WM in den USA? Warum die FIFA bei der Moral flexibel bleibt

2018 wollte die FIFA Sport und Politik nicht vermengen. 2022 tat sie es doch und suspendierte Russland. Für die USA wird man wieder die Kurve kriegen.
Donald Trump und Gianni Infantino

Acht Jahre ist es her, dass in Russland eine Fußball-WM stattgefunden hat, obwohl das Ausrichterland zu diesem Zeitpunkt bereits seit vier Jahren in einen militärischen Konflikt im Donbass in der Ukraine involviert gewesen war. Man solle Sport und Politik nicht miteinander vermengen, meinte die FIFA und hielt Russland die Stange. Die WM könne als globales Ereignis positive gesellschaftliche Entwicklungen fördern, so der Fußball-Weltverband.

Gekommen ist es anders, und als die FIFA im Februar 2022 Russland suspendierte, war die Lage – plötzlich – weitgehend klar und die sportpolitische Begründung ebenso. Die Russen waren in der Ukraine einmarschiert. Ein Staat hatte einen anderen angegriffen und wurde von der westlichen Welt verurteilt. Sanktionen allerorts, nicht nur im Fußball, waren die Folge. Und für die FIFA war es ein Leichtes, da einfach nachzuziehen. Aggression sei unvereinbar mit internationalem Wettbewerb, hieß es. Russland musste nicht nur bei der WM in Katar zusehen.

Weitere vier Jahre später ist die Situation ungleich komplizierter. Vor allem, weil es wieder um den WM-Ausrichter geht. Die USA fliegen militärische Angriffe gegen Ziele im Iran. Warum sie das tun, darüber gab es zuletzt divergierende Aussagen. Hatte US-Präsident Donald Trump noch über „Regime Change“ referiert und sich als Befreier des unterdrückten iranischen Volkes positioniert, so wurde dieses Animo später wiederum bestritten. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth etwa betonte, es gehe um die Entwaffnung des Iran. „Die Raketenbedrohung zerstören, die Marine zerstören, keine Atomwaffen.“

Die Grundsatzfrage

Unabhängig von der völkerrechtlichen Einordnung dieser Konflikte stellt sich eine sportpolitische Grundsatzfrage: Müsste nicht auch hier gelten, was die FIFA 2022 bei Russland zur Maxime erhoben hat?

Fest steht: Die FIFA steckt in einem Dilemma, und man darf gespannt sein, wie der Weltverband die Kurve kriegen wird bei seiner Begründung, weshalb die WM wie geplant bestens aufgehoben ist in den USA, die in 100 Tagen beginnen soll.

Um Erlaubnis fragen muss man niemanden. Der Verband hat ein Monopol, und die USA sind ein Ausrichter, dem der FIFA-Präsident seit Monaten demonstrativ den roten Teppich ausrollt – gipfelnd darin, dass Donald Trump bei der WM-Auslosung in Washington einen eigens kreierten FIFA-Friedenspreis überreicht bekam. „Dieser Preis wird jährlich vergeben, um einen Menschen auszuzeichnen, der ein klares Engagement für Frieden auf der Welt fördert“, hatte Gianni Infantino verkündet und eine Menge Kritik geerntet.

Gianni Infantino jedenfalls ist eine politische Nähe zu Donald Trump eingegangen und dürfte es schwer haben, sich davon zu lösen. Er muss hoffen, dass es so kommt, wie die USA angekündigt haben und der Konflikt im Iran bald beendet ist. Doch Trump war es auch, der im Zuge seines Wahlkampfes behauptet hatte, er könne den Ukraine-Krieg innerhalb von 24 Stunden beenden.

Der FIFA-Präsident wird alle möglichen WM-Szenarien längst in seinem Kopf durchdenken, während er in einer Tour um die Welt reißt, um Werbung in eigener Sache zu machen. 2027 will der Schweizer wiedergewählt werden.

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