© APA/AFP/OLI SCARFF

Sport Fußball
05/10/2020

ORF: Millionenangebot für Fußball und 570 Mitarbeiter in Kurzarbeit

Bezahlsender und Rechteinhaber Sky dürfte im Falle des Liga-Starts zehn Livespiele in Richtung Küniglberg verkaufen.

von Andreas Heidenreich

34 Millionen Euro zahlt TV-Partner Sky den Klubs der Fußball-Bundesliga seit 2018 pro Saison für die Exklusivrechte. Der Bezahlsender, der seine Mitarbeiter nicht in Kurzarbeit geschickt hat, hat sich nun offenbar dazu entschlossen, einen Teil der Rechte weiterzuverkaufen, um so seine Ausgaben für diese Saison zu reduzieren.

An Interessenten mangelte es nie. Vor allem der ORF hat mehrmals öffentlich Interesse bekundet. Sofern Gesundheitsminister Rudolf Anschober kommende Woche Grünes Licht für die Geisterspiele gibt, dürfte die Liga auch ein Comeback im Free-TV geben.

Denn KURIER-Informationen zufolge befinden sich die Verhandlungen zwischen Sky und ORF auf der Zielgeraden. Demnach steht man am Küniglberg kurz vor dem Erwerb eines Pakets von zehn Livespielen.

So wie vor dem Sky-Exklusiv-Deal würde man dabei jeweils ein Spiel pro Runde übertragen und dieses auch selbst auswählen dürfen. Der ORF zeigt sich auf Anfrage nach den fortgeschrittenen Verhandlungen defensiv: „Wir sind in Gesprächen. Weit fortgeschritten wären sie für mich aber erst, wenn ich schon Vertragsentwürfe hätte“, sagt Sportchef Hans Peter Trost. Seitens Sky heißt es nur: „Kein Kommentar.“

Geld oder Reichweite

Die Thematik hat jedenfalls bei Sky für interne Diskussionen gesorgt. Da galt es abzuwägen: Will man schnelles Geld machen oder nützt man Corona als Chance, an Reichweite zu gewinnen? In Kombination mit der deutschen Bundesliga, die nächste Woche fortgesetzt wird, ließen sich viele Abos verkaufen. Darüber hinaus müsste man bestehenden Kunden, die für die Spiele zahlen, nicht erklären, warum plötzlich Spitzenspiele im Free-TV zu sehen sind.

In Deutschland hat Sky Erklärungsbedarf bei den Abonnenten. Denn ab 16. Mai wird die Samstags-Konferenz aus fünf von neun Spielen live und frei empfangbar im Spartenkanal Sky Sport News HD ausgestrahlt.

In Österreich wird man die teuer erworbene Exklusivität eher nicht verscherbeln. Der ORF wird neben seiner bestehenden Verpflichtung in siebenstelliger Höhe für die Nachberichterstattung einen weiteren Millionenbetrag investieren. Viel Geld in Anbetracht dessen, dass man gerade 570 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt und bis zu 50 Millionen Euro an Einbußen aus fehlenden Werbe- und GIS-Einnahmen durch Corona zu beklagen hat (Arbeitslose müssen die Gebühr nicht zahlen, Anm.).

Der Betrag stieg auch durch potente Mitbewerber. Gegen Puls 4 hat man sich dem Vernehmen nach ebenso durchgesetzt wie gegen ServusTV. Und das, obwohl der Red-Bull-Sender nicht nur auf Mateschitz-Millionen gebettet ist, sondern mit David Morgenbesser einen Experten in den Reihen hat, der exakt weiß, mit welchen Karten auf dem Verhandlungstisch gespielt wird. Der Deutsche verhandelte 2018 für Sky den Deal mit der Liga aus und wechselte noch im selben Jahr zur Konkurrenz.

Viele Rapid-Spiele?

Nicht überrascht sein sollte man, würde ein Gutteil der zehn Partien mit Rapid-Beteiligung über den Bildschirm gehen. Die gute Beziehung zwischen Hütteldorf und dem Küniglberg ist seit 2018 dokumentiert: Da einigten sich Rapid und der ORF auf eine Kooperation bis 2022. Diese sieht die Übertragung etwaiger Qualifikationsspiele zu UEFA-Bewerben, sowie eines internationalen Testspiels pro Jahr vor.

Bereits mit Beginn der nächsten Saison könnte es mit den Liga-Spielen im Free-TV allerdings schon wieder vorbei sein – so Sky will. Denn der Bezahlsender hat nicht nur einen bestehenden Vertrag mit der Bundesliga bis 2022, sondern darüber hinaus die Option, seine Exklusivität um vier weitere Jahre bis 2026 zu verlängern.