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23.03.2018

ÖFB sucht wegen des Happel-Stadions Dauerlösung mit Stadt Wien

Für die Austragung weiterer Länderspiele in der Hauptstadt benötigt der Verband einen neuen Vertrag.

Nicht weniger als sieben Heimspiele bestreitet das ÖFB-Nationalteam im Jahr 2018, die ersten drei werden in Klagenfurt (gegen Slowenien und Deutschland) und Innsbruck (gegen WM-Veranstalter Russland) ausgetragen. Die Bundeshauptstadt Wien kommt erst am 10. Juni mit dem Kracher gegen Brasilien zum Zug. In diesem Einzelfall einigte sich der Verband mit der Stadt Wien auf einen Kontrakt zu alten Konditionen.

Darüber hinaus ist der ÖFB bestrebt, auch künftig Länderspiele in Wien auszutragen. Dafür bedarf es aber einer neuen Vereinbarung mit der Stadt, die die Benützungsgebühr für das Ernst-Happel-Stadion offenbar um ein Vielfaches erhöhen will. Gemunkelt wird von bis zu 300.000 Euro im Vergleich zu den bisherigen 50.000 Euro.

Favorit Wien

„Wir haben gegenüber der Stadt Wien aber betont, dass uns der Standort Ernst-Happel-Stadion wichtig ist“, erklärte Bernhard Neuhold, der Geschäftsführer der ÖFB Wirtschaftsbetriebe GmbH. Sowohl das Fassungsvermögen als auch weitere Annehmlichkeiten in der Bundeshauptstadt seien sehr attraktiv.

Aktuell hat der ÖFB allerdings keinen Vertrag mit der Stadt als Stadion-Eigentümerin. „Wir sind in laufenden Gesprächen“, sagte Neuhold. „Ich hoffe, dass wir zeitnah eine Einigung finden.“ Eine unbefristete Vereinbarung, die die Rahmenbedingungen für Länderspiele im Prater regelt, sei das Ziel. „Wir sind in einer Phase, in der wir zuversichtlich sind, dass wir zu einer Lösung kommen.“ Daher möchte man Zahlen nicht kommentieren. Im an Terminen dichten Herbst steht neben den Heimspielen der neu geschaffenen Nations League gegen Nordirland (12. Oktober) und Bosnien-Herzegowina (15. November) am 6. September auch ein Test gegen Schweden auf dem Programm.

Rechtzeitige Einigung

Im Happel-Oval ist am selben Tag der Wiener „Business Run“ angesetzt. Der Spielort muss 120 Tage vor einem offiziellen Länderspiel bei der UEFA deponiert werden, weil beim europäischen Verband auch die Vermarktungsrechte liegen.

Bis Mitte Mai ist daher eine Entscheidung mit Wien und Stadtrat Mailath Pokorny fällig. „Ein Vertragsabschluss ist wichtig, damit wir Planungssicherheit haben“, so Neuhold. Im Gegensatz zu Vorgänger Marcel Koller, für den Wien erklärter Lieblinsspielort war, sei Neo-Teamchef Franco Foda bei der Auswahl der Standorte flexibel.

Neuhold: „Für ihn gibt es kein fixes Heimstadion in dem Sinn. Er ist offen für alles. Er sieht es in erster Linie als eine Entscheidung des ÖFB. Natürlich wird der Teamchef aber von uns in alle Überlegungen eingebunden.“ Sollte auf lange Sicht im Prater tatsächlich ein neues Nationalstadion gebaut werden, wäre laut Neuhold ein Fassungsvermögen im Bereich der aktuellen Arena das Ziel – rund 50.000 Zuschauer.

Glücksfall Brasilien

Bei der Verpflichtung von Brasilien war der Zufall ein guter Mitspieler. „Solche Gegner sind nicht 100-prozentig planbar“, meint Neuhold. Im Jänner hatte sich die Agentur, die Brasilien exklusiv vermarktet, gemeldet. Der Kontakt sei nach einem 2:1-Testspielsieg der Brasilianer im November 2014 in Wien nie abgerissen.

Ursprünglich waren zwei Varianten angedacht – Wien und London. „Bei uns war sehr schnell die Präferenz klar, das in Österreich zu machen, in Wien.“ Für Neuhold war wichtig, „dass es wirtschaftlich kein Risiko ist.“ Der Test gegen den Rekordweltmeister sei das „i-Tüpfelchen“ für ein auch sonst hochklassiges Länderspieljahr. Brasilien wird im letzten WM-Test wohl das beste Team aufbieten. Österreich soll als Versuchskaninchen für das Gruppenspiel gegen die Schweiz herhalten.