Thomas Hitzlsperger wagte den Schritt, den sich viele schwule Kicker nicht zutrauen. 

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Sport | Fußball
01/08/2019

Hitzlsperger: Homosexuelle Fußballer "kein Tabu mehr" wie früher

Der ehemalige deutsche Teamspieler outete sich vor fünf Jahren. Seitdem sieht er Fortschritte im Umgang mit diesem Thema.

Thomas Hitzlsperger hat Anfang 2014 als erster prominenter deutscher Fußball-Profi seine Homosexualität öffentlich gemacht und damit für Aufsehen gesorgt. Der heute 36-Jährige outete sich vier Monate nachdem er seine Karriere für beendet erklärt hatte. 

Fünf Jahre nach diesem mutigen Schritt zog der ehemalige DFB-Teamspieler in der ARD eine Bilanz und sprach in der Sendung "ARD-Radio-Recherche Sport" über den heutigen Umgang mit diesem immer noch heiklen Thema. "Homosexualität ist kein so ein Tabu mehr, wie es vielleicht vor fünf Jahren war", sagt er und glaubt, dass es im Profisport "viele Fortschritte, was das Thema Diskrimierung, Vorbehalte, Toleranz angeht", gegeben hat. 

"Fankurven nicht das Problem"

Hitzlsperger macht homosexuellen Spielern Mut. "Ich glaube, dass die Fankurven definitiv nicht das Problem sind, dass die Fußball-Fans viel aufgeklärter, viel aufgeschlossener sind. Beleidigungen gibt’s immer im Alltag. Aber grundsätzlich: Spieler, die mit dem Gedanken spielen sich zu outen, haben von den Fans nicht soviel zu befürchten. Das sind viele Befürchtungen, die nur in den Köpfen einiger existieren, die aber nicht real sind".

Überhaupt müsse jeder Spieler mit Beleidigungen und Beschimpfungen umgehen können, sagt der heute als TV-Experte tätige Ex-Profi. "Arbeitet nicht immer mit den Ängsten - das ist genau das falsche Signal. Alle Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, sollten ermutigende Worte sprechen", plädiert Hitzlsperger an die Betroffenen.

Andersdenkende

Damit äußert der ehemalige Mittelfeldspieler auch Kritik an Leuten wie etwa Peter Fischer. Der Präsident des Bundesligisten Eintracht Frankfurt, der mit seiner Abneigung gegenüber der AfD Schlagzeilen machte und nicht nur deshalb als sehr liberal gilt, rät in derselben ARD-Sendung vom Coming-out ab.

Der Mann, der seit fast 18 Jahren die Geschicke beim Klub von Adi Hütter leitet, erklärt zwar, dass er einen geouteten Spieler seiner Mannschaft unterstützen würde, die Zeit dafür sei allerdings noch nicht reif. "Proaktiv zu sagen: 'Mach das jetzt endlich, wir brauchen jetzt mal einen', das würde ich nicht tun", sagt Fischer.

Hitzlsperger widerspricht ihm. "Ich bedaure es sehr, dass der Eintracht-Präsident das so sieht. Ich würde mir da einen positiveren Ansatz wünschen", sagt der Vorreiter in Sachen Coming-out im Profi-Fußball.