Euro 2020 - Final - Fans gather for Italy v England

Von einer verpassten WM zum unbesiegbaren Gegner: Italien ist Europameister!

© REUTERS / FLAVIO LO SCALZO

Sport Fußball
07/12/2021

Im Ausnahmezustand: EM-Sieger Italien feiert seine Wiedergeburt

Der Papst holte zwei Titel, die Fans drehten in den großen Städten durch, viele Italiener wollen den 11. Juli als Nationalfeiertag.

von Alexander Strecha

Der Papst taumelt von einer Siegesfeier zur nächsten. In der Nacht auf Sonntag kürte sich Argentinien zum Sieger der Copa America, noch am selben Abend krönte sich Italien zum Europameister. Wenn da nicht im Vatikan der Messwein ausgeht.

Der Argentinier Franziskus, als Fußballfan bekannt, „teilte die Freude über den Sieg der argentinischen und der italienischen Nationalmannschaft mit den Menschen in seiner Nähe“, hieß es aus dem Vatikan. Das Oberhaupt der katholischen Kirche betonte demnach die Bedeutung und die Werte des Sports, jegliches Ergebnis hinnehmen zu können, selbst eine Niederlage. Nur so könne man den Schwierigkeiten im Leben begegnen, erklärte der 84-Jährige. Papst Franziskus erholt sich derzeit von einer Darmoperation in einer Klinik in Rom.

Zur goldenen Krone

Unterdessen kehrten die Europameister triumphal zurück, landeten um 6 Uhr Früh in Rom-Fiumicino. All you need is Schlaf? Mitnichten!

Kapitän Chiellini entstieg mit einer goldenen Krone auf dem Haupt und dem Pokal in den Händen den Mannschaftsbus, um die wartenden Fans endgültig in eine Ekstase zu versetzen. Tausende empfingen die Mannschaft. „It's coming to Rome“, hatte Final-Torschütze Leonardo Bonucci schon kurz nach dem 3:2 im Elferschießen gegen England in die Kameras gebrüllt. Der Slogan wurde auch in Rom zum besungenen Motto.

Die Mannschaft machte sich sodann im Hotel etwas frisch, der müde Erfolgstrainer Roberto Mancini verabschiedete sich mit Sonnenbrille zunächst für einige Stunden zu seiner Familie, um dann zum Empfang beim italienischen Regierungschef Mario Draghi und Präsident Sergio Mattarella zurückzukehren. „Wir können noch nicht begreifen, was wir geschafft haben“, sagte er. Mancini wurde von Italiens Presse gefeiert. Von der „Gazzetta dello Sport“ erhielt er die Höchstnote 10. „Mancinissimo“, titelte die „Gazzetta“ am Montag.

Magie in der Luft

Der ehemalige Stürmer, der in seiner aktiven Zeit der Nationalmannschaft nie wirklich große Bedeutung hatte, hat eine Mannschaft geformt, die sich mit Offensivdrang, vor allem aber mit Teamgeist zum EM-Titel gekämpft hat.

„Wir haben gespürt, dass etwas Magisches in der Luft lag“, sagte Chiellini. „Wir verdienen es, ganz Italien verdient es. Wir haben immer Fußball gespielt, um Spaß zu haben.“

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Feiertage

Mancini hat seinen Vertrag langfristig bis 2026 verlängert, die WM im kommenden Jahr in Katar ist das nächste große Ziel der Azzurri. So weit kann man in Italien aber nicht denken, zu sehr ist man mit den Feiern beschäftigt. In Rom begab man sich an der Piazza Popolo ins Delirium, in Mailand eskalierten die Feiern an der Piazza del Duomo. Die Polizei schritt größtenteils nicht ein, in Mailand wurden drei Menschen bei den Feiern schwer verletzt.

Unterdessen gibt es schon eine Petition, wonach der 11. Juli von der Politik zu einem neuen Nationalfeiertag ausgerufen werden soll. Und das hat zwei sehr gute Gründe. Am 11. Juli 1982 hatte sich Italien zum Weltmeister gekrönt, am 11. Juli 2021 holte man in Wembley den ersten EM-Titel seit 1968.

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