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Sport Fußball
10/20/2021

Fußball-Historie: Als ehemalige Rapidler in Zagreb glänzten

Vor dem Europa-League-Spiel der Hütteldorfer gegen Dinamo erinnern wir an die grün-weißen Legenden Josef Brandstetter, Franz Mantler und Rudolf Rupec.

von Uwe Mauch

1:5! Mit hängenden Köpfen schlichen die Spieler des First Vienna Football-Club kurz vor Weihnachten anno 1926 von einem Fußballplatz, der sich ungefähr dort befand, wo heute die Fernreisebusse in der kroatischen Hauptstadt Zagreb ein- und abfahren.

In der ersten Emotion entschuldigte ein Funktionär der Vienna die Abfuhr damit, dass „unser Tormann Maresch total indisponiert war und mehrere Bälle passieren ließ, die er an guten Tagen sicher gehalten hätte“. Damit wolle er aber „den Verdienst unserer Gegner nicht schmälern, die sich unter Anleitung des vielfachen Wiener Internationalen Seppl Brandstetter zu einer Bombenmannschaft entwickelt haben“.

Und hier kommt Rapid Wien ins Spiel.

Tatsächlich coachte Josef „Seppl“ Brandstetter im Jahr 1926 den 1. HŠK Gradjanski. Und gewann mit dem Vorgängerverein von Dinamo Zagreb nicht nur gegen die Favoriten aus Döbling, sondern - ebenso wichtig - auch die gesamtjugoslawische Meisterschaft.

Inbegriff des Rapidlers

Der „Seppl“ war ein Sportstar seiner Zeit: Der als ehrgeizig beschriebene Mittelläufer hat 16 Jahre für Rapid gespielt, holte mit den Grün-Weißen in der Saison 1911/’12 den ersten Meistertitel, weiters sieben Meister- , zwei Cupsiege.

Mit 42 Einsätzen im Team war der Rackerer und Spielmacher der Inbegriff eines Rapidlers – und damals auch Rekordinternationaler. Sein Debüt feierte er 1912 bei den Olympischen Spielen in Stockholm, bei denen Österreich Fünfter wurde.

1926 folgte der damals 45-jährige Wiener einem Angebot aus Zagreb. Als Trainer vor Gradjanski avancierte er laut eines Zeitungsberichts zum „erklärten Liebling der gesamten Fußballgemeinde. Und seine Popularität in Agram ist nicht geringer als die zu seiner Glanzzeit als Spieler Rapids in Wien“.

Dessen ungeachtet kehrte er bald nach dem Kantersieg gegen die Vienna, im Jänner 1927, nach Wien zurück. Hatte er Heimweh? War das Angebot lukrativer? Jedenfalls übernahm Brandstetter das Traineramt in Dornbach beim Wiener Sport-Club.

Viele Spieler des 1. HŠK hörten auf deutsche Vor- und Familiennamen, daher wurden sie auch „purgeri“ genannt. Ihre Vereinsfarben waren so wie die Farben der Stadt und des heutigen Dinamo: dunkelblau. In der nationalen Meisterschaft im Königreich der Slowenen, Serben und Kroaten gaben sie mit fünf Titeln (1923, ’26, ’28, ’37 und ’40) den Ton an.

Wurde also Spielern und Funktionären der Vienna im Dezember 1926 vorgeführt, dass man auch südlich des Semmerings kicken kann, darf man sich in Wien, speziell in Hütteldorf, auf die eigenen Schultern klopfen.

So konnte sich Trainer Brandstetter in Zagreb auf jahrelange Stützen verlassen, die beide bei Rapid ausgebildet worden waren: Verteidiger Rudolf Rupec und Mittelfeldmotor Franz Mantler.

Rupec spielte, nachdem er seinen Stammplatz in der ersten Mannschaft bei Rapid verloren hatte, von 1921 bis 1928 in Zagreb. Die kroatische Sprache war ihm nicht fremd, waren doch seine Eltern vor dem Ersten Weltkrieg von Kroatien nach Wien übersiedelt. Als Doppelstaatsbürger bestritt Rupec zehn Länderspiele für Österreich, später weitere neun für Jugoslawien. Mit Gradjanski gelangen ihm zwei Meistertitel. Er war eine Stütze in seiner Mannschaft, wurde auch erster Profi in Jugoslawien. Nach dem Ende seiner aktiven Karriere führte der Wiener als Trainer den Zagreber Stadtrivalen HAŠK im Jahr 1938 zum ersten Meistertitel.

Ein „purger“ aus Wien

Ebenso anerkannt war Franz Mantler, der sich bei Rapid als talentierter Nachwuchsspieler gezeigt hatte, nach Ende des Ersten Weltkriegs aber nach Split ging, wo er als Spielertrainer brillierte. Auch nach seinem Wechsel von Split nach Zagreb im Jahr 1923 war Mantler Spieler und Trainer. Nachgesagt wurden dem Wiener vor allem Übersicht im Spiel, Zweikampfstärke, ein kontrollierter Schuss und dazu viel Routine.

Mantler spielte bis 1929 für die erste Mannschaft der „purgeri“. Nach seiner aktiven Karriere arbeitete er als Trainer der Nachwuchsmannschaften seines Vereins.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Verein von der Tito-Administration in Dinamo umbenannt. Seit 2011 sollen die drei Buchstaben GNK am Beginn des Vereinsnamens der „Blauen“ an die alten Zeiten erinnern: Gradjanski nogometni klub (Bürgerlicher Fußballklub).

Als Spieler und Trainer agierten Karl Heinlein (1919 – ’21) und Franz Mantler (1923 – ’24). Nur als Trainer im Einsatz waren für die Zagreber: Richard „Little Dombi“ Kohn (1924 – ’25), Josef „Seppl“ Brandstetter (1926), Johann Strnad (1930 – 1931), Hans Ringer (1935 – ’36), Robert Haftl (1931 – ’32), Otto Toni Ringer (1935), dann für Dinamo Karl Mütsch (1948) 

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