Fußball, SK Rapid Wien - Freundschaftsspiel, Steffen Hofmann und Freunde

Steffen Hofmann bei seinem Abschiedsspiel

© DIENER / Philipp Schalber / DIENER / Philipp Schalber

Sport Fußball
09/16/2020

Rapid-Legende Hofmann: "Glaube nicht, dass ich ein Trainer werde"

Warum Interimstrainer Steffen Hofmann keine Angst vor Pleiten mit den Rapid-Talenten in der 2. Liga hat.

von Alexander Huber

Viele Hundert Trainer hätten diesen Job gerne. Einer, der eigentlich nie Trainer werden wollte, hat ihn bekommen. Steffen Hofmann wurde knapp vor dem Saisonstart der 2. Liga zum Interimscoach von Rapid II befördert und begann seine dritte Karriere mit dem 0:3 gegen das Red-Bull-Team Liefering.

Die erste Karriere war 2018 als Rekordrapidler zu Ende gegangen. In der zweiten, von Ex-Sportdirektor Bickel erdachten Karriere als Talentemanager, kümmerte sich Hofmann mit viel Einsatz um die Hoffnungsträger. Dass das Top-Talent Yusuf Demir 2019 zu einer Vertragsverlängerung bis 2022 bewogen werden konnte, lag nach Einschätzung aller Beteiligten zu einem großen Teil an Steffen Hofmann.

Und dann folgte eines der vielen Telefonate mit Sportdirektor Barisic. „Zoki hat mich plötzlich gebeten, als Trainer zu helfen. Wenn man länger drüber nachdenkt, war es die logischste Lösung. Es macht mir auch Spaß.“

Zeljko Radovic, geschätzter Talente-Entwickler in der Ostliga, wollte unter den Corona-bedingt schwierigen Umständen nicht weitermachen. Der verspätete Aufstieg in die 2. Liga für einen Haufen Teenager, die seit März kein Pflichtspiel mehr bestreiten durften, kam durch Mattersburgs Zerfall überraschend: Die 16er Liga brauchte noch einen Freiwilligen.

Premiere I am from Austria

Lange Zwischenlösung

„Ich musste dem Wunsch von Zeljko Radovic Folge leisten. Aber es geht weiter und wir haben eine sehr gute Lösung gefunden“, sagt Barisic. Nachsatz: „Der Steff wird das schon noch eine Zeit lang machen. Es wäre jetzt unfair gegenüber einem Neuen, wenn er Talente übernimmt, die ihm unbekannt sind. Steffen kennt ja alle in- und auswendig.“

Immer wieder hatte Hofmann das Training von Rapid II beobachtet. Manchmal, bei bestimmten Übungen, auch noch selbst auf dem Platz mitgeholfen. Als er von der Ankündigung einer längeren Amtszeit hört, muss der Deutsche lachen. „Jetzt ist es das Beste so. Aber ich glaube wirklich nicht, dass ich ein Trainer werde.“ Außerdem könnte der Ex-Spielmacher aufgrund fehlender Lizenzen gar nicht dauerhaft an der Linie stehen. Offiziell wird auf den Spielberichten derzeit Scout Franz Maresch als Chefcoach angeführt. Hofmann betont, als Teamworker zu agieren: „Ich habe super Leute im Team. Sie müssen mir helfen, manches könnte ich alleine nicht bewältigen. Ich bin dankbar, wie stark sie mich unterstützen.“

Dass es zum Auftakt eine Abfuhr gab, kann Hofmann nicht erschüttern: „Ja, wir sind sehr jung und unerfahren. Aber ich bin überzeugt, dass die Jungs schnell genug lernen, um die Klasse zu halten. Außerdem kommen Verletzte wie Wunsch oder Schuster zurück. Wir holen sicher keine Verstärkungen.“

Die Pendler

Denn der Fokus liegt bei der möglichst schnellen, nun durch den Aufstieg in eine Profiliga noch teurer gewordenen Entwicklung der Talente, meist im 4-3-3-System: „Man darf nicht vergessen: Wir betreiben den ganzen Aufwand, um eine möglichst starke Kampfmannschaft zu stellen. Jeder zusätzliche Spieler von uns, der dort mittrainieren darf, ist ein Erfolg.“ Außenverteidiger Lukas Sulzbacher ist einer, der gerade zwischen den Welten pendelt: Am Freitag beim 4:1 gegen die Admira im Profikader, am Sonntag bei Rapid II im Einsatz und am Montag folgte der Flug zur Champions-League-Quali in Gent.

Die nötige Flexibilität in der täglichen Arbeit schreckt Hofmann nicht: „Wenn ein gestandener Profi bei uns Spielpraxis sammeln soll, wird er spielen. Wenn es wieder ein Junger nach oben schafft, ist es gut. Wenn keiner kommt, aber mehr Talente oben benötigt werden, ist es auch zu akzeptieren. Ich rechne da mit nix, es geht nur um die Entwicklung.“

Ohne Eitelkeit

Dass er sich seinen Ruf mit einer Niederlagen-Serie beschädigen könnte, glaubt der 40-Jährige nicht: „Auch beim 0:3 hab’ ich vieles gesehen, das mir gefallen hat. Diese Jungs sind richtig gut und es kommen schon die nächsten Talente nach.“ Zum Vergleich: Vor einem Jahr kassierten die Young Violets Pleiten, am Saisonende waren die Talente der Austria ein Top-Team der 2. Liga.

Das einzige Problem: Einen Teil „seiner“ Talente sieht er beim täglichen Training, für die ganz Jungen hat er aber nicht mehr so viel Zeit. Hofmann: „Jetzt bin ich mehr Talente-Trainer als Talente-Manager.“

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