Ausnahme Ralf Rangnick: Wenn man dem ÖFB-Teamchef Rosen streut
Ralf Rangnick ist der erste ÖFB-Teamchef, dem vor einer WM von Spielern und Experten in der Öffentlichkeit ausnahmslos Rosen gestreut wurden. Zur Erinnerung;
1978 hatte der damalige ÖFB-Präsident und Minister Karl Sekanina den als „Peitschenknaller“ gefürchteten Max Merkel als Vormund für Teamchef Helmut Senekowitsch zur WM nach Argentinien schicken wollen. Sehr zum Unmut der Spieler. Letztlich durfte Senekowitsch doch allein auf der Trainerbank sitzen und drei WM-Siege (gegen Spanien, Schweden und Deutschland) feiern.
1982 warf Sekanina Teamchef Karl Stotz trotz kurz davor gelungener WM-Qualifikation hinaus und ließ ihn bei der WM in Spanien durch ein Führungsduo bestehend aus Georg Schmidt und dem kompromisslosen Felix Latzke ersetzen, das von manch Arriviertem nur mäßig geschätzt wurde.
1990 wurde Josef Hickersberger speziell von steirischen Medien trotz verblüffender Testspielerfolge immer wieder kritisiert, auch weil er – ein Fehler – den Steirer Heribert Weber nicht zur Italien-WM mitnahm und sein Spruch, wonach er nicht die Besten, sondern die Richtigen nehme, missinterpretiert wurde.
1998 so wie davor und danach sägte Otto Baric medienwirksam am Sessel vom 98-er-WM-Coach Herbert Prohaska, den er nach dem 0:9 in Valencia 1999 schließlich beerbte.
Als ORF-Analytiker hat sich Prohaska – auch in Erinnerung daran, wie es ihm selbst erging – gegenüber Teamchef-Nachfolgern nie einer ähnlich scharfen Wortwahl bedient. Rangnick musste sich erst recht nicht über herbe Beurteilungen ärgern. Dass andere Alt-Internationale und aktuelle WM-Spieler vor Mikrofonen ausnahmslos die Vertragsverlängerung mit dem Deutschen begrüßten, war im Land der neun Millionen Teamchefs auch noch nie passiert.
Diese Zeilen wurden verfasst, als noch nicht feststand, ob Rangnicks Auserwählte in San Francisco für einen Weltmeisterschafts-Auftakt nach Maß oder im Frühstücks-TV für ein böses Erwachen à la Spanien sorgen würden.
WM-Topfavorit Spanien musste sich bekanntlich mit einem 0:0 gegen die Kapverden begnügen. Gegen No Names von jener Inselgruppe, auf der Dietmar Constantini im Winter 2008 mit seinem Bruder Germar Entwicklungshilfe geleistet hatte. Von dort schickte mir Didi damals ein Foto vom Kindertraining auf einem graslosen staubigen Platz und schrieb: „A paar kloane Ballzauberer san dabei.“
Kommentare