Sport | Fußball
17.09.2015

Paukenschlag im Skandal um die FIFA

Der Weltverband suspendiert den umstrittenen Generalsekretär und Blatter-Intimus Jérôme Valcke

Das richtige Timing war noch nie die große Stärke der FIFA. Gerade als auf den europäischen Fußballplätzen in der Europa League um Punkte gekämpft wurde, sorgte der skandalumwitterte Fußball-Weltverband für einen Paukenschlag der besonders pikanten Art.

Generalsekretär Jérôme Valcke wurde mit sofortiger Wirkung von all seinen Aufgaben entbunden. Die Suspendierung gelte bis auf weiteres, hieß es in einer schriftlichen Erklärung der FIFA in Zürich, die am Donnerstagabend veröffentlicht wurde.

Der Verband habe von einer Reihe von Vorwürfen Kenntnis erhalten, die den Generalsekretär betreffen würden. Daher sei eine „formelle Untersuchung durch die FIFA-Ethikkommission“ angeordnet worden.

Valcke war im Jahr 2007 ins Amt gekommen und ist seither umstritten. Der 54-jährige Franzose gilt als enger Weggefährte des scheidenden FIFA-Präsidenten Joseph Blatter. Dieser hatte im Zuge der schwersten Korruptionsaffäre des Weltverbandes im Juli seinen Rücktritt angekündigt. Ein Nachfolger des Schweizers soll Ende Februar 2016 gewählt werden.

Gewinnbeteiligung

Die Süddeutsche Zeitung hatte zuvor von schweren Vorwürfen der Marketingagentur „JB Sports Marketing“ gegen die FIFA-Spitze berichtet. In dem Bericht der deutschen Tageszeitung heißt es, Vertreter der Agentur hätten am Donnerstag einen Ticket-Vertrag mit der FIFA für die WM-Turniere 2010 bis 2022 vorgelegt, in dessen Kontext Valcke eine „diskrete Gewinnbeteiligung“ zugesichert worden sein soll.

Der Franzose soll Zeugenaussagen zufolge bereits vor der offiziellen und äußerst umstrittenen Vergabe-Entscheidung mehrmals angekündigt haben, dass die WM 2022 fest Katar zugesagt sei, schrieb die Zeitung weiter. Die Beschuldigten bestreiten laut der Süddeutschen Zeitung die Anschuldigungen.

Eine Verantwortung für den Korruptionsskandal hat Valcke stets zurückgewiesen, ohne aber einen echten Befreiungsschlag zu landen. Zuletzt ging es um eine von der US-Justiz untersuchte Überweisung von zehn Millionen Dollar des WM-Gastgebers 2010, Südafrika, an den Nord- und Mittelamerikanischen Verband.

Millionen-Strafe

Schon seine Berufung zum Generalsekretär war eine Überraschung gewesen, da er dem Weltverband kurz zuvor wegen unlauterer Verhandlungen eine Geldstrafe von fast 100 Millionen Dollar eingebrockt hatte.

Erst am vergangenen Wochenende waren weitere Verdächtigungen gegen Blatter publik geworden. Der Schweizer soll 2005 TV-Rechte an seinen Vorstandskollegen Jack Warner weit unter Preis verkauft haben.

Unterdessen hat die Schweiz der Auslieferung des uruguayischen FIFA-Funktionär Eugenio Figueredo an die USA zugestimmt. Der 83-Jährige war am 27. Mai mit sechs anderen FIFA-Funktionären in Zürich festgenommen worden.

Die US-Justiz hat gegen den ehemaligen Vizepräsidenten des Südamerikanischen Fußballverbandes (CONMEBOL) und früheren FIFA-Vizepräsidenten schwere Vorwürfe erhoben. Figueredo soll beim Verkauf von Marketingrechten für die Copa America der Jahre 2015, 2016, 2019 und 2023 von einem uruguayischen Unternehmen für Sportmarketing Bestechungsgelder in Millionenhöhe kassiert zu haben.