Sport | Fußball
05.12.2011

Österreichs Kicker beim lieben Nachbarn

Immer mehr Österreicher versuchen ihr Glück in Deutschland. Eine Standortbestimmung zum Start der 1. Bundesliga.

Die Zahl der österreichischen Fußballer in den Profikadern der Vereine in der ersten deutschen Bundesliga steigt Jahr für Jahr. Grund dafür ist auch, dass immer mehr Jugendliche von den deutschen Nachwuchsscouts entdeckt werden. So rückten in Stuttgart mit Holzhauser und Stöger gleich zwei Österreicher, die dort schon das eine oder andere Jahr im Nachwuchs gespielt haben, in den Profikader auf.

62 Spieler mit österreichischem Pass sind bei den 56 Vereinen der drei deutschen Profiligen tätig. 16 der 18 österreichischen Erstliga-Profis haben schon den Teamdress getragen. Einer wurde noch nie gefragt, einer will nicht.

Eine Vorschau auf die Saison, die dieses Wochenende beginnt, durch die rot-weiß-rote Brille.

Der Unwillige
Der 18-jährige Moritz Leitner, der seit Sommer bei Meister Dortmund kickt, hat schon gesagt, dass er den Teamdress seines Vaterlandes Deutschland tragen will (seine Mutter ist Österreicherin).

Der Unbekannte
Freiburg hat Jonathan Schmid schon 2008 aus dem Elsass und letzten Winter in den Profikader geholt. Der ÖFB hat den 21-jährigen Sohn einer Französin und eines Österreichers noch nie zu irgendeinem Länderspiel einberufen.

Die Stammkräfte
Vier Spieler können mit Fug und Recht behaupten, dass ihr Stammplatz auf dem Rasen ist. Teamkapitän Christian Fuchs hat auch bei Schalke seinen Platz links hinten fix gebucht. "Vielleicht ist es ein gutes Omen, dass ich im letzten Jahr mit Mainz auch im ersten Spiel bei Stuttgart angetreten bin", sagt er. Dort trifft er auf seinen Nationalteam-Kollegen Martin Harnik, der sich bei den Schwaben ebenfalls in die engere Auswahl des Trainers gespielt hat. Harnik ist der einzige Offensivspieler mit Stammplatz. Neben Linksverteidiger Fuchs sind auch die Innenverteidiger Martin Stranzl (Mönchengladbach) und Emanuel Pogatetz (Hannover) Defensivspieler.

Die Hoffnungsträger
David Alaba durfte nach einem halben Leihjahr in Hoffenheim wieder zurück zu den Bayern. Dort hält man auf den 19-Jährigen große Stücke. Der Wiener profitiert auch von der Verletzungsanfälligkeit der Feinmechaniker Robben und Ribéry. Jung-Stürmer Marco Djuricin kam bei Aufsteiger Hertha schon zu etlichen Einsätzen in der Zweiten Liga.

Das Fragezeichen
Marko Arnautovic in seinem zweiten Jahr in Bremen. Kann er, darf er, will er überhaupt?

Die Patienten
Sebastian Prödl nimmt nach seiner Operation wieder den Kampfauf um einen Stammplatz in der Innenverteidigung von Bremen. Auch Andreas Ibertsberger war lange verletzt (Sprunggelenk), will seinen Linksverteidigerplatz von Braafheid zurück.

Die Rotierer
Die Mainzer Julian Baumgartlinger und Andreas Ivanschitz haben mit Thomas Tuchel einen sehr rotationsfreudigen Trai-ner, der kaum Stammplatzgarantien gibt.

Die Bank
Marco Knaller ist bei Kaiserslautern dritter Tormann. Seine Chancen auf Einsätze sind sogar geringer als die von Teamkollegen Clemens Walch.

Der Frust
Rubin Okotie ist nach langer Verletzungspause wieder fit, spielt bei Nürnberg-Trainer Hecking aber keine Rolle. Der Ex-Austrianer würde gerne den Verein verlassen.

Die Lehrbuben
Bei Stuttgart dürfen Holzhauser, Stöger und Aschauer vorerst einmal mit den Profis trainieren.