Vienna ließ Talente ziehen: „Verstehen uns als Ausbildungsverein“
Die Frauenmannschaft der First Vienna belegte in der abgelaufenen Bundesliga-Saison unter Cheftrainer Mark Dobrounig zwar nur den sechsten Platz (es war die schlechteste Platzierung seit dem Bundesliga-Einstieg), trumpfte dafür aber mit reichlich Talent auf.
Die Wiener Austria wurde auf die elffache Torschützin der Vorsaison, Patricia Pfanner, aufmerksam und sicherte sich für die neue Spielzeit die Dienste der 22-Jährigen. Premieren-Aufsteiger SK Rapid schlug ebenfalls auf dem Transfermarkt zu und holte die gleichaltrige Abwehrspielerin Isabell Schneiderbauer. Für Lainie Fuchs (22) geht die Karriere bei Sparta Prag weiter.
Den größten Tapetenwechsel hat jedoch Alina Kerschbaumer vollzogen: Die erst 17-jährige U19-ÖFB-Nationalspielerin, die im Mittelfeld zu Hause ist, wechselte zum deutschen Bundesligisten 1. FC Köln.
Mario Graf freut sich für die nunmehrigen Ex-Spielerinnen, dass sie den nächsten Schritt in ihrer Profikarriere machen können. „Wir verstehen uns ganz klar als Ausbildungsverein“, erklärte der Sportliche Leiter der First Vienna auf KURIER-Nachfrage.
Das Ziel sei es, „Spielerinnen bestmöglich auf ihrem Weg zu begleiten und weiterzuentwickeln. Wenn sie anschließend den Schritt ins Ausland oder zu internationalen Topklubs schaffen, ist das eine Bestätigung unserer Arbeit.“
Dass dieses Konzept aufgeht, zeigt ein Blick in die Vergangenheit: Mit Linda Natter (TSG Hoffenheim), Nicole Ojukwu (SC Freiburg) und Sarah Mattner (FC Bayern) schafften gleich drei namhafte Akteurinnen den Sprung aus Wien Döbling in die deutsche Frauen-Bundesliga.
In der Summe hatte der einstige Zweitliga-Meister sieben Abgänge zu verzeichnen. Im Gegenzug wurde auf dem Transfermarkt kräftig nachjustiert: Mit Elina Schitter (U17-Nationalspielerin, SV Lanzersdorf Jugend) und Maja Keckeis (U19-Nationalspielerin, TSV Altenstadt Jugend) stießen zwei Top-Talente ins Team. Zudem kam Lilah Havel von der U20 der Wiener Austria. Das Durchschnittsalter der insgesamt sieben Neuzugänge liegt bei gerade einmal 19 Jahren.
Auch der restliche Kader ist extrem jung aufgestellt: Unter den 26 Spielerinnen ist einzig Kapitänin Claudia Wasser (31) älter als 30. Für Graf passt das perfekt zur Philosophie des Vereins: „Wer unseren Weg in den vergangenen Jahren verfolgt hat, weiß, dass wir jungen Spielerinnen bewusst die Chance geben, sich auf höchstem Niveau zu beweisen und zu entwickeln.“
„Die U19-Europameisterschaft hat eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial viele unserer Spielerinnen mitbringen“, fügte der 53-Jährige hinzu, der erst seit dem 22. Juni das Amt bekleidet. Cheftrainer Dobrounig müsse nun die richtige Balance zwischen erfahrenen Führungsspielerinnen und den jungen Talenten finden, um eine Mannschaft zu formen, die am Ende besser als auf Rang sechs abschneidet.
Die Vorgabe dafür ist klar definiert: „Unser Ziel ist es, uns als Mannschaft weiterzuentwickeln und den positiven Trend aus der Schlussphase der vergangenen Saison mitzunehmen. Wenn wir unsere Leistungen konstant auf den Platz bringen und uns als Team steigern, dann ist auch eine Platzierung weiter vorne absolut realistisch.“
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