Sport | Fußball 24.12.2011

Glasner: "Lebe jetzt viel bewusster"

Oliver Glasner, ab Jänner bei Salzburg tätig, über Schwindelanfälle, die Dominikanische Republik und seine talentierten Söhne

Oliver Glasner hat eine neue berufliche Herausforderung gefunden. Er wird bei Red Bull Salzburg Stellvertreter von Geschäftsführer Peter Vogl. Der 37-jährige Ex-Ried-Profi freut sich riesig auf den Job in seiner Geburtsstadt. Im Interview mit dem KURIER erzählt Glasner, warum dieses Weihnachtsfest ein besonderes ist und welche Träume er hat.

KURIER: Herr Glasner, wenn Sie an ihre schwere Kopfoperation Anfang August zurückdenken: War der gestrige Heilige Abend ein besonderer für Sie?
Oliver Glasner: Weihnachten ist für mich in erster Linie ein Familienfest. Ich habe drei Kinder, das allein ist schon ein besonderes Geschenk. Aber es stimmt: Ich war emotional sehr berührt. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass ich den heurigen Heiligen Abend erleben durfte. Mir ist durchaus bewusst, dass ich bei meiner Kopfoperation sterben hätte können.

Denken Sie noch oft an die schlimmen Tage im August zurück?

Natürlich, so etwas prägt und lässt einen nicht so schnell los. Ich habe die Geschichte zum Glück gut verarbeitet, denke aber oft daran zurück. Schließlich erinnert mich meine Narbe täglich an die Sache, ich sehe sie ja immer beim Haarewaschen.

Wie lang ist die Narbe?
20 Zentimeter. Mir wurde bei der Operation immerhin ein Viertel der Schädeldecke abgehoben.

Sind Sie wieder voll belastbar?
Nein, davon bin ich weit entfernt. Im täglichen Leben geht es mir gut, aber ich muss aufpassen. Bei bestimmten Drehbewegungen bekomme ich noch immer Schwindelanfälle. Ich muss auch noch eine Tablette pro Tag einnehmen.

Sie haben vergangene Woche einen Trainerkurs in Schielleiten absolviert. Wie ist es Ihnen bei den praktischen Übungen gegangen?
Eigentlich gut. Nur Kopfbälle kann ich nach wie vor keine machen, aber das war nicht weiter tragisch.

Hat sich für Sie durch die schwere Verletzung etwas in Ihrem Leben geändert?
Ja, auf jeden Fall. Ich weiß, dass ich großes Glück gehabt habe. Man wird daran erinnert, dass man als Mensch sehr verletzlich ist. Ich gehe nun viel bewusster durchs Leben. Ich habe Träume und versuche, sie so rasch wie möglich zu verwirklichen. Man weiß ja nie, was die Zukunft bringt.

Welche Träume hat Oliver Glasner?

Wir reisen sehr gerne. Wir wollten zum Beispiel nach den Feiertagen auf die Malediven fliegen. Leider war schon alles ausgebucht. Jetzt ist’s die Dominikanische Republik geworden. Es werden bestimmt zwei wunderschöne Wochen – mit meiner Frau und meinen drei Kindern.

Apropos Kinder: Ihre zwei Söhne Julian und Niklas spielen Fußball. Würden Sie Ihnen abraten, Fußballprofi zu werden?

Nein, sie sollen einmal selbst entscheiden und ihr Leben alleine gestalten. Ich werde sie nicht beeinflussen.

Haben Julian und Niklas das Talent ihres Vaters?

Julian ist neun, es schaut so aus, dass er in den LAZ-Vorkader kommt. Er hat sicher Talent. Und auch Niklas, der ja erst sechs ist, kann schon ganz gut mit dem Ball umgehen. Die beiden spielen in Riedau, dort, wo wir wohnen.

Sind Sie noch Nachwuchs-Trainer in Riedau?

Ja, mir macht das viel Spaß. Ich werde auch versuchen, das weiter zu machen. Regelmäßig wird es sich allerdings nicht mehr ausgehen, weil ich ja den neuen Job bei Red Bull Salzburg angenommen habe.

Oliver Glasner wurde am 28. August 1974 in Salzburg geboren. Er begann seine Karriere als Fußballer bei Riedau. 1993 ging er zur SV Ried, wo er insgesamt 18 Jahre lang spielte – unterbrochen nur durch einen Zwischenstopp beim LASK (2003/04).

Mit den Riedern, für die er 516 Spiele absolvierte, eroberte Glasner zwei Mal den Titel im ÖFB-Cup (1998, 2011). Am 31. Juli des heurigen Jahres zog er sich im Match gegen Rapid bei einem Kopfballduell ein Cut über dem Auge und eine Gehirnerschütterung zu. Trotzdem begleitete er sein Team nach Kopenhagen zum Europacupspiel gegen Bröndby.

Nach dem Abschlusstraining wurde bei Glasner eine Blutung zwischen Gehirn und harter Hornhaut festgestellt, er musste sofort operiert werden. Der 37-Jährige überstand den Eingriff gut, beendete aber seine Karriere auf Anraten der Ärzte.


( Kurier ) Erstellt am 24.12.2011