-Stadion verzeichnet der ÖFB einen Zuschauerschnitt von 40.700 Fans. Selbst gegen San Marino kommen 37.500.

Und da klingelt die Kassa: Wie bereits mehrmals kommuniziert, verzeichnet der ÖFB mit einem vollen Happel-Stadion in etwa 1,5 Millionen Euro an Umsatz und freut sich dabei jedes Mal über einen höheren sechsstelligen Reingewinn.

Das Team hat sich unter Rangnick als Cash-Cow mehr als etabliert. Da ist es nur logisch, dass der Teamchef nur mit einer Gehaltserhöhung zu einer Vertragsverlängerung über die WM im kommenden Sommer hinaus zu halten sein wird. Oder nicht? Nein, sagte sinngemäß Niederösterreichs Verbandspräsident Hans Gartner unlängst. „Wenn er es zu den gleichen finanziellen Bedingungen macht, dann wird es klar sein“, so der 74-Jährige zur Wiener Zeitung. „Aber sonst wird es schwierig.“

Einspruch

Dem widerspricht nun ein anderes Mitglied des ÖFB-Aufsichtsrats, der mit seinen 13 Mitgliedern per einfacher Mehrheit über den Teamchef abstimmen wird. Steiermarks Präsident Wolfgang Bartosch sagt: „Von mir gibt es ein grundsätzliches Ja zu Rangnick, aber nicht um jeden Preis.“ Aktuell verdient der Teamchef beim ÖFB in etwa eine Million Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Marcel Koller cashte nach seiner zweiten Vertragsverlängerung beim ÖFB das Doppelte, wie nun auch Wolfgang Bartosch dem KURIER gegenüber bestätigte.

Das dürfte dem einen oder anderen im obersten Gremium im Nachgang zu viel gewesen sein. Fakt ist, dass ÖFB-Boss Josef Pröll das Thema Vertragsverlängerung bei der letzten Aufsichtsratssitzung am vergangenen Freitag ohne Vorankündigung auf den Tisch gebracht hat – und es danach von einem Sitzungsteilnehmer nach außen transportiert wurde. Das kann und wird Pröll nicht gefallen. Auf KURIER-Nachfrage sagt der frühere Spitzenpolitiker: „Was dort besprochen wird, soll intern bleiben. Ist es nicht so, beobachte ich das sehr aufmerksam.“

Und obwohl sich das einst zerstrittene ÖFB-Präsidium mit der Wandlung zum Aufsichtsrat durch die im Vorjahr beschlossene Strukturreform aus dem Tagesgeschäft zurücknehmen wollte, ist die Teamchef-Frage wieder Chefsache. Sprich: Es ist an Josef Pröll und nicht etwa an Sportdirektor Peter Schöttel, die Bedingungen mit dem Deutschen auszuverhandeln. Eine Wasserstandsmeldung lässt sich Pröll ebenso nicht entlocken, wie ein Zeitfenster. Nur so viel: „Der Teamchef und ich sind in einem aufrechten und guten Austausch.“

Josef Pröll und Ralf Rangnick

Josef Pröll und Ralf Rangnick

Weniger ist nicht mehr

Ob Rangnick so viel verdienen darf, wie letztendlich Marcel Koller? Wolfgang Bartosch sagt: „Das kommt darauf an, ob wir hier von einem Fixbetrag reden, oder eine leistungsbezogene Komponente beinhaltet ist. Aber es ist klar, dass eine Anpassung seines Vertrags stattfinden wird.“ Nachsatz: „Ein österreichischer Trainer käme uns aber viel billiger.“ Ob diese Denkweise nicht zu kurz greift? Ein Länderspiel im Ernst-Happel-Stadion mit nur 6.600 Zusehern – so wie bei Fodas Abschied – ist für den ÖFB ein Minusgeschäft.

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