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Sport Fußball
06/25/2012

Geheimsprache: Ticks, Tricks & Tiki-Taka

Woher kommen Rambazamba, Zapzarap & Großer Zampanò? Ein buchstäbliches Blättern im Fußball-Lexikon.

von Dieter Chmelar

Wo sind die Zeiten, als man "offensiv" oder "defensiv" spielte? In der grassierenden babylonischen Sprachverwirrung des modernen Fußballs  lohnt es sich, all den Schlag- und Zauberworten auf  den Grund zu gehen: Was bedeutet etwa ...

... Tiki-Taka? Okay: Kurzpass-Orgien mit hohem Ballbesitzanteil, vorexerziert von Barcelona und La Furia Roja. Aber: Wer "erfand" diesen Begriff?  Nun: Tiki-Taka entspricht, lautmalerisch, unserem Klick-Klack-Spiel – zwei Kugerln am Schnürchen, die (Hochblüte in den 1970ern!) blitzschnell und unüberhörbar aufeinanderprallten.

Der Madrider Kommentator Andrés Montes benutzte Tiki-Taka erstmals während der WM 2006 – beim TV-Sender La Sexta. 1964, anlässlich des ersten spanischen Europameistertitels (2:1 im Finale gegen Russland), reichten noch die Gaben der Natur fürs (siegreiche) taktische Konzept – Teamchef José Villalonga lud die Mannschaft zum Waldspaziergang und legte auf einer Lichtung elf Kiefernzapfen und elf Steine auf den Boden: "Na, was sagt euch das?  Ihr seid die Steine – die Russen sind die Zapfen. Ihr werdet gewinnen, denn Steine sind  bekanntlich härter als Zapfen!"

Das gilt heute noch als (in Stein gehauener) Zapfenstreich taktischer Genialität. "Beim Fußball", sagte schon Literaturnobelpreisträger  Jean-Paul Sartre ( gestorben 1980), "verkompliziert sich alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft."    

Schönstes österreichisches Beispiel: Teamchef "Vogerl" Geyer verriet 1955  seiner Elf erst unmittelbar vor Anpfiff des Länderspiels in Budapest die Strategie: "Mir decken heut’ de Ungarn net – de soll’n uns decken!" Endstand? 1:6 – aber: Hol’s der Geyer ...

Denn: Gottlob regierte nur kurz das destruktive italienische "System", das unter Catenaccio (Kette) aus dem Schweizer Riegel des Urwieners Karl Rappan (Rapid) hervorging. "Es gab viele Totengräber des Fußballs", sagte der altösterreichische Manager Julius Ukrainczyk, "ihr Chef ist ohne Zweifel Helenio Herrera ..." Die lähmende Lehre des Argentiniers  lautete: "1:0 – und dann zumachen!"

Dabei erfand er, nach dem Leitbild von Ernst Happel, nur den Libero als "freien Mann" hinter der Abwehr. Heute wird der Ausputzer, ganz im Gegensatz zum zeitlosen Abstauber, fürs Reinigungspersonal in  Stadien gehalten.

Happel, der so drollige  Begriffe wie Kondizi und Mentalflak (für Psyche bzw. Physis) kreierte, galt wie Herrera oder Max Merkel als großer Zampanò, benannt nach der Fellini-Figur im Klassiker "La Strada" (1954), einem armseligen Angeber – brillant  verkörpert von Anthony Quinn.

Rambazamba bastelte die Bild fürs geniale Spiel von Beckenbauer, Netzer & Müller beim EM-Triumph 1972 als Rasentänzchen aus Rumba und Samba. Zapzarap (schnelle Balleroberung) gibt’s aber wirklich – auf Polnisch heißt es Trickdiebstahl. Die Tifosi gehen gar auf Mussolini zurück: Massen fieberten bei Duce-Reden wie Typhuskranke mit ... Da erst versteht man  Giovanni Trapattonis Credo: "Fußball ist nicht nur Ding – Fußball ist  Ding-Dang-Dong!" 

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