Sport | Fußball-WM
20.05.2018

WM-Serie, Teil 13: Stabile und variable Eidgenossen

Die Schweizer sind ein eingespieltes und erfolgreiches Team - und hoffen auf den nächsten starken Auftritt.

Reisen bildet: Sie spielen bei Juventus Turin und AC Milan, bei Arsenal, Schalke und Dortmund – und kaum einer aus dem aktuellen Schweizer Teamkader ist noch in der heimischen Super League am Ball. Den Erfahrungen entsprechend haben die Eidgenossen auch ihre WM-Qualifikation gestaltet, nur die schlechtere Tordifferenz gegenüber dem punktgleichen Gruppensieger Portugal (jeweils 27 Punkte aus zehn Spielen) zwang die Mannschaft von Vladimir Petkovic ins Play-off gegen Nordirland. Dieses aber gestaltete die „Nati“, wie die Mannschaft von ihren Deutschschweizer Fans genannt wird, erfolgreich – 1:0-Sieg auswärts, ein 0:0 daheim. Das Duell gegen das wahrlich unangenehmen Nordiren zeigte freilich wieder einmal das größte Manko der Schweizer auf: Das Toreschießen will einfach nicht so recht klappen, weshalb die Eidgenossen bei der EM vor zwei Jahren im Achtelfinale im Elfmeterschießen an Polen gescheitert sind.

Dafür verfügen die Eidgenossen über herausragende Einzelkönner im Mittelfeld: Arsenals Granit Xhaka beispielsweise stellte in der vergangenen Saison in der englischen Premier League gleich zwei Bestmarken auf: Niemand hat den Ball öfters (3688 Mal) berührt, und niemand hat mehr Pässe gespielt (3116, das ist sogar der Allzeitrekord). Gemeinsam mit Xherdan Shaqiri von Stoke City bildet Xhaka ein kongeniales Duo im Mittelfeld, auf der rechten Seite unterstützt von Kapitän Stephan Lichtsteiner, der zwar schon 34 Jahre alt, aber auf der Außenbahn nicht wegzudenken ist mit seiner Erfahrung von gut 300 Spielen in der italienischen Serie A, von 2008 bis 2011 für Lazio Rom und seither für Juventus Turin.

Apropos Lazio Rom: Am 4. Jänner 2014 hat der Serie-A-Klub seinen Trainer entlassen, und das entwickelte sich zum Glücksfall für das Schweizer A-Team: Nach der WM 2014 wurde Vladimir Petkovic Nachfolger des Deutschen Ottmar Hitzfeld, und der 54-Jährige mit bosnischer und kroatischer Staatsbürgerschaft sowie Schweizer Bürgerrecht erwies sich nach anfänglicher Skepsis als der richtige Mann am richtigen Ort. Das Spiel der Eidgenossen ist seither variantenreicher geworden, defensiv stabil war es ja auch unter Hitzfeld schon. Das musste auch Gruppengegner Portugal erkennen, der den Auftakt zur Qualifikation für die WM in Russland gleich einmal als 0:1-Verlierer in Basel in den Sand setzte.

Die Lücke ganz vorn

Zehn Spiele und jeweils neun Siege hatten die beiden Topteams der Gruppe am Ende, was den Schweizern aber noch immer fehlt, ist ein Mittelstürmer vom Schlage eines Alex Frei, Kubilay Türkyilmaz oder Adrian Knup: Bester Torschütze im aktuellen Kader ist Mittelfeld-Dauerläufer Xherdan Shaqiri mit 20 Treffern in 68 Länderspielen, die treffsichersten Stürmer sind Eren Derdiyok ( Galatasaray Istanbul) und Haris Seferovic (Benfica Lissabon) mit je elf Treffern in 60 bzw. 49 Team-Einsätzen.

Immerhin drängt mit Breel Embolo, 21, ein junger Schalke-Legionär nach, der mit seinen 1,85 Metern und enormer Schnelligkeit gute Voraussetzungen mitbringt, um dereinst die klaffende Lücke im Sturmzentrum zu füllen. Wenn er nur sein nicht allzu gering ausgeprägtes Ego im Zaum hält – dieses hat ihm nach Auseinandersetzungen mit den Schalker Verantwortlichen vorübergehend gar die Rückstufung ins Amateurteam der Gelsenkirchener eingebracht, im Saisonfinale der Bundesliga musste er wegen einer Muskelverletzung passen.

Anstrengen werden sich die Schweizer so oder so müssen, um in Russland die Gruppenphase zu überstehen: Die Gegner sind Brasilien, Costa Rica und Serbien.