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ÖFB-Duett: Affengruber und Svoboda wollen spielen, sagen es aber nicht

David Affengruber und Michael Svoboda gelten als Außenseiter auf WM-Einsätze. Trotzdem wissen sie genau, was sie wollen. Man muss nur die richtige Frage stellen.
Andreas Heidenreich aus Santa Barbara
David Affengruber und Michael Svoboda (re.)

Sie sitzen nebeneinander beim Medientermin des ÖFB in Santa Barbara, David Affengruber und Michael Svoboda, und wer sie zum ersten Mal sieht, braucht einen Moment. Ähnlich groß, ähnlich kräftig gebaut, die gleichen dunkelblonden Haare, der gleiche Kurzhaarschnitt und beide gut gebräunt von der kalifornischen Sonne. Beide spielen übrigens auch Innenverteidiger.

Dann die erste Frage an beide: Was muss passieren, damit die WM eine persönlich gelungene wird?

Affengruber: „Wenn wir gute Spiele abliefern, als Mannschaft funktionieren und das, was wir uns vornehmen, auf den Platz bringen – dann wird das ein gelungenes Turnier sein.“

Svoboda: „Das ist die größte Bühne, die es im Fußball gibt. Im Vordergrund steht immer die Mannschaft. Da versucht man, alles für die Mannschaft zu tun.“

Noch einmal von vorne

Die Frage war nach persönlichen Zielen. Also noch einmal nachhaken.

Affengruber: „Es gibt immer persönliche Ziele, aber ich glaube, dass trotzdem die Mannschaft im Vordergrund steht. Das ist das Wichtigste, dass sich keiner herausnimmt und alle für die Mannschaft arbeiten.“

Zwei Männer, eine Antwort. Doppelt abgesichert, kollektiv verpackt und vielleicht das Wichtigste für sie: kaum angreifbar. Man kann es ihnen nicht einmal verübeln. Im Nationalteam – und erst recht bei einer WM, wo jedes Wort nach Österreich übertragen wird – haben sie gelernt, das Ich auszulassen.

Keine Lüge

Es ist eine Art Selbstschutz, keine Lüge. Wer hier zu viel von sich preisgibt, muss sich im schlimmsten Fall vielleicht vor der Mannschaft rechtfertigen. Einer Mannschaft, deren Mitglieder bei jeder Gelegenheit betonen, wie toll der Teamgeist doch ist.

Dabei wäre Eigeninteresse in ihrer Situation das Normalste der Welt. Bei beiden war nicht klar, dass ihre Namen im WM-Kader von Ralf Rangnick aufscheinen werden. Svoboda nennt den Moment der Einberufung sogar einen der schönsten, seines Lebens.

Beide werden demzufolge in der Öffentlichkeit als Reservisten eingestuft, beide wissen, dass sie eher nicht spielen werden. Beide haben trotzdem Ambitionen – das merkt man spätestens, wenn man aufhört, nach dem Nationalteam und der WM zu fragen.

Plötzlich kommt das "Ich"

Denn sobald es um die Vereine geht bei denen sie spielen, klingt vieles anders. Svoboda ist seit dem letzten Jahr Kapitän beim FC Venezia. Er ist mit dem Klub bereits dreimal in die Serie A aufgestiegen: „Ich strebe es immer an, Verantwortung zu übernehmen. Ich habe das Ziel gehabt, Kapitän zu werden. Zum Glück ist die Wahl auf mich gefallen. Ich glaube, dass ich es diese Saison ziemlich gut gemacht habe.“

Affengruber, seit zwei Jahren in Spanien, ging den ungewöhnlichen Weg zu Elche in die zweite Liga, schaffte gleich den Aufstieg in die Primera Division und in der ersten Saison den Klassenerhalt: „Mein Schritt war vielleicht ein bisschen außergewöhnlich, aber absolut der richtige. Er hat mich bis hierher gebracht. Darauf bin ich schon stolz.“

Da ist es, das Ich. Unverstellt und konkret.

Dass bei der EM 2024 sechs verschiedene Innenverteidiger zum Einsatz kamen – und damit die Chancen für sie vielleicht besser stehen als man denkt – wussten sie übrigens nicht. Zumindest schauten beide überrascht, als man sie darauf ansprach. Ein kurzes Innehalten, dann Svoboda: „Natürlich freuen wir uns, wenn man irgendwann Minuten bekommt. Aber es ist nicht so, dass man sich persönlich in den Vordergrund stellen will.“ Im Vordergrund, versteht sich, steht die Mannschaft.

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