Sport | Fußball
14.10.2018

Heißes Wiener Derby abseits des Rasens

Rapid will das Ende der Kollektivstrafen, beschlossen werden könnte allerdings genau das Gegenteil.

Selten gab es vor einer Klubkonferenz der Bundesliga so viel Diskussionsstoff und auch Gerüchte wie aktuell. Am Dienstag tagen die Klubvertreter, besonders heiß hergehen wird es beim Tagesordnungspunkt „Verbandsstrafen nach sicherheitsrelevanten Vorfällen“.

Zur Vorgeschichte: Ein Fan-Kongress im Juni endete mit der Forderung der Abschaffung von Geisterspielen und Sektorsperren. Nach Beratungen mit dem früheren Basel-Präsidenten Heusler übernahm Rapid diese Position „gegen Kollektivstrafen“ und brachte einen entsprechenden Antrag ein. Mit 7:9 (bei vier Enthaltungen) wurde der Wunsch am 21. Juni von den Bundesligisten knapp abgelehnt.

Allerdings wurde beschlossen, die Sanktionsmöglichkeit „(Teil-)Ausschluss der Öffentlichkeit“ bis zu einer Neuregelung auszusetzen. Es tagte die Arbeitsgruppe Sicherheit. Ebenfalls abgestimmt wurde über die Sanktionsmöglichkeit „(bedingter) Punkteabzug“ für die Saison nach einem Fan-Vergehen. Das Pro-Lager kam, angeführt von der Austria, auf fünf Stimmen. Dagegen votierten, angeführt von Rapid, sieben Klubs.

Neue Mehrheiten

Üblich ist der Beschluss laut diesen Mehrheiten. Doch nach den jüngsten Ausschreitungen beim Wiener Derby wendete sich das Blatt, mehrere Klubvertreter meldeten in der Kronen Zeitung ihren Wunsch nach Punkteabzügen als Strafe an.

Rapid-Präsident Michael Krammer kämpfte zuletzt auf Sky verbal vehement gegen jede Art von Kollektivstrafen, weil diese „nur den Solidarisierungseffekt unter den Fans verstärken würden“ – vielmehr müsse die individuelle Bestrafung von Übeltätern verstärkt werden. Wie etwa durch Regressforderungen, wie sie aktuell Rapid gegen ein Dutzend Besucher erhebt. Allerdings ist der Einfluss von Krammer nach seiner Abwahl aus dem Liga-Präsidium gesunken.

In Hütteldorf wird vermutet, dass diese „Strafaktion“ von LASK-Präsident Gruber organisiert wurde, weil die Rapidler durchgesetzt hatten, dass ein Teil der Ö-Topf-Gelder an den Zuschauerschnitt gekoppelt wird.

Wiener Wickel

Wie groß die Gräben mittlerweile zwischen den Wiener Großklubs sind, zeigte eine Aussendung der Austria nach dem jüngsten Derby. Die Violetten monierten eine „von vielen für zu milde befundene Strafe gegen Rapid“. Es wird am Dienstag wohl ein neuer Anlauf zu Punkteabzügen nach Fan-Verfehlungen folgen. Denn in der Aussendung heißt es: „Der FK Austria wird dementsprechend seine klare Position bei der nächstwöchigen Klub-Konferenz darlegen – auch in dem Wissen, hier die Unterstützung mehrerer anderer Bundesligisten zu haben.“

Die Hütteldorfer fühlen sich brüskiert und fürchten eine aus ihrer Sicht falsche „Anlassgesetzgebung“. Hätten sie nach der Derby-Pleite doch bewusst nicht öffentlich kommuniziert, dass auf den Videoaufzeichnungen ersichtlich wäre, wie Fans aus dem Gästesektor klettern. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit Ordnern und Polizisten. Zwei Beamte wurden verletzt.

Spannungsverhältnis

Und was sagt Bundesliga- Vorstand Christian Ebenbauer zu den Wiener Wickeln, die die gesamte Bundesliga erfassen? „Es gibt einen breiten Diskussionsprozess in einem großen Spannungsverhältnis. Ein Ergebnis ist jetzt noch nicht abzuschätzen.“ Ebenbauers Wunsch: „Es geht mir bei den Strafen zu sehr um ,zu viel‘ oder ,zu niedrig‘. Noch wichtiger wäre es, die Auslöser zu analysieren und zu bekämpfen.“