Kaum wiederzuerkennen: Horvath (re.) - in Dresden Reservist, mit Wacker abgestiegen - war der Beste.

© APA/ROBERT JAEGER / ROBERT JAEGER

Sport Fußball
06/19/2019

Der Auftakt zu einer langen Reise für Österreichs U-21-Team

In Gedanken beim schwer verletzten Hannes Wolf will Österreichs Team am Donnerstag gegen Dänemark erneut überraschen.

von Alexander Huber

Am Tag danach dominierte ein Satz. Alle Spieler und Trainer sagten ihn, nur in Nuancen abgeändert. Die Botschaft war klar: „Wir werden das ganze Turnier für Hannes kämpfen.“ Der schwer verletzte Hannes Wolf wird als Schlüsselspieler nicht nur am Donnerstag (18.30 Uhr) gegen Dänemark abgehen.

Fragen und Antworten nach dem turbulenten, erfreulichen und schmerzhaften Start in die U-21-EM:

Wie ist das 2:0 gegen Serbien einzuordnen?

Extrem hoch. Serbien wurde von Deutschlands Teamchef Stefan Kuntz als Titelkandidat eingestuft. Auch die Serben selbst sprachen vom Titel als Ziel. Da nur die drei Gruppensieger und der beste Zweite aufsteigen, muss die U 21 noch mindestens drei Punkte holen. Im schlimmsten Fall könnten sogar sieben Zähler zu wenig sein.

Positiv ist auch, dass Österreich mit dem Niveau von Europas Elite mithalten kann. Offiziell ist die U-21-EM noch ein Nachwuchsturnier, tatsächlich ist sie aber eine Leistungsschau von Profis, die teilweise in Top-Ligen zu den Leistungsträgern zählen.

Sind die Pläne der U 21 voll aufgegangen?

Beinahe. Ein Involvierter berichtet, dass es beim Frühstück und vor der Anreise ins Stadion zwei mitreißende Ansprachen von Werner Gregoritsch gab. Auch der Matchplan saß. Nur Mathias Honsak, in der Qualifikation noch der beste Torschütze, tat sich als Solospitze extrem schwer. Es wurde schnell reagiert, nach nur 25 Minuten wurde Hannes Wolf nach ganz vorne beordert. „Das war davor als Plan B besprochen, wenn es nötig werden sollte“, erklärt Gregoritsch.

Stolz sind die Österreicher, dass gegen Jovic und Kollegen nur drei Chancen nach der Pause zugelassen wurden. „Wir hätten es mit unseren Chancen halt früher entscheiden müssen“, sagt Sandro Ingolitsch. „Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.“

Wie geht es mit Hannes Wolf weiter?

Direkt vom Spielfeld ging es ins Spital von Triest, weil die ÖFB-Ärzte gesehen haben, dass bei Hannes Wolf ein Knochen wegsteht. Konkret ist rechts der Außenknöchel gebrochen. Das ist auch Skistar Marcel Hirscher (links) passiert, bei Wolf ist der Bruch aber alles andere als glatt. Mit einem Gips und seiner Freundin ging es in der Nacht noch ins Teamquartier. „Wir haben Hannes Essen und Trinken aufs Zimmer gebracht und ihn getröstet“, erzählt Ingolitsch. Nach der Überstellung nach Salzburg wird entschieden, wo die Operation des 20-Jährigen stattfindet.

Wer wird Wolf gegen Dänemark ersetzen?

Die logische Wahl wäre Sasa Kalajdzic. Allerdings war der Joker gegen Serbien fehlerhaft und auch beim harten Training der Ersatzspieler am Dienstag nicht in Bestform. Geplant hatte Gregoritsch mit Adrian Grbic, dem die fehlende Spielpraxis in Altach allerdings stärker anzumerken ist als erhofft.

Heikel wird die bei drei Spielen in sieben Tagen bei Hitze nötige Rotation: schon am Donnerstag – oder erst gegen Deutschland? Max Ullmann sagt: „Ich hab’ beim LASK auch alles gespielt, für mich gibt es nur Vollgas. Ich schaffe alle drei Partien.“

Ist Österreich weiterhin der große Außenseiter?

Das wird von allen Spielern betont. „Wir dürfen nicht vergessen: Wir sind Österreich“, sagt Dejan Ljubicic. „Im Test haben wir gegen Dänemark 0:5 verloren“, erinnert sich Ingolitsch. Aber: „Diese offene Rechnung wollen wir begleichen.“ Bei der Testpleite im März 2018 kamen immerhin elf Spieler aus dem ÖFB-EM-Kader zum Einsatz.

Im Lager der Dänen kommt Sorge auf, weil einige Spieler gegen Deutschland (1:3) nicht topfit wirkten und Österreich physisch so stark ist. Ein großer Vorteil ist, dass Dänemark auf Sieg spielen muss, um noch ins Halbfinale kommen zu können. Gregoritsch: „Wir können wieder auf unser schnelles Umschaltspiel setzen.“

Wird ein Hype wie bei der U-20-WM 2007 in Kanada entstehen?

„Endlich bekommt diese Mannschaft die Anerkennung, die sie sich verdient hat“, meint Gregoritsch. „Wir hoffen auf einen Hype und noch mehr Österreicher in Udine gegen die Dänen. Ich merke schon, wie viele jetzt nachfragen“, sagt Ljubicic. Die Karten kosten nur wenige Euro. Spätestens am Sonntag, gegen Deutschland, wird das Entscheidungsspiel in Udine auch zur Bühne für wahlkämpfende Politiker werden.