Sport Fußball
06/17/2020

Heute vor 50 Jahren: Das Fußball-Spiel des Jahrhunderts

In einem dramatischen Halbfinale zog Italien nach einem 4:3-Sieg über Deutschland ins WM-Endspiel 1970 ein.

von Harald Ottawa

Eine Gedenktafel am Azteken-Stadion von Mexiko City erinnert heute noch daran. Am 17. Juni 1970, also genau vor 50 Jahren, fand hier ein Länderkampf statt, der als Spiel des Jahrhunderts (Italienisch: Partita del secolo, Spanisch: Partido del siglo) in die Geschichte einging. Italien gewann bei der Fußball-WM 1970 das dramatische Halbfinalspiel gegen Deutschland mit 4:3 nach Verlängerung und zog damit ins Endspiel ein. Das Duell zwischen dem Europameister von 1968, Italien, und dem Vizeweltmeister von 1966, Deutschland, gilt als eines der dramatischsten Spiele der Fußballgeschichte.

Dabei wurde sogar Deutschlands vorhergegangenes Spiel übertroffen. Die deutschen Journalisten hatten wenige Tage vor diesem Spiel bereits das Viertelfinale zwischen der deutschen Mannschaft und Weltmeister England, das Deutschland nach einem 0:2-Rückstand mit 3:2 in der Verlängerung gewonnen hatte, als Jahrhundert-Spiel bezeichnet. Nach dem Halbfinale mussten sie ihre Entscheidung neu überdenken.

Das Vorspiel

Ursprünglich war Mexiko-Stadt als Austragungsort des ersten Halbfinales Uruguay gegen Brasilien angesetzt gewesen und das Estadio Jalisco in Guadalajara für das deutsche Spiel gegen Italien. Nachdem die Paarungen feststanden, tauschte die FIFA jedoch die Austragungsorte. So trat Uruguay zu seinem Halbfinale nur unter Protest an, da vermutet wurde, dass das Spiel deshalb nach Guadalajara verlegt worden war, weil die Brasilianer ihre bisherigen Spiele dort ausgetragen hatten.

Das Spiel

Das Halbfinale im Schnelldurchlauf: Die frühe italienische 1:0-Führung durch Roberto Boninsegna in der achten Minute egalisierte Karl-Heinz Schnellinger, zu dieser Zeit Italien-Legionär beim AC Milan, kurz vor dem Schlusspfiff und sorgte damit für eine dramatische Verlängerung, in der Bayern-Bomber Gerd Müller schon nach wenigen Minuten die deutsche Führung besiegelte. Tarcisio Burgnich glich aus, und eine Minute vor dem Seitenwechsel traf Luigi Riva zur 3:2-Führung für Italien. Gerd Müller konnte zwar noch ausgleichen, aber Gianni  Rivera besiegelte in der 111. Minute den Finaleinzug. Die Deutschen waren aber lange gehandicapt, da sich Franz Beckenbauer ab Mitte der zweiten Hälfte mit einem gebrochenen Schultergelenk über den Platz schleppte und das Austauschkontingent erschöpft war.

Das Nachspiel

Im vier Tage nach dem Halbfinale stattfindenden Endspiel unterlag Italien schließlich gegen Brasilien klar mit 1:4. Die Deutlichkeit des Ergebnisses führen Experten auf den enormen Kräfteverschleiß der Italiener im Spiel gegen Deutschland zurück.

Der Kommentar

Legendär war auch der TV-Kommentar des Jahrhundert-Spiels im deutschen Fernsehen durch den impulsiven Ernst Huberty. Der heute 93-Jährige kommentierte die Versuche der italienischen Mannschaft, die 1:0-Führung durch Verzögerungen über die Zeit zu retten: "Mein Gott, ist das ein Fußballspiel hier. Das ist ja entsetzlich, das ist ja widerlich. Burgnich ist soeben verstorben, sehe ich. Nein, da kommt er wieder." Zumindest in der Verlängerung war es alles andere als ein entsetzliches Spiel.

Und Huberty gefiel in diesem Jahr auch als Sänger. 1970 erschien die Single Juanito Mexico, das Huberty mit den Mexicanos aufnahm.

Italien: Enrico Albertosi;  Tarcisio Burgnich, Pierluigi Cera, Roberto Rosato (91. Fabrizio Poletti), Giacinto Facchetti;  Mario Bertini, Sandro Mazzola (45. Gianni Rivera), Giancarlo De Sisti; Angelo Domenghini, Roberto Boninsegna, Luigi Riva.

Trainer: Ferruccio Valcareggi

Deutschland: Sepp Maier;  Berti Vogts, Willi Schulz, Karl-Heinz Schnellinger, Bernd Patzke (63. Sigfried Held);  Uwe Seeler, Franz Beckenbauer, Wolfgang Overath; Jürgen Grabowski, Gerd Müller, Hannes Löhr (53. Reinhard Libuda).

Trainer: Helmut Schön

Tore: Boninsegna (8.), Burgnich (98.), Riva (104), Rivera (111.); Schnellinger (90.), Müller (94., 110.).

Aztekenstadion, 102.444 Zuschauer, SR Yamasake (Mexioko)

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