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Beweise vernichtet? Die UEFA erhöht den Druck auf Infantino

Der europäische Verband prüft die Einleitung rechtlicher Schritte und weitet den Widerstand gegen FIFA-Präsident Infantino aus.
Noch im Amt: Gianni Infantino

Zusammenfassung

  • Die UEFA erhöht nach dem gescheiterten Investorendeal den Druck auf FIFA-Präsident Gianni Infantino und prüft rechtliche Schritte wegen möglicher Unregelmäßigkeiten.
  • Der europäische Verband forderte Infantino, die FIFA und beteiligte Partner wie Joshua Kushner schriftlich auf, sämtliches Material zum FFE-Projekt als mögliche Beweismittel zu sichern.
  • Mit Wales entzieht erstmals ein europäischer Nationalverband Infantino die Unterstützung für seine angestrebte Wiederwahl 2027, während auch in England entsprechende Schritte geprüft werden.

Nach dem krachend gescheiterten Investorendeal von Gianni Infantino erhöhte Europa den Druck auf den angezählten FIFA-Boss und drohte dem Weltverbandspräsidenten mit rechtlichen Schritten. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) erhebt in einem Schreiben an den Spitzenfunktionär den schweren Verdacht, der Schweizer sowie Geschäftspartner könnten Beweise vernichten wollen. Und die ersten Nationalverbände aus Europa entziehen Infantino wieder ihre Unterstützung für eine erneute FIFA-Kandidatur, die im kommenden Jahr in Marokko eigentlich ihre Krönung finden sollte.

Material darf nicht vernichtet werden

Die UEFA weitet den Widerstand gegen den FIFA-Präsidenten aus. Das Ziel ist ziemlich deutlich: Infantino soll aus seinem mächtigen Amt verschwinden. Wie der Telegraph und die Financial Times berichten, hat der europäische Dachverband den Weltverbandspräsidenten aufgefordert, sämtliches Material im Zusammenhang mit dem zurückgezogenen Investorenvorhaben nicht zu vernichten. Entsprechende Appelle gingen demnach unter anderem auch an Technologieinvestor Joshua Kushner, der eine Schlüsselrolle bei dem Projekt hätte einnehmen sollen. Der Deutschen Presse-Agentur wurde bestätigt, dass ein Schreiben zur Sicherung von Beweismitteln versandt wurde.

„Die UEFA teilt hiermit förmlich mit, dass sie aktiv die Einleitung rechtlicher Schritte, eines Schiedsverfahrens und/oder Beschwerden bei den zuständigen Aufsichtsbehörden (zusammen die 'Verfahren') prüft. Diese beziehen sich auf den von der FIFA vorgeschlagenen FFE-Plan sowie auf alle damit in Zusammenhang stehenden Angelegenheiten, die nachstehend näher erläutert werden“, zitiert der Telegraph aus dem UEFA-Schreiben.

Infantino wollte Anteile an den Premium-Produkten des Weltverbandes an private Investoren verkaufen. Geldgeber hätten rund 20 Prozent der Anteile an dem neu zu gründenden Tochterunternehmen FIFA Forward Enterprise (FFE) erwerben können, dessen Wert zunächst mit 20 Milliarden Dollar beziffert war.

Die FFE hätte die kommerziellen Rechte an den FIFA-Wettbewerben wie der Männer- und Frauen-WM sowie der Klub-WM gebündelt. Technologieinvestor Joshua Kushner, dessen Bruder Jared mit der Tochter von US-Präsident Donald Trump, Ivanka, verheiratet ist, hätte über seine Investmentfirma Thrive eine Schlüsselrolle übernehmen sollen.

Die UEFA, die als großer Gegenspieler der FIFA auftritt, wähnt bei dem am massiven Widerstand der Verbände und der Öffentlichkeit gescheiterten Hinterzimmerdeal Unregelmäßigkeiten. „Sie und die FIFA sind verpflichtet, unverzüglich alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um sämtliche in diesem Schreiben bezeichneten Dokumente und elektronisch gespeicherten Informationen zu identifizieren, aufzufinden und zu sichern, die sich in Ihrem oder im Besitz, Gewahrsam oder unter der Kontrolle der FIFA befinden“, beschied die Europäische Fußball-Union energisch.

Wales macht den ersten Schritt: Keine Wiederwahl

Die Absetzbewegungen von Infantino setzen sich fort - in Europa zumindest. Als erster Nationalverband entzog wieder Wales öffentlich seine Unterstützung für die vom FIFA-Boss beabsichtigte Wiederwahl 2027. „Die jüngsten Defizite in den Bereichen verantwortungsvoller Verbandsführung, Entscheidungsprozesse, Führung, Werte, Stakeholder-Management, Kommunikation und Urteilsvermögen haben dazu geführt, dass Herr Infantino das Vertrauen des FAW verloren hat, weiterhin an der Spitze des Weltfußballs zu stehen“, zitierte Sky News in England den Walisischen Fußball-Verband FAW.

Der Co-Gastgeber der EM 2028 im Vereinigten Königreich und in Irland habe dies der FIFA auch schriftlich mitgeteilt. „Das Wohl des Fußballs nicht an erste Stelle zu setzen, ist ein Versagen, das wir nicht akzeptieren können.“ Kurz danach arbeitete auch England Medienberichten zufolge an einem entsprechenden Brief an die FIFA-Spitze.

Diese Länder hatten allerdings auch zu jenen mehr als 200 Nationen gehört, die noch rund um die WM in den USA, Kanada und Mexiko Infantino schriftlich zugesichert hatten, ihn auf dem 77. FIFA-Kongress am 18. März 2027 in Rabat (Marokko) bei seiner Kandidatur unterstützen zu wollen. Deutschland, nur einer der 211 FIFA-Mitgliedsverbände, gehörte damals nicht dazu.

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