Westenthaler nutzte auch Gerichtssaal als Bühne: "Welcher Affe hätte mich reiten sollen?"

© REUTERS/HEINZ-PETER BADER

Prozessauftakt
10/17/2014

Westenthaler-Prozess: "Er hat alle getäuscht"

Ex-BZÖ-Chef Peter Westenthaler verteidigte sich mit Powerpoint-Präsentation gegen die Betrugsanklage.

von Ricardo Peyerl

Peter Westenthaler, geborener Hojac, war schon so manches: Jörg Haider-Intimus, Generalsekretär der FPÖ, Obmann des BZÖ, Magna-Manager, Bundesliga-Vorstand. Am Freitag war er eine allein erziehende Mutter, welche die ihrem Kind gewidmeten Alimente kurzfristig für den eigenen Lebensunterhalt verwendet, weil ihr Arbeitgeber mit dem Gehalt säumig ist.

"Soll die Mutter deshalb wegen Betruges in Haft?", fragte Verteidiger Thomas Kralik, von dem der gewagte Vergleich stammt. Er hätte auch einfach sagen können: Geld hat kein Mascherl.

Als Westenthaler 2003 Bundesliga-Chef wurde, sah er sich sogleich mit einer Forderung der Republik Österreich von 1,6 Millionen Euro an Steuerschulden aus der Zeit vor ihm konfrontiert. Man einigte sich auf einen Vergleich von 1,2 Millionen, aber auch dieses Geld hatte die Bundesliga nicht flüssig. Gleichzeitig beschloss die Republik, junge heimische Kicker für die 2008 in Österreich bevorstehende Fußballmeisterschaft EURO mit einer Million Euro zu fördern. Das Geld floss über den Österreichischen Fußballbund zur Bundesliga, die es an die Stammklubs der ausgewählten Spieler weiterleiten sollten.

Oberstaatsanwältin Barbara Schreiber legt nun Westenthaler zur Last, den Vereinen die Fördermillion vorenthalten und für die Begleichung der Vergleichssumme von 1,2 Millionen missbraucht zu haben (so wie die allein erziehende Mutter die Alimente nicht ihrem Kind zukommen lässt, sondern selbst verbraucht).

Der Retter

Westenthaler habe alle getäuscht und dem Aufsichtsrat der Bundesliga vorgemacht, die Republik zahle sich ihre Außenstände quasi selbst. Darin erblickt sie schweren Betrug. Und das Motiv sieht sie darin, dass sich Westenthaler als "Retter der Bundesliga" verkaufen konnte. Überhaupt sei Westenthaler sehr großzügig mit dem Geld der Bundesliga umgegangen. Auf Dienstreisen habe er etwa einen BMW angemietet, statt sich in den allgemeinen Shuttlebus zu zwängen.

Dem zweiten Vorwurf gegen Westenthaler und den krankheitshalber abwesenden mitangeklagten Ex-Lotterien-General Leo Wallner liegt laut Anklägerin eine relativ plumpe Untreue zugrunde. Man kennt das schon vom Telekom-Prozess gegen Westenthalers früheren Parteifreund Gernot Rumpold.

Westenthaler soll 2006 als BZÖ-Obmann erreicht haben, dass die schwarz-orange Regierung eine für die Lotterien schädliche Gesetzesänderung abbläst. Diese hätte den Glücksspielmarkt für Konkurrenten wie Novomatic erweitert. Im Gegenzug sollen die Lotterien über die BZÖ-Werbeagentur Orange 300.000 Euro ans BZÖ gezahlt haben, und zwar über ein Scheingeschäft: Ein Westenthaler-Mitarbeiter soll für die Lotterien alibihalber ein wertloses Gutachten über "Responsible Gaming" zusammengegoogelt haben.

Ein unbefangener Prozesszuschauer konnte am Freitag im Wiener Landesgericht beinahe übersehen, dass Westenthaler ein Angeklagter ist. Richter Wolfgang Ettl entsprach seiner Bitte, die finanziellen Verhältnisse nicht öffentlich zu erörtern.

Redefluss

Und er gestattete Westenthaler, sich mit einer Powerpoint-Präsentation zu verteidigen, statt wie üblich Rede und Antwort stehen zu müssen. Unterbrechungen goutierte Westenthaler nicht einmal seinem Verteidiger, der ihn anleiten musste, zum Gericht und nicht ins Auditorium zu sprechen: "Thomas, das ist störend", zischte Westenthaler, der sich mit dem Satz nicht schuldig bekannte: "Welcher Affe hätte mich reiten sollen?"

Der Prozess geht Montag weiter.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.