Sport | Fußball
21.04.2012

Jancker: "Ich war oben und ganz unten"

Jugend-Förderer: Rapid fehlen Stürmer vom Format eines Carsten Jancker. Der Deutsche arbeitet daran, die Wartezeit zu verkürzen.

Der Sturm wird gegen Sturm im Mittelpunkt stehen. Rapid muss sich in der Offensive steigern, um im ausverkauften Hanappi-Stadion gegen den Meister die Meisterträume am Leben zu erhalten. Daran arbeitet auch Carsten Jancker, der sich mit Atdhe Nuhiu regelmäßig zum Individualtraining trifft.

Der frühere Klassestürmer, der mit den Bayern 2001 die Champions League gewann, übt auch mit Michael Schimpelsberger und Christopher Drazan im Rahmen der ÖFB-Förderung "Projekt 12". "Ich mache die A-Trainer-Lizenz und werde in Basel hospitieren. Aber zu 80 Prozent habe ich einen Bürojob", erzählt der 37-jährige Deutsche, der im Sommer als Sportmanager für Nachwuchs und Amateure gewonnen werden konnte.

Stefan Ebner ist sein Pendant für die Profis. "Die Trennung war eine gute Entscheidung. Hut ab vor unserem Vorgänger Ali Hörtnagl, der beide Bereiche noch zusammen betreut hat", sagt Jancker, der mit Rapid 1996 im Europacup-Finale stand und nun ohne einen Hauch von Eitelkeit im Hintergrund Basisarbeit leistet.

KURIER: Welche Schrauben stellt Rapid, um die Nachwuchsarbeit zu verbessern?
Carsten Jancker: Die größte Schraube ist die Akademie neben dem Hanappi-Stadion, die im Sommer entsteht. Wir erfüllen dann sehr gute Anforderungen mit perfekten Trainingsbedingungen und kürzeren Schulwegen als derzeit noch mit dem Standort Südstadt.

Aber eigentlich hätte ein Klub mit dem Anspruch von Rapid doch schon lange so professionelle Bedingungen schaffen müssen!
Dazu kann ich nur sagen, dass jetzt alles daran gesetzt wird, optimale Bedingungen zu schaffen. Zum Beispiel mit unserem fix angestellten Sportpsychologen, der die Jungprofis die richtige Einstellung zum Beruf lehren soll. Er hilft aber auch beim Verarbeiten von Negativerlebnissen wie Verletzungen.

Sie wurden selbst in der DDR ausgebildet. Welche positive Erkenntnis können Sie aus dieser Zeit weitergeben?
Das Motto: So wie ich trainiere, so spiele ich auch. Dass Enthusiasmus dazugehört. Und das Erkennen des Privilegs, Fußballer sein zu dürfen.

Wie haben Sie es in der harten DDR-Schule zum Traumberuf geschafft?
Ich bin als Zwölfjähriger ins Internat gekommen, wo der Tag um sechs Uhr Früh losging. Meine Mutter meinte, ich wäre noch zu jung. Aber ich wollte unbedingt, weil ich mein Ziel gesehen habe. Dafür habe ich in Kauf genommen, die Eltern nur am Wochenende zu sehen.

Viele Talente wirken schon zufrieden, wenn sie es in den Profikader schaffen und neigen zum Abheben. Wie sehen Sie diesen Grat zwischen Fördern und Fordern?
Da sind die Jungs bei mir richtig. Ich kriege schon mit, ob die Spieler wirklich alles für ihre Karriere geben.

Und wenn sie`s nicht tun?
Sie glauben es dir nicht, wenn du es nur sagst. Deshalb haben wir auch eine Videoanalyse. Die Bilder zum Fehlverhalten sind eindeutig.

Wie professionell wird in Österreich gearbeitet?
Sehr professionell und die Arbeit rentiert sich schon. Es ist kein Zufall, dass Großklubs junge Österreicher holen – auch wenn uns das bei Rapidlern wie Holzhauser oder Weimann wehtut. Das spricht für die Ausbildung.


Nur Peter Stöger wusste es

Ihre Karriere ist damals nach nur einem Jahr bei Rapid explodiert ...
Diese Saison hat vieles ermöglicht. Ich war davor in allen Nachwuchs-Nationalteams, knapp vor Rapid gab es aber einen Knick. Ich war bei Meppen und Luton Town auf Probetraining und wurde nicht genommen.

Und ein Jahr später wurden Sie von den Bayern gekauft. Stimmt es, dass Sie von Franz Beckenbauer persönlich umworben wurden?
Ja, er hat mich im Frühjahr 1996 nach einem Europacup-Spiel angerufen. Ich habe bis zum Saisonende nicht darüber gesprochen, um den Transfer nicht zu gefährden. Ich glaube, der Einzige aus der Mannschaft, der es gewusst hat, war Peter Stöger. Ich habe in diesem halben Jahr auch noch meine Frau kennengelernt. Was da passiert ist, war schon cool.

Sie waren mit den Bayern vier Mal Meister, haben die Champions League gewonnen und wurden 2002 Vizeweltmeister. Haben Sie das Maximum rausgeholt?
Nein. Man wird gefräßig und will immer mehr – etwa mehr Länderspiele. Da habe ich aber mit dem Transfer zu Udinese nach Italien die für meine Spielweise falsche Entscheidung getroffen.

Bei Udinese hat Sie auch eine Schambeinentzündung gebremst ...
Acht Monate lang konnte mir keiner helfen. Ich bin als Teamspieler nach Italien und am Ende hat sich keiner mehr für mich interessiert. Ich war oben und ganz unten.

Wie ist es nach Ihrem Engagement in China zum letzten sportlichen Frühling mit Mattersburg gekommen?
Für China hat das finanzielle Angebot gesprochen. Ganz ehrlich: Danach wollte ich meine Karriere beenden und bin deshalb mit meiner Frau zurück nach Österreich gekommen. Mattersburg hat sich irgendwie ergeben.