Lothar Matthäus: „Ich würde Ralf Rangnick alles geben“
Lothar Matthäus
Wenn der Vater von Bayern-Trainer Vincent Kompany das Interview mit Lothar Matthäus crasht, weiß man, dass man mittendrin ist in der Fußball-Welt. In einer Welt, in der der mittlerweile 65-jährige Welt- und Europameister Matthäus noch immer zu den schillerndsten Persönlichkeiten zählt. Bevor er den Champions-League-Hit Real Madrid gegen Bayern München auf Sky co-kommentierte, nahm er sich Zeit für den KURIER und drei weitere ausgewählte österreichische Medien.
Lothar Matthäus mit Vincent Kompanys Vater
Lothar Matthäus über …
... seine persönlichen Erinnerungen an den Klassiker Real gegen Bayern Ich habe meine letzten beiden Spiele für die Bayern gegen Real Madrid spielen dürfen. Das war im Jahr 2000, wir haben als erste deutsche Mannschaft im Bernabeu gewonnen, 4:2 damals. Ich kann mich eigentlich nur an Siege erinnern.
Das war schon ein Attentat
Und dann war da natürlich noch die Sache mit Juanito im Halbfinal-Hinspiel 1987 in München. Das war schon ein Attentat. Er hat sich zu dieser Tätlichkeit hinreißen lassen, hat mich zwei Mal getreten, einmal mit den Stollen am Hals. Das war brutal, es ist aber zum Glück nichts Schlimmeres passiert. Er hat mir später einen Brief geschrieben, für mich ist das erledigt. Er hat seine Strafe bekommen. Fünf Jahre Sperre – wann gibt es denn das sonst? Wieder ein Rekord, an dem ich beteiligt bin (lacht). Real ist derzeit nicht das beste Team der Welt, aber das größte. Ich wäre auch beinahe mal hier gelandet, aber Inter ließ mich nicht gehen.
... über die Bayern unter Trainer Vincent Kompany Wahnsinn. Er hat die Mannschaft wieder vereint, hat den Verein wieder zusammengebracht. Man hat wieder Freude, das sieht man auf dem Platz und das sieht man bei den Mitarbeitern. Es ist wieder Ruhe eingekehrt. Und es werden viele richtige Entscheidungen getroffen. Der Weg mit etwa Musiala oder Karl zeigt den anderen jungen Spielern am Campus, dass sie eine Chance haben.
Bayern-Coach Kompany
... über Messi, Ronaldo und sein großes Jugend-Idol Messi und Ronaldo haben die letzten zwei Jahrzehnte geprägt, man muss „Danke“ sagen, was sie für den Fußball geleistet haben. Natürlich auch als Vorbilder für die Kinder. Mein Vorbild war immer Günter Netzer. In Herzogenaurach hat es damals zwei Lager gegeben: Die Adidas-Leute waren Bayern-Fans, die Puma-Leute Mönchengladbach. Mein Vater hat bei Puma gearbeitet, deswegen war mein Weg klar. Mein Zimmer war voll mit Postern. Und da war dieser Spieler mit der Nummer 10, mit den blonden langen Haaren – und ab da wollte ich den Ball auf der Wiese genauso streicheln wie er. Das Schöne ist: Heute ist Günter Netzer mein Freund.
ÖFB-Teamchef Rangnick mit Laimer
... den österreichischen Teamchef Ralf Rangnick ist ein Geschenk für den österreichischen Fußball. Nicht nur als Teamchef, auch schon in seiner Zeit bei Red Bull, was er da alles auf die Beine gestellt hat. Wobei ich sagen muss, Hansi Flick und ich wollten in Salzburg schon Jahre zuvor das gleiche machen. Das ging aber nicht, weil Trapattoni da war. Rangnick durfte dann.
... Rangnicks Zukunft Ich sehe aktuell keinen, der Rangnick beerben könnte. Wenn ich der ÖFB wäre, würde ich ihm alles geben, was er will. Auch ein bisschen mehr Macht. Das ist es ja, was er will – seinen Weg gehen. Wirtschaftlich ist er glaube ich nicht unverschämt.
... Österreichs Chancen bei der WM Das Viertelfinale ist möglich, das wäre in meinen Augen ein Erfolg. England, Frankreich, Spanien – das sind für mich die großen Favoriten. Aber die Österreicher haben schon bei der EM aufgezeigt. Wenn sie an sich glauben und als Einheit auftreten, dann ist was möglich.
... über die Neo-Österreicher Carney Chukwuemeka und Paul Wanner Dass die österreichische Liga derzeit so spannend ist, ist kein Zeichen von Qualität. Es ist wichtig, dass die Teamspieler im Ausland, in starken Ligen spielen. Aus der eigenen Liga kommt nichts. Da bürgert ihr euch lieber zwei ein. Chukwuemeka kenne ich schon lange. Wenn er fit ist, bringt er genau das, was Rangnick will. Mit ihm und Wanner habt ihr zwei tolle Spieler bekommen.
Hinweis: Die Reise nach Madrid erfolgte auf Einladung von Sky.
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