Da oben laust der Affe: Dem Fußball in Gibraltar gibt die Aufnahme in die UEFA und das Spiel direkt unter dem berühmten Affenfelsen einen ganz besonderen Kick.

© Reuters/JON NAZCA

Fußball-Neuling
10/18/2013

Gibraltar startete in die erste Qualifikation

Erstmals durfte eine Auswahl aus dem britischen Überseegebiet in einem offiziellen Bewerb antreten.

von Günther Pavlovics

Der 17. Oktober 2013 war ein großer Tag für die Fans des Fußballs in Gibraltar. Erstmals durfte eine Auswahl aus dem britischen Überseegebiet in einem offiziellen Bewerb antreten. Im tschechischen Vitkovice spielte die Unter-19-Mannschaft Gibraltars in der EM-Qualifikation gegen Kroatien (mit dem in Wien geborenen und bei Villarreal spielenden Faletar). Mit 0:7 hielt sich die Niederlage in Grenzen. Zumal kurz vor Seitenwechsel beim Stand von 0:1 Hernandez vom Platz musste.

Fußball und Gibraltar? Die beiden Begriffe brachte man bislang nur in Verbindung, wenn es Schlagzeilen über die steuerlich begünstigte Heimat für Online-Wettanbieter gab. Die Europäische Kommission prüft derzeit, ob die Freistellung von Lizenzgebühren und Zinszahlungen in dem britischen Steuerparadies gegen EU-Recht verstoße.

Lange Geschichte

Eine Fußball-Liga gibt es in Gibraltar schon seit 1893, seit 1905 wird am Fuße des berühmten Felsens Meisterschaft gespielt. Seit diesem Sommer wird die Meisterschaft mit acht (und nicht mehr mit sechs) Mannschaften gespielt, da dies eine Voraussetzung für die Aufnahme war. Am 24. Mai 2013 wurde der Fußballverband GFA als 54. vollwertiges Mitglied von der UEFA aufgenommen. Das A-Team von Gibraltar wird erstmals bei der Qualifikation für die EM 2016 in Frankreich antreten. Bislang nahm man nur an den „Island-Games“ teil, wo es einen 19:0–Rekordsieg gegen Sark, die viertgrößte Kanal-Insel, gab. Beim „FIFI Wild Cup“ in Hamburg im Jahr 2006 landete Gibraltar auf Rang drei. Dieses Turnier, der von der FIFA nicht anerkannten Regionen, gewann Nordzypern vor Sansibar.

Bereits 1997 hat Gibraltar bei der FIFA den ersten Aufnahmeantrag gestellt, auf den es zwei Jahre nicht einmal eine Antwort gab. 1999 verwies der Weltverband den kleinen Verband an die UEFA. Im Jahr 2000 inspizierte der europäische Verband das Stadion. Im „Victoria Stadium“ tragen alle der fast 80 Fußballklubs ihre Spiele aus.

Seit 2003 heißt der Meister stets Lincoln FC. Ein Jahr davor war der Verein in Newcastle United FC umbenannt worden, bekam 2007 aber den alten Namen wieder zurück. Namhaftester Verein ist aber der Manchester United FC.

Das Stadion liegt an der Winston Churchill Avenue, die die Startbahn des Flughafens kreuzt. Der Verkehr muss dort mehrmals am Tag gestoppt werden – immer dann, wenn ein Flugzeug starten oder landen will. 5000 Zuschauer passen in das Kunstrasen-Stadion. Es liegt in einer mit britischen Subventionen finanzierten Sportanlage: zwei Sporthallen, mehrere Kunstrasenplätze, zwei Hockeyfelder, ein moderner Wassersporthafen und zahlreiche Squash-Courts. Sogar eine eigene kleine Darts-Halle gibt es.

Spanischer Widerstand

Im Aufnahmeprozess sandte die UEFA stets positive Signale aus. Doch es passierte nichts. Die Spanier leisteten Widerstand, denn die Insel ist politisch umkämpft. Seit 1704 gehört der Felsen den Briten. 1967 gab es einen Volksentscheid, dass man unter britischer Verwaltung bleiben wolle. Daraufhin ließ General Franco die Grenze schließen und ordnete eine Wirtschaftsblockade an, die 16 Jahre andauerte.

Am 24. Mai 2013 fiel dann die positive Entscheidung. Aber noch im März hatte Spanien Widerstand signalisiert. Die spanische Regierung antwortete auf eine parlamentarische Anfrage: „Die Regierung zieht offizielle Fußballspiele zwischen Spanien und Gibraltar nicht in Betracht.“ Noch im vergangenen Jahr hatte Spaniens Sport- und Kulturminister verkündet, alle Rechtsmittel auszuschöpfen, um Gibraltars Vollmitgliedschaft in der UEFA zu verhindern.

Kurz vor der Abstimmung meinte Gibraltars Chefminister Fabian Picardo: „Wir glauben, dass Politik und Sport nicht miteinander vermischt werden sollten. Daher ist es unglücklich, dass von spanischen Politikern Bemerkungen über sportliche Angelegenheiten gemacht worden sind.“

Eine letzte Hoffnung bleibt den Spaniern: Gibraltar ist der einzige Ort in Europa, an dem frei lebende Affen beheimatet sind. Der Legende nach wird die britische Herrschaft beendet sein, sobald der letzte Affe den Felsen verlassen hat.

Gibraltar

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