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LASK oder Sturm? Wieso man den perfekten Meister konstruieren muss

Am Sonntag wird Sturm Graz oder der LASK Meister und das auch verdient. Beide Klubs müssen sich aber eine entscheidende Frage stellen.
Dominik Thalhammer
Der Meisterteller

Wenn am Sonntag der Meisterteller von Hand zu Hand gereicht wird, ist die Frage nach dem „Wie“ egal. In diesem Moment der Euphorie interessiert es weder Fans noch Trainer noch Spieler, ob der Titel „verdient“ ist. Wer nach 32 Runden ganz oben steht, hat recht. Das ist die simple Logik des Fußballs.

Es stellt sich die Frage: Ist das „Verdiente“ überhaupt wichtig? Im ersten Moment nicht. Aber wenn wir über die Nachhaltigkeit von Erfolg sprechen, ist es die alles entscheidende Frage, die sich Vereine stellen müssen.

Erinnern wir uns an Leicester City: 2016 sensationell englischer Meister mit Konterfußball, ein Jahr später nur noch Platz 12. In Österreich ist die Fallhöhe zwar geringer, das Prinzip aber bleibt: Erfolg ohne spielerische Dominanz ist oft nur eine Eintagsfliege.

Ein Blick in die Daten der Top-5-Ligen zeigt, was Dominanz heißt. Teams wie Bayern, Arsenal, Inter Mailand, Paris oder Barcelona beherrschen nicht nur den Ballbesitz. Sie kontrollieren Räume. Sie setzen sich mit ihrem Passspiel im Angriffsdrittel fest und verzeichnen die meisten Ballaktionen im gegnerischen Strafraum. Gegen den Ball lassen sie dem Gegner keine Zeit zum Atmen.

Vorne viel, hinten wenig

Die wahre Klasse zeigt sich in folgender Differenz: Ein Champion kreiert Chancen mit hoher Qualität und lässt defensiv gleichzeitig kaum etwas zu. In der Differenz dieser Werte sind Meister immer top in ihrer Liga.

Oft kommt ein individuelles Qualitäts-Plus hinzu: Stürmer wie Harry Kane schlagen die Statistik. Während ein Durchschnittsprofi aus Kanes Chancen statistisch etwa 26 Tore erzielt hätte, trifft Kane 33-mal. Er macht aus „Halbchancen“ Tore, weil seine Schusstechnik so präzise ist, dass er die Qualität jeder Chance im Moment des Abschlusses massiv erhöht. Wer ganz oben steht, verfügt fast immer über diese Unterschiedsspieler.

Die perfekte Mischung

Während internationale Top-Teams diese Qualitäten in einer Mannschaft vereinen, sind sie in unserer Bundesliga auf verschiedene Klubs verteilt. Den „perfekten Meister“ müssten wir uns aktuell wie folgt konstruieren:

  • Wir bräuchten das aggressive Pressing und die Effizienz eines Otar Kiteishvili von Sturm Graz.
  • Wir bräuchten die Spielkontrolle und Ballsicherheit von Red Bull Salzburg.
  • Und wir bräuchten die strukturelle Balance des LASK: Die Qualität, sich Torchancen mit Spielern wie Usor, Kalajdzic oder Adeniran herauszuspielen, kombiniert mit der Fähigkeit, den eigenen Strafraum zur Festung zu machen und defensiv fast nichts zuzulassen.

Doch wie soll sich ein solcher dominanter Fußball nachhaltig entwickeln, wenn Kontinuität ein Fremdwort bleibt? In Österreich erleben wir einen Sonderfall der Ungeduld: Von den Top-5-Teams haben in dieser Saison vier (Salzburg, Sturm, LASK, Rapid) den Trainer gewechselt. Diese Hire-and-Fire-Mentalität kennt man sonst eher aus Ligen wie der Türkei oder Griechenland.

Die Tabelle im Mai lügt nie über die Vergangenheit, und jedem Meister gebührt Respekt. Doch die Daten lügen nie über die Zukunft: Unsere Vereine brauchen Mut zur Dominanz und Vertrauen in langfristige Prozesse – nur wenn Nachhaltigkeit sichergestellt ist, profitiert am Ende der gesamte österreichische Fußball.

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