Nach dem bitteren 0:3 in Malmö mussten Trainer Adi Hütter (li.) und seine Helfer viel Trost spenden.

© APA/HELMUT FOHRINGER

Champions League
08/28/2014

Salzburg verpasst erneut die Champions League

Salzburg blamiert sich in Malmö und scheitert auch beim siebenten Versuch, in die Königsklasse zu kommen.

von Stephan Blumenschein

War die Unruhe nach der Suspendierung von Mané schuld? Oder die Unterforderung in der Bundesliga? Oder die Spielweise von Gegner Malmö? Eingeleitet wurde das Ausscheiden jedenfalls von einer völlig verkorksten Aufstellung von Trainer Hütter. Salzburg ist zum siebenten Mal in Serie in der Ära Red Bull in der Champions League-Qualifikation gescheitert. Dieses Mal gegen Schwedens Meister – und das nach einer völlig verdienten 0:3-Auswärtspleite.

Hütter hatte mit seiner Aufstellung überrascht, viel riskiert und alles verspielt: Der wieder genesene Hinteregger spielte erstmals seit Ewigkeiten linker Verteidiger, Ilsanker wechselte vom Mittelfeld in die Innenverteidigung. Dort hatte er international zuletzt beim Ausscheiden gegen Düdelingen 2012 gespielt. Auf Ilsankers angestammtem Posten begann der 19-jährige Keita. Hütter versprach sich von seinen Experimenten mehr Ballsicherheit im Mittelfeld und die Lufthoheit im Strafraum.

Fehlerkette

Doch die Umstellungen sollten Salzburg schnell in Bedrängnis bringen. Nach elf Minuten war passiert, was nicht passieren hätte sollen: Malmö schoss jenes Tor, das nach dem 1:2 im Hinspiel schon zum Aufstieg gereicht hätte – sowohl Ilsanker als auch Hinteregger patzten.

Ersterer beging einen fürchterlichen Fehler im Mittelfeld, letzterer entblößte die linke Abwehrseite. Auf dieser tauchte Eriksson ganz alleine im Salzburger Strafraum auf, Keeper Gulacsi kam zu spät und konnte sich nur mit einem Foul helfen. Schiedsrichter Skomina entschied nach Intervention seines Assistenten auf Elfmeter, den Rosenberg verwandelte.

Kurios: Der slowenische Schiedsrichter hatte 2007 im Play-off-Spiel Salzburg gegen Schachtar Donezk ebenfalls in der 10. Minute einen Elfmeter gegeben, damals allerdings für Salzburg. Zickler traf zum 1:0-Siegestreffer.

Gestern lagen die Salzburger aber früh zurück. Und es kam noch schlimmer: Eriksson, der im Hinspiel gar nicht in der Startelf gestanden war, traf mit einem Kunstschuss – 2:0 (19.).

Salzburg brauchte nun unbedingt ein Tor, um sich wenigstens in die Verlängerung zu retten. Aber das Angriffsspiel kam nicht auf Touren, die Spieler verzettelten sich in Soloaktionen – auch Bruno, der den suspendierten Mané nicht ersetzen konnte.Vom viel gelobten Offensivpressing war ebenfalls nicht zu sehen. Salzburg kam gar nicht in die gegnerische Hälfte, um dieses praktizieren zu können. Malmö trat als Kollektiv auf, hatte das Spiel auch dank einer perfekt stehenden defensiven Fünferkette fest im Griff.

Korrektur

In der Pause erlöste Hütter den überforderten Keita, der Glück hatte, dass er nach einer Brutaloattacke nicht ausgeschlossen worden war. Ankersen gab nun den Linksverteidiger, Hinteregger und Ilsanker spielten auf ihren angestammten Positionen.

Nach einer kurzen Unterbrechung – die Malmö-Ultras hatten Bengalen gezündet und waren deshalb von den anderen Schweden lautstark gerügt worden – kam Salzburg ins Spiel, aber zu keinen Chancen. Einmal wurde vehement Elfmeter reklamiert, doch Skomina ließ weiterspielen – wohl zurecht. Halstis Handspiel war eher kein strafbares, weil die Distanz, aus der der Ball geschossen wurde, zu kurz war.

Die Zeit wurde zum größten Gegner der Salzburger. Und auch diesen konnten sie nicht besiegen. Malmö war auch effizienter, nützte den einzigen Angriff in Hälfte 2, Rosenberg traf zum 3:0 (86.). Die Schweden stehen erstmals in der Champions League. Salzburg muss sich wieder mit der Europa League begnügen.

