Andy Murray

© APA/HELMUT FOHRINGER

Erste Bank Open
10/17/2014

Murray zieht souverän ins Wien-Semifinale ein

Der Schotte lässt dem Deutschen Struff keine Chance. Auch Ferrer steht im Halbfinale.

Andy Murray hat am Freitag in der Wiener Stadthalle auch sein zweites Match gewonnen und steht im Halbfinale des Erste Bank Open. Der als Nummer zwei gesetzte Olympiasieger aus Großbritannien besiegte den deutschen Außenseiter Jan-Lennard Struff in 86 Minuten mit 6:2,7:5. Murray trifft nun am Samstag auf den serbischen Qualifikanten Viktor Troicki. Nach Murray ist am Abend auch der topgesetzte Weltranglisten-Fünfte David Ferrer in die Runde der letzten vier eingezogen. Der Spanier bezwang den 2,11-m-Riesen Ivo Karlovic mit 7:6(5),6:4 und trifft nun am Samstag (2. Match nach 14.00 Uhr) auf Philipp Kohlschreiber (GER-4). Damit fehlt den beiden Topstars nur noch je ein Sieg zum Traum-Finale Ferrer-Murray. "Das war ein sehr schwieriges Match, weil Karlovic einer der stärksten Aufschläger auf der Tour ist", lautete Ferrers Kommentar. "Ich bin sehr happy, dass ich hier im Semifinale stehe."

Murray war mit seinem Auftritt vor rund 8.000 Zuschauern recht zufrieden. "Ich bin ziemlich gut ins Match gestartet und hatte im ersten Satz eine Phase, wo ich 12, 13 Punkte in Folge gemacht habe", erklärte der 27-jährige Schotte. "Im zweiten Durchgang ist er dann besser geworden. Er ist ein großer Spieler mit einem guten Aufschlag, der sehr aggressiv spielt. Auf einem schnellen Indoor-Court ist das immer ein schwieriges Match", sagte Murray.

Murray spielt nun am Samstag (14.00 Uhr) gegen Troicki, gegen den er eine ausgezeichnete Bilanz aufweist. Alle bisher fünf Begegnungen mit dem Serben hat der Schotte für sich entschieden. Nur einmal (2011 in Roland Garros) stand er nach einem 0:2-Satzrückstand vor einer Niederlage, sonst war Murray stets überlegen. "Ja, ich habe in der Vergangenheit gut gegen ihn gespielt. Er ist ein sehr guter Athlet und bewegt sich extrem gut."

Richtig überrascht über die starke Rückkehr von Troicki nach dessen Suspendierung ist Murray nicht. "Er hat recht viel mit Novak trainiert und das ist ein guter Trainingspartner, wenn man wieder auf sein Level kommen will." Die frühe Ansetzung am Samstag könnte Murray die Chance geben, den Samstagabend vielleicht doch noch zu einem kulturellen Wien-Ausflug zu nützen.

Murray hatte für seine Meinungsäußerung auf Twitter anlässlich des damals bevorstehenden Unabhängigkeitsreferendums Schottlands einige teils untergriffige Kritik einstecken müssen. "Das war ein Tag in einem ganzen Leben, ein großer Tag für Schottland. Natürlich wird einem Athleten gesagt, dass man sich von solchen Dingen fernhalten sollte. Das macht Dinge natürlich einfacher, aber als Athlet sollte es einem erlaubt sein, Meinungen zu äußern."

Sein kommender Gegner hatte sich am Freitag als erster Spieler für das Semifinale qualifiziert. Der 28-jährige Wien-Debütant Viktor Troicki rang den Brasilianer Thomaz Bellucci, der im Achtelfinale die Nummer drei des Tennis-Turniers Feliciano Lopez (ESP) besiegt hatte, in 2:27 Stunden mit 7:6(4),6:7(2),6:2 nieder.

Weiter gekommen ist auch Philipp Kohlschreiber. Die Nummer vier setzte sich einen Tag nach ihrem 30. Geburtstag im rein deutschen Duell mit Benjamin Becker mit 6:4,7:6(3) durch.

Comeback

Am meisten gefreut hat der Halbfinal-Einzug an diesem Tag wohl Viktor Troicki. Der Weltranglisten-127. ist erst vor drei Monaten nach einer zwölfmonatigen Sperre wegen einer nicht abgegebenen Blutprobe wieder auf die Tour zurückgekehrt. Nun steht er erstmals seit Moskau 2011 (Finale) wieder in einem Semifinale auf der Tour.

Nach nunmehr sechs Siegen en suite in der Stadthalle sieht sich Troicki auf einem guten Weg, sein Ziel, so schnell wie möglich in die Top 100 zurückzukehren, zu erreichen. "Der Wien-Trip ist bisher recht erfolgreich verlaufen. Ich glaube, wenn ich noch ein Match gewinne, dann habe ich es geschafft." Im Juli kehrte Troicki dank einer Wildcard in Gstaad auf die Tour zurück und besiegte gleich in seinem ersten Match Dominic Thiem. "Ich hatte damals nur noch 20 Punkte übrig."

Der Blick zurück auf die tennislose Zeit berührt Troicki immer noch. Er war sich zu dem Zeitpunkt der nicht gegebenen Blutprobe sicher, dass er nichts falsch gemacht hat. "Ich habe das Problem, wenn ich Blut gebe, dass ich ohnmächtig werden kann. Ich habe den Urintest gemacht, und habe ihr (der Ärztin) gesagt, dass ich mich nicht wohlfühle. Sie hat gesagt, ja ich kann sehen, dass sie sich nicht gut fühlen." Troicki habe gefragt, ob es eine Chance gebe, den Test nicht am gleichen Tag zu machen. "Sie hat es mir erlaubt und mir gesagt, ich solle einen Brief schreiben."

Der am nächsten Tag vollzogene Test sei negativ gewesen, doch dennoch habe er gegen die Regeln verstoßen. Positiv an der erzwungenen Auszeit seien nur wenige Dinge gewesen: Das Wissen, wer seine wirklichen Freunde sind, die Unterstützung seiner Teamkollegen, allen voran Novak Djokovic und das Kennenlernen seiner Freundin Sofia. "Novak war ein echter Freund, er hat mich am Beginn öffentlich unterstützt und dafür auch Probleme bekommen."

Mit frischem Geist und dem Wissen, wie sehr er Tennis vermisst hat, ist Troicki nun bereit. Und kämpft am Samstag um das erste Endspiel seit drei Jahren. "In mir weiß ich, dass ich clean war. Ich habe nie betrügen wollen. Es war Pech, was passiert ist, aber jetzt fühle ich, dass ich wieder zurückkommen kann." Für ihn sei die ganze Affäre, die schmerzvollste Erfahrung gewesen. "Hätte ich wirklich etwas genommen und wäre überführt worden, wäre meine Sperre kürzer gewesen als sie jetzt war", sei ihm erzählt worden.

Halbfinal-Duelle

Ferrer - Kohlschreiber

Troicki - Murray

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