Sport | Fußball
05.12.2011

Gludovatz kritisiert U20-Coach Heraf

"Man muss eben mehr Zeit opfern", sagt Gludovatz über seinen Nachfolger als U20-Coach vor der WM in Kolumbien.

Drei Wochen bleiben der österreichischen U20-Auswahl noch bis zum ersten WM-Auftritt in Kolumbien. Dort soll die Mannschaft von Andreas Heraf einen ähnlichen Erfolgslauf hinlegen wie jene von Paul Gludovatz vor vier Jahren in Kanada. Der nunmehrige Ried-Trainer führte Prödl, Kavlak, Hoffer & Co 2007 auf Platz vier.

Wie bewerten Sie den Erfolg bei der U20-WM in Kanada vier Jahre danach?
Paul Gludovatz: Es war eine wunderbare Erfahrung. Ich habe sehr schöne Erinnerungen mitgenommen, die nichts mit dem Fußball zu tun haben. Es tut zwar noch ein bisschen weh, dass wir nicht das Finale erreicht haben. Aber die Sympathien, die übergeschwappt sind, waren ein Wahnsinn. Ich werde heute noch oft darauf angesprochen. Ich freue mich auch, dass es viele aus der damaligen Mannschaft geschafft haben. Der Erfolg klingt stark nach und hat vielen eine gute Karriere ermöglicht.

Warum ist es nach Kanada nicht zum erhofften Fußball-Boom in Österreich gekommen?
Die Realität ist nach wie vor, dass eine Nachwuchs-Nationalmannschaft niemals einen Flächenbrand auslösen kann, sondern nur das A-Team.

Welche Tipps würden Sie Andreas Heraf für die U20-WM geben?
Keine. Jeder geht seinen eigenen Weg. Ich werde niemandem Ratschläge erteilen.

Wie schätzen Sie die massiven Abstellungsprobleme ein, mit denen Heraf zu kämpfen hat?
Ich war vor der WM in Kanada immer vor Ort und habe bei jedem Trainer mit Demut regelmäßig um die Spieler gebeten. Da muss man eben mehr Zeit opfern, so etwas kann man nicht vom Büro aus erledigen. Ich habe zigtausende Kilometer abgespult, da war viel Mühsal dabei.

Wie auch immer die Mannschaft in Kolumbien aussehen wird - was trauen Sie der ÖFB-Auswahl bei der WM zu?
Ich gehe davon aus, dass wir uns für das Achtelfinale qualifizieren, und dann ist alles möglich.

Inwieweit ist das jetzige Team mit der Mannschaft von 2007 vergleichbar?
Nur sehr schwer. Jetzt spielen mehr in den Kampfmannschaften und auch im Ausland, als das 2007 der Fall war. Die Voraussetzungen sind jetzt besser, auch weil der ÖFB im Vorfeld mehr als 2007 investiert hat. Viele Spieler der derzeitigen kenne ich schon und habe sie zum Großteil für den U16-Toto-Cup zusammengestellt. Mit meiner Erfahrung und mit dieser Mannschaft hätte ich es sicher auch bis nach Kolumbien geschafft und würde dort
für Furore sorgen.

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