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Sport Fußball
08/08/2020

Zum 65er: Schneckerl Prohaska erreichte das Pensionsantrittsalter

Die Austria-Legende sorgte für einige der denkwürdigsten Auftritte des österreichischen Fußballs.

von Günther Pavlovics

Am heutigen 8. August feiert der in Klosterneuburg wohnhafte Wiener Herbert Prohaska im Kreise seiner Großfamilie seinen 65. Geburtstag. Somit hat der ehemalige Fußballstar das Pensionsantrittsalter erreicht.

Vom Rasen hat sich der einst geniale Mittelfeldspieler schon vor 20 Jahren verabschiedet. Seither ist er dem Fußball als ORF-Fachmann erhalten geblieben und hat dabei auch für die jüngere Generation ein bisschen Kultstatus erreicht.

Der Anfang vom Ende seiner Trainerkarriere war der 27. März 1999. Nur neun Monate nach der letzten WM-Teilnahme der österreichischen Nationalmannschaft gab es eine historische Niederlage. Österreich verlor in Spanien 0:9 und Prohaska trat als Teamchef zurück. Danach war er noch eine Saison Trainer der Wiener Austria. Nachdem der Magna-Konzern die Führung der Kampfmannschaft mittels Betriebsführungsvertrags bei der Austria übernommen hatte, wollte man im Sommer 2000 mit einem neuen Trainer in die Meisterschaft starten. Herbert Prohaska musste also den Verein schon wieder im Mai 2000 verlassen. Danach war endgültig Schluss. Mit nicht einmal 45 Jahren saß Prohaska zum letzten Mal auf einer Trainerbank. Das 0:9 von 1999 ist eigentlich ein Treppenwitz der österreichischen Fußball-Geschichte, dass ein Kegelergebnis die aktive Karriere eines Mannes so gut wie beendete, der dem österreichischen Fußball viele bleibende Erinnerungen beschert hat.

"Spitz von Izmir"

Mit 22 Jahren schrieb Herbert Prohaska erstmals Fußballgeschichte. Am 30. Oktober 1977 schoss der Wiener in Izmir in der 71. Minute das Tor zum 1:0-Sieg Österreichs gegen die Türkei. Der "Schneckerl", wie ihn die Fans ob seiner Haarpracht nannten, verhalf damit Österreich zur ersten WM-Endrunde seit 20 Jahren. "Eines meiner wichtigsten Tore, auch wenn es nicht eines meiner schönsten Tore war", sagt Prohaska 43 Jahre danach. Er hat den Ball mit der Fußspitze ins Tor geschossen, ganz banal, ganz trocken.

Im Fußballgeschichtsbuch steht für dieses Tor die historische Bezeichnung "Spitz von Izmir" .

 

Ein Jahr später war Herbert Prohaska Teil der Nationalmannschaft, die in Argentinien die erste Gruppenphase überstanden hat und unter die letzten acht des Turniers vorgestoßen ist. Und Prohaska spielte auch am 21. Juni 1978 in der Stadt Cordoba, wo Österreich Deutschland mit 3:2 gewonnen hat. Cordoba wurde zum Synonym einer österreichischen Topmannschaft, die dem großen Bruder Deutschland eine bittere Niederlage bei einem Großereignis zugefügt hat.

Schon vor der WM arbeitete er an seinem Legendenstatus als Spieler der Wiener Austria. Die Violetten zogen als erste österreichische Mannschaft in ein Europacupfinale ein. Prohaska spielte beim 0:4 gegen Anderlecht in Paris. 1972 hatte der geborene Simmeringer sein Debüt für die Favoritner gegeben. Prohaska ging im Jahr 1980 nach Italien, erst für zwei Jahre zu Inter Mailand, danach für ein Jahr zur AS Roma. Mit Inter Mailand wurde er Cupsieger, mit Roma sogar gefeierter Meister.

Dazwischen nahm er mit Österreich an der WM 1982 teil. Prohaska kehrte danach zu Austria Wien zurück. In den folgenden drei Jahren erspielten die Wiener jeweils den Meistertitel und 1986 den Cup. 1989 erklärte Prohaska seinen Rücktritt als Spieler.

Double-Gewinner

Kurz nach seinem Rücktritt als Spieler arbeitete Prohaska bereits als Trainer bei Austria Wien. 1990 wurde die Austria mit ihm auf Anhieb Cupsieger, 1991 folgte die Meisterschaft, 1992 gab es gar das Double. Somit war er für den ÖFB quasi ein logischer Nachfolger für den im November 1992 verstorbenen Teamchef Ernst Happel. 

1993 trat Prohaska mit nicht einmal 40 Jahren das Amt an. Höhepunkt war die Qualifikation für die Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich - bis heute ist das die letzte WM-Teilnahme Österreichs.

Dann kam das 0:9 von Valencia und die Ernüchterung bei der Stronach-Austria. Prohaska wechselte das Genre, nicht aber den Sport. Er wurde  Fußball-Experte beim ORF. Zwar verlor er mit den Jahren sein Markenzeichen, die Schneckerl. Aber mit seiner lockeren Art erreichte er Kultstatus. Seine Verabschiedung nach jedem Hauptabend-Spiel („Gute Nacht!“) ist eines seiner Charakteristika. Nach dem Sieg seines Favoriten Italien im Finale der WM 2006 ließ Prohaska sich vor laufenden Kameras sogar seinen Schnurrbart abrasieren - nach seinen Schneckerln sein zweites Erkennungszeichen.

Prohaska stammt aus „einfachen“ Verhältnissen, sein Vater arbeitete als Hilfsarbeiter, seine Mutter war Bedienerin. Er wuchs in Wien-Simmering au. Prohaska ist gelernter Automechaniker. Er ist verheiratet, hat zwei erwachsene Töchter und lebt in Klosterneuburg bei Wien. 1997 erhielt Prohaska vom österreichischen Bundespräsidenten das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich und 2005 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. 2004 wurde er zu Österreichs Spieler des Jahrhunderts gewählt.

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