Sport | Fußball
02.11.2018

Enthüllungen über FIFA-Präsident Gianni Infantino

Football Leaks: Der Schweizer soll in dunkle Machenschaften verstrickt sein und seine Kompetenzen überschritten haben.

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel hat am Freitagabend eine ganze Flut an Enthüllungen über Machenschaften im Fußball veröffentlicht. Im Kern geht es um den Weltfußballverband FIFA, ebenso aber auch um die Zukunft des europäischen Vereinsfußballs (siehe hier).

FIFA-Präsident Gianni Infantino soll demnach persönlich Einfluss auf die Aufweichung des Ethik-Codes des FIFA genommen haben. Das ergibt sich aus internen Papieren der FIFA, die dem Spiegel von der Enthüllungsplattform Football Leaks zur Verfügung gestellt wurden und die das Magazin mit dem Rechercheverbund European Investigative Collaborations (EIC) und drei weiteren Partnern geteilt hat.

Die FIFA hatte die umstrittene Novelle ihrer Ethikregeln im August vorgestellt und harsche Kritik dafür geerntet. Aus den Unterlagen geht hervor, dass Änderungen auch von Gianni Infantino selbst initiiert wurden. „Demnach schickte der Chefrichter der Ethikkommission, der Grieche Vassilios Skouris, am 21. Dezember 2017 den Entwurf an Infantino mit der Bitte um Durchsicht. Er forderte Infantino auf, seine ,Anmerkungen‘ rechtzeitig zu schicken, ,damit ich sie im endgültigen Text einbauen kann‘.“

Infantino habe daraufhin eine ganze Reihe von Korrekturvorschlägen gemacht, die zum Teil in die Endfassung einflossen, etwa dass Voruntersuchungen gegen mutmaßlich korrupte Funktionäre nur noch unter Zustimmung der FIFA-Chefermittlerin eingeleitet werden dürfen. Der Deutsche Hans-Joachim Eckert, Vorgänger von Chefrichter Skouris, kritisiert: „Ich habe immer gesagt, der neue Ethik-Code ist Infantinos Werk – das ist der Beweis.“ Diese Einmischung sei „ein klarer Verstoß gegen den Kodex und die Statuten der FIFA“.

Die FIFA teilte dagegen mit, es sei „völlig unplausibel“, dass sich Ethikrichter Skouris, früher Präsident des Europäischen Gerichtshofs, gegen seinen Willen zu einer Entscheidung drängen lasse.

Europäische Vorgeschichte

Doch schon als UEFA-Generalsekretär soll Infantino 2014 die Arbeit von verbandsinternen Kontrollgremien hintertrieben haben – und den Scheich-Klubs Manchester City und Paris St-Germain zu sehr milden Sanktionen für ihre massiven Verstöße gegen die Regeln des Financial Fair Play (FFP) verholfen haben. Diese Regeln legten fest, dass das Defizit eines Klubs in den Spielzeiten von 2011 bis 2013 nur noch bei insgesamt 45 Millionen Euro liegen durfte. UEFA-Ermittler und unabhängige Wirtschaftsprüfer bezifferten jedoch das über diese 45 Millionen Euro hinausgehende schuldhafte Defizit bei PSG auf 218 Millionen, bei ManCity auf 188 Millionen. Daraufhin drohte beiden Klubs der Ausschluss aus der Champions League. Sowohl die katarischen Eigentümer von PSG als auch die Besitzer von Manchester City aus Abu Dhabi versuchten, das mit massivem Druck gegen die UEFA-Führung zu verhindern.

Aus den Unterlagen von Football Leaks geht hervor, dass sich Infantino „während der laufenden FFP-Verfahren mehrmals zu Geheimgesprächen mit den Klubbossen aus Paris und Manchester“ traf, sie „mit vertraulichen Details fütterte und Kompromisse vorschlug, zu denen er nicht befugt war“.

In einem eMail vom 2. Mai 2014 schreibt Infantino dem Klubchef von Manchester City, Khaldoon Al-Mubarak: „Du wirst sehen, dass ich manchmal einen Ausdruck gewählt habe, der etwas ,strenger‘ aussieht“, an der einen oder anderen Passage könne man noch feilen. Selbstverständlich sei dieses Schreiben „nur zwischen uns“.

Im Mai 2014 unterzeichneten beide Vereine Vereinbarungen mit der UEFA, die ihr Geschäft kaum beeinträchtigten. Wenige Tage zuvor war der schottische Wirtschaftsexperte Brian Quinn, der als Leiter der FFP-Untersuchungskommission das Verfahren gegen beide Klubs unabhängig von der UEFA-Führung hätte führen sollen, von seinem Amt zurückgetreten. Er hatte laut Spiegel die Vergleiche angesichts des Ausmaßes der Regelverstöße für zu milde erachtet.