Hütter: "Das ist eine bittere Stunde"

Adi Hütter (Trainer Salzburg): "Das ist eine bittere Stunde, es ist sehr, sehr enttäuschend, dass wir ausgeschieden sind. Wir haben den Kampf von der ersten Minute zu wenig angenommen, Malmö hat viel körperbetonter gespielt, das hat uns nicht gut getan. Die effektivere Mannschaft war Malmö. Wir haben schon im Hinspiel den ersten Matchball vergeben, heute war es zu wenig. Wir haben zu viele individuelle Fehler gemacht."

Stefan Ilsanker (Salzburg-Spieler): "Wir arbeiten die ganze Saison darauf, haben zwei super Jahre hinter uns - wir wären so weit gewesen und lassen uns das alles in 90 Minuten wegnehmen. Das ist sehr bitter. Man hat heute nicht den Willen gesehen, den wir die letzten, was weiß ich wie lange, ausgestrahlt haben."

Martin Hinteregger (Salzburg-Spieler): "In der ersten Halbzeit haben wir nicht gezeigt, was wir zeigen sollten, müssen. In der zweiten Halbzeit haben wir alles versucht, aber nicht geschafft, ein Tor zu machen. Man muss Malmö gratulieren, sie waren in der ersten Hälfte die bessere Mannschaft. Es ist ärgerlich, wir haben zwei blöde Tore bekommen und in der zweiten Hälfte die Chancen nicht genützt. Daher haben wir verdient verloren. Wenn man keine Tore macht, muss man hinten zu Null spielen, wenn man hinten auch nicht zu Null spielt, verliert man."

Ralf Rangnick (Sportdirektor Salzburg): "Wir haben die Großchance zum 1:0 gehabt. Wenn wir das machen, läuft das Spiel ganz anders. Dann haben wir uns den Schneid' abkaufen lassen. Entscheidend war, dass wir da Wirkung gezeigt haben. Unterm Strich sind wir verdient ausgeschieden. Die Enttäuschung ist natürlich bei uns allen riesengroß. Wir hatten heute zu wenige Spieler, die Normalform hatten. Fast jeder Spieler ist unter seinen Möglichkeiten geblieben, dann scheidest du halt auch gegen einen Gegner wie Malmö verdient aus. Wir wollen uns allen die Chance geben, das sacken zu lassen. Das braucht schon zwei, drei Tage, dann werden wir abwägen, was zu tun ist. "

Aage Hareide (Trainer Malmö): "Wir haben von Anfang an ein gutes Spiel gemacht. Die Mannschaft hat alles umgesetzt, so wie wir das besprochen haben. Dafür haben wir seit Februar gearbeitet. Salzburg hat uns nicht überrascht. Wir haben viele schnelle Stürmer vorne, mit denen wir etwas bewirken können. Der Gedanke zum 5-3-2-System ist mir in Salzburg gekommen. Ich wollte, dass sie gegen sechs Spieler von uns hinten hineinspielen müssen. Markus Rosenberg ist Spitze, nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Kabine. Ich bin sehr glücklich über dieses Kollektiv."

Red Bull? Pah - Pah, ein Traum verleiht den Gedanken Flügel

Aftonbladet: Aschenbrödel-Märchen können nicht besser sein: 14 Jahre lang ist eine Mauer zwischen Schweden und Europa gestanden, 14 Jahre haben wir darauf gewartet, dass jemand dorthin segelt. Red Bull? Pah - Pah, ein Traum verleiht den Gedanken Flügel. Als Malmö FF abhob, war die Mauer gefallen."

Sydsvenskan: "Nichts konnte Malmö stoppen - Die Salzburger haben vielleicht Koffein in den Beinen und Zucker im Blut. Aber Markus Rosenberg wandert unter einem ewig blauen Himmel. Mit sich hat er eine Mannschaft und eine Stadt, die nun nach Europa unterwegs sind."

Expressen/Kvällsposten: "Magischer FF - Zlatans Gruß an seinen Ex-Verein: Der nächste Traum ist, dass Malmö jetzt PSG zugelost bekommt, schrieb er in seinem App."

Göteborgs Posten: "Es ist zu billig, sich in historischen Vergleiche zu ergehen, von wegen '14 Jahre lang schaffte es kein schwedischer Verein in der Qualifikation zur Champions League.' Ich schlage vor, wir blicken in die Zukunft: Was für ein Herbst steht uns bevor! Danke Malmö FF! Danke Markus Rosenberg!

Helsingborgs Dagblad: "Malmö verließ die Bank in dieser Augustnacht mit einem Geldsack, wie wir ihn nicht seit der großen Zeit von IFK Göteborg gesehen haben. (...) In den letzten Wochen wurde heiß diskutiert, ob ein Weiterkommen von Malmö FF in die Champions League gut oder schlecht für den schwedischen Fußball wäre. Malmö hat jetzt einen wirtschaftlichen Vorsprung. Für immer? Vermutlich nicht. Fragt IFK Göteborg, FC Kopenhagen. Oder warum nicht Red Bull Salzburg."

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.