Sport | Fußball
25.08.2018

Kühbauer: "Platz zwei steht uns nicht zu"

Didi Kühbauer sorgte für die Wende beim SKN. Im Interview gewährt der Trainer Einblicke.

St. Pölten gegen Austria – das ist tatsächlich der Schlager der fünften Runde (17 Uhr, Live-Ticker auf KURIER.at). Großen Anteil daran hat SKN-Trainer Dietmar "Didi" Kühbauer, 47.

KURIER: Wie schwer ist aktuell die Balance zwischen Selbstvertrauen und Demut?

Dietmar Kühbauer: Das Überwort Demut verwende ich nicht mehr, weil die ohnehin in einem stecken muss. Ich spüre, dass die Mannschaft die Ansprüche an sich selbst erhöht. Aber wir wissen, wo wir hingehören: Platz zwei steht uns nicht zu. Trotzdem werden wir ihn so lange wie möglich verteidigen. Wir sind eine gute Mannschaft, die gegen jeden verlieren kann, aber auch allen wehtun kann.

Sie haben die Mannschaft stark umgebaut. Gibt es Kandidaten, die abheben könnten?

Bis jetzt bemerke ich nichts. Auf die Spieler, die schon länger da sind, kann ich mich verlassen. Ich habe aber auch bewusst sehr gute Fußballer weggegeben. Da sind wir bei der alten Mentalitätssache: Manche sind für einen kleinen Verein, der dauernd im Abstiegskampf steckt, nicht geeignet. Riski etwa habe ich früh gesagt: „Es tut mir leid, aber du passt nicht in mein System.“ Solche Sätze tun mir menschlich weh, aber ich will ehrlich sein. Ich rechne es ihm hoch an, wie professionell er reagiert.

Apropos: Tormanntrainer Knaller war mit Leidenschaft dabei, wurde aber von Ihnen durch Jürgen Macho ersetzt. Wie hart müssen Sie sein?

Der Fußball ist wichtig, aber der Mensch kommt als Erstes. Ich muss Entscheidungen treffen, Veränderungen durchziehen. Das tue ich für den Verein und ist nicht gegen eine Person gerichtet.

Das Rundherum in St. Pölten stimmt, jetzt gibt es auch einen neuen Hauptsponsor. Sind das die besten Voraussetzungen für Ihre Arbeit bisher?

Ja, ich würde mir nur wünschen, dass mehr Fans ins Stadion kommen. Und bei der St. Pöltner Akademie wäre wichtig, dass sie der SKN übernehmen könnte.

Sie waren als Verfechter der Viererkette bekannt. Plötzlich gewinnt ihr Team mit einer Fünferkette. Was ist passiert?

Ich war ein Viererketten-Trainer, aber ich schaue: Was passt für den Verein und die Spielertypen am besten? Weil das gerne übersehen wird: Unsere Fünferkette bilden vier Junge und der 29-jährige Drescher, der beim WAC keine Chance mehr hatte. Du musst mit der Zeit gehen, variabel sein, ich mach’ das aber sicher nicht, um modern zu wirken.

Ihr Freund Zoran Barisic meint, dass Sie nicht nur als Trainer die Wende geschafft haben, sondern auch perfekt eingekauft haben. Wie schwer ist das ohne Ablöse?

Ich kenne es ja nicht anders. Bei meinen Vereinen wurde immer eher verkauft. Wir können uns halt keine Zauberer leisten. Ich gebe ehrlich zu: Liendl hätte ich sehr gerne verpflichtet. Aber warum hat er sich für den WAC entschieden?

Weil er dort mehr verdient?

Überraschung! (lacht) Ich kann dem Liendi nicht mal böse sein: Er ist 32 Jahre, ein super Typ und will halt nochmals ordentlich verdienen.

Nach dem Aus beim WAC waren Sie zweieinhalb Jahre ohne Job. Sie haben viel Energie, wie wurde das kanalisiert?

Am Anfang wollte ich Abstand, dann hab ich auf meine Chance gewartet und mit der Zeit sind die Zweifel gekommen. Genau das war wichtig, um sich selbst zu durchleuchten. Ich habe nicht alles richtig gemacht.

Haben Sie sich mit Ihrem Image beschäftigt?

Ich will wirklich keine Imagekorrektur. Aber das, was kursiert, stimmt nicht. Ich bin nicht zu hart.

Schätzen Sie Videoanalyse?

Ich soll ja ein Gegner davon sein, das finde ich lustig. Bei der Admira und WAC war kein Geld dafür da, hier beim SKN ist es perfekt. Aber mir war es zu viel. Es wurden andauernd Fehler gezeigt. Das kannten die Spieler eh schon seit 20 Partien. Ich will auch was Positives sehen!

Und was zeigen Sie Ihren Spielern jetzt?

Natürlich die Fehler, logisch (lacht). Aber es muss zum Schluss was Positives kommen, und da haben wir jetzt genug herzuzeigen.

Würden Sie gerne mit mehr Ballbesitz agieren?

Ich war nie ein Freund von der Jagd nach dem zweiten Ball, sondern von einem gepflegten Offensivspiel. Letztes Jahr hatte der SKN viel Ballbesitz, aber nicht in den Zonen, wo es gefährlich wird. Wir werden nie die spielerische Qualität von Salzburg, Rapid, Sturm oder LASK haben. Wir haben für jede Partie einen Matchplan, aber das heißt nicht, dass der auch aufgeht. Wir müssen uns über die Leidenschaft und die passende taktische Ausrichtung definieren.

Auffällig war, dass die Probleme bei der Admira und beim WAC mit der Europacup-Qualifikation begonnen haben.

Alle kleine Klubs sind durch die Doppelbelastung weggebrochen: Admira, WAC, Grödig, Altach, St. Pölten. Bei der Admira geb’ ich mir die Schuld: Ich hätte nicht gedacht, dass die Spieler in so ein physisches und psychisches Loch fallen werden. Beim WAC habe ich es vorhergesagt: Alles ging um das Dortmund-Spiel, das war aber nur das Dessert. Für das tägliche Brot wäre ein größerer Kader nötig gewesen.

Ihre Karriere ist von Serien geprägt: Bei der Admira gab es zehn Spiele ohne Niederlage und elf Pleiten in zwölf Spielen. Beim WAC acht Siege in Folge, dann ewig keinen Auswärtssieg. Hier gab es fünf Spiele ohne Sieg, jetzt halten Sie bei zehn ungeschlagenen Partien. Woran liegt das?

Statistisch kann ich es nicht beweisen, aber sicher auch am Glück. Ich bin kein Serientäter. Beim SKN war es anfangs so, dass die Spieler riesige Angst vor dem nächsten Fehler hatten, obwohl ich auf sie eingeredet habe: „Scheißegal, ob Fehler passieren, euch passiert nix.“ Diese Last war erst mit dem ersten Sieg in Altach weg.

Sollen wir das Interview ohne Frage zu Rapid beenden?

Das hat es für mich noch nie gegeben, obwohl dazu ja eh alles gesagt ist.

Dann machen wir es so: Werden Sie oft gefragt, ob Sie eine Ausstiegsklausel haben?

Oft genug (lacht). Jeder weiß, wie ich zu Rapid stehe, aktuell bin ich aber Trainer beim SKN. Punkt, aus.