ÖFB-Campus: Wo Alaba, Arnautovic und Co. trainieren und wohnen
Der ÖFB-Campus
Am Donnerstag war es so weit: Erstmals haben David Alaba, Marko Arnautovic und Kollegen ihre Zimmer am ÖFB-Campus bezogen. Spätestens damit hat für den Fußball-Bund eine neue Ära begonnen. Der Campus in der Seestadt Aspern ist ein Ort, der mehr sein will als nur eine Trainingsstätte – und der schon vor seiner sportlichen Feuertaufe wirtschaftlich und organisatorisch bemerkenswert gut funktioniert.
Alexander Gruber, gemeinsam mit Andreas Baumgartner für den Campus verantwortlich, spricht nicht von einem Prestigeprojekt, sondern von einem durchkalkulierten Kraftakt. „Josef Pröll hat uns das gewissermaßen mit auf den Weg gegeben“, erzählt er, „indem er gesagt hat, dass er uns zutraut, den Campus in den ersten fünf Jahren mit einem jährlichen Verlust von höchstens einer Million Euro zu führen.“ Eine Zahl, die zunächst hoch klingt – bei näherem Hinsehen aber realistisch erscheint. 55.000 Quadratmeter Fläche wollen betrieben, gereinigt und instand gehalten werden, dazu kommen Energie- und Personalkosten.
Der Kraftraum
Oft ausgebucht
Doch der Blick auf die ersten Monate stimmt optimistisch „So, wie sich die aktuelle Buchungslage darstellt, sieht es sehr gut aus, dass wir diese eine Million Euro Verlust unterbieten können“, sagt Gruber. Ein entscheidender Faktor dabei sind jene Kosten, die früher regelmäßig nach außen geflossen sind. Trainingslager, Hotel, Pressekonferenzen, Meetingräume – all das hat der Verband über Jahre hinweg anmieten müssen. „Jeder Euro, den du für ein Zimmer in einem Hotel ausgegeben hast, war weg. Hier bleibt das Geld im Kreislauf des ÖFB.“ Der Campus ist zwar keine eigenständige GmbH, aber in die ÖFB-Wirtschaftsbetriebe eingegliedert – mit klaren Kostenstellen, die genau dokumentieren, was hier erwirtschaftet wird.
Rund 75 Millionen Euro hat das Projekt gekostet, jeweils ein Drittel finanzierten der ÖFB selbst, die Stadt Wien und der Bund.
Ein modernes Zimmer im Campus
Der Campus ist mehr als ein internes Leistungszentrum. Wer durch die Anlage geht, merkt schnell, dass hier ein kleiner Mikrokosmos entstanden ist. Vier Rasenplätze, davon einer in einem Kleinstadion, ein Kunstrasen, Seminarräume, Unterkünfte, Restaurant – alles nach modernsten Standards und so, dass man damit Geld verdienen kann.
Großzügige Ausstattung
Die Rechnung scheint aufzugehen. „Wir haben zum Teil pro Woche schon 25 bis 30 verschiedene Veranstaltungen hier“, erzählt Gruber. „Und es gibt Tage, da bewegen sich mehr als 350 Personen am Gelände.“ An manchen Tagen stoße man bereits an die Kapazitätsgrenzen.
Und das trotz großzügiger Ausstattung. Zwölf Seminarräume gibt es hier. Der kleinste fasst sechs Personen, der größte 250. Im Ernst-Happel-Stadion, wo der Verband zuvor residierte, gab es nur zwei Sitzungsräume.
25 Personen beschäftigt
Auch personell ist der Campus ein kleines Unternehmen für sich. Acht Mitarbeiter im Campus-Management des ÖFB, dazu externe Platzwarte, Catering- und Reinigungsteams – rund 25 Personen sind ständig vor Ort beschäftigt. Darüber hinaus ist die ganze ÖFB-Geschäftsstelle mit rund 100 Mitarbeitern hierher übersiedelt.
Ursprünglich sei die Idee gewesen, „eine Heimat für die eigenen Teams“ zu schaffen, sagt Gruber. „Jetzt sind wir viel mehr.“ Heute sei man „in Wahrheit eine Event-Location, ein Schulungs- und Fortbildungszentrum und wir sind ein Restaurantbetrieb für den internen wie externen Bedarf am Campus.“
Feuertaufe
Und doch ist in diesen Tagen alles auf den Einzug des A-Nationalteams konzentriert. Das ist so etwas wie eine Feuertaufe für die Anlage mit 48 Zimmern, in denen bis zu 96 Personen Platz haben. Für die Premiere der Teamspieler wird der Campus zur exklusiven Zone. „Gerade jetzt garantieren wir dem A-Team eine gewisse Exklusivität.“ Soll heißen: Keine externen Veranstaltungen.
Wenn das Nationalteam bisher in Wien spielte, wohnte man in Luxushotels in der Innenstadt. Dort konnten Spieler Freunde und Familienmitglieder empfangen, die sie als Legionäre im Ausland selten sehen. Auch am Campus soll das möglich sein. „Ja, so einen Bereich wird es geben“, sagt Gruber. „Darüber hinaus haben sie eine eigene Playerslounge.“
Draußen, auf den Trainingsplätzen, zeigt sich schließlich technische Raffinesse. „Alle Plätze haben eine Rasenheizung und Kühlung, die über Geothermie betrieben wird“, erklärt Gruber. Mehrere Brunnen liefern Wasser mit konstanten Temperaturen zwischen acht und 13 Grad. „Das ist ideal für das Wurzelwachstum – und genau das erreichen wir umweltschonend und nachhaltig mit diesem Grundwasser.“
Es sind Details wie diese, die zeigen, welchen Anspruch der ÖFB nun verfolgt. Für einen Verband, für den die bevorstehende WM-Teilnahme keine Ausnahme bleiben soll, war dieses Zuhause auch dringend notwendig.
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