Letzte Streckung: Nach Russland wartet auch auf die Teamspieler der verdiente Urlaub.

© APA/HERBERT NEUBAUER

EM-Qualifikation
06/10/2015

Im Dauerlauf in den Sommerurlaub

Auch nach über 50 Spielen brennen die Spieler für die Aufgabe in Russland – und spenden Blut.

von Alexander Huber, Günther Pavlovics

Robert Almer ist die Nummer eins im Nationalteam. Nicht nur als Tormann am Sonntag in der EM-Qualifikation für Österreich in Moskau, sondern auch auf der Liste der Einsätze in der am Wochenende zu Ende gehenden Saison ist er ganz am Anfang zu finden: Einen einzigen Einsatz absolvierte der künftige Austria-Torhüter für seinen bisherigen Verein Hannover – und zwar für die Amateure in der vierten deutschen Liga.

Mit den Spielen für Rot-Weiß-Rot hat sich die Matchstatistik des 31-Jährigen seit Juni 2014 versiebenfacht. Mit seinen sieben Pflichtspielen ist Almer der am wenigsten beanspruchte Nationalspieler, noch vor Bologna-Reservist Gyuri Garics. Der Rechtsverteidiger kam auf neun Einsätze in Italien.

Am anderen Ende der Jahresliste steht der Name Marcel Sabitzer. Der Stürmer hat es auf außergewöhnliche 56 Pflichtspiele seit Saisonbeginn gebracht, 51 davon im Red-Bull-Dress.

Ärztlicher Rat

Nur logisch, dass Teamchef Marcel Koller in der Vorbereitung auf das Duell mit den Russen exakt dosiert. Bei Martin Hinteregger zwickt’s nach 53 Spielen eher als bei Innenverteidiger-Kollege Sebastian Prödl, der nach langer Verletzungspause mit insgesamt 28 Partien erst wieder so richtig in Schwung kommt.

Eine entscheidende Rolle spielt dabei Teamarzt Richard Eggenhofer, der von Koller im ÖFB zur A-Auswahl hochgezogen wurde. Der 49-Jährige entscheidet, wann welcher Spieler wie belastet werden kann. Noch vor dem Frühstück treten die Spieler täglich bei Eggenhofer zur Blutabnahme an. Der Wahl-Burgenländer mutiert zur Gelse und sticht in den Finger – anhand des CK-Wertes soll erhöhte Verletzungsgefahr festgestellt werden.

Eggenhofer: "Der CK-Wert ist ein Indikator für die Beanspruchung der Muskulatur." Ist der Wert zu hoch, wird der jeweilige Spieler in Absprache mit Koller aus dem Mannschaftstraining genommen. Mit den von allen Spielern getragenen Pulsuhren können auch Abweichungen bei der Herzfrequenz sofort erkannt werden. Am Dienstag waren alle 23 Kaderspieler bereit.

Eiskalte Hilfe

"Müdigkeit ist eine Kopfsache", betont Aleksandar Dragovic, der mit 48 Pflichtspielen der fleißigste unter den ÖFB-Legionären war. "Wenn ich mir einrede, dass ich durch die Belastungen müde werde, bin ich es auch."

Damit diese Gedanken gar nicht erst entstehen, legt Teamarzt Eggenhofer die Spieler nach den Einheiten auf Eis, verfrachtet sie in Wannen mit acht bis zwölf Grad kaltem Wasser. Dadurch kühlt die Haut ab, die Blutgefäße verengen sich und mehr Blut wird nach innen gedrängt, wodurch die Muskeln besser versorgt werden. "Ich sehe es allein schon an den Blutwerten, dass die Regeneration schneller funktioniert", sagt Eggenhofer.

Kiew-Legionär Dragovic will sich von den Transfergerüchten nicht ablenken lassen ("Ich kann mir auch noch ein Jahr bei Dynamo gut vorstellen") und noch einmal 100 Prozent abliefern – egal, ob auf der gewohnten Innenverteidiger-Position oder als Alaba-Ersatz im defensiven Mittelfeld. "Hinten hab’ ich mehr Erfahrung, aber ich spiel’ beides gerne."

Von der Dragovic-Position hängt auch ein Einsatz von Stefan Ilsanker ab. Der künftige Leipziger hat den damals ebenfalls verletzten Alaba beim 1:0 im Heimspiel gegen Russland vertreten. "Ich habe diese Aufgabe in schweren Partien gut gemeistert. Ich hau’ mich voll rein, damit ich wieder drankomme."

Kurze Pause

Es wäre der bereits 51. Einsatz. "Ich bin das schon aus dem letzten Jahr gewohnt. Ich fühl mich noch frisch und denke erst ab Sonntag Abend an den Urlaub." Diesen hatte Marko Arnautovic schon nach dem Saisonende in England und 42 Spielen: "Mir reicht diese eine Woche Urlaub. Ich brauch’ kein Monat, um mich zu erholen."

Seinen Urlaub abgesagt hat Philipp Schobesberger nach der überraschenden Teameinberufung. Dragovic lobt den Rapid-Aufsteiger: "Er hat sich das Team sehr verdient. Natürlich fehlt noch die Erfahrung. Aber wenn er so weitermacht wie im Training wird Schobi diese auch im Team bald bekommen."

Das Ziel für das Saisonfinale klingt bei allen Spielern gleich: "Wir wollen den Sieg. Wir fahren nicht nach Russland, um auf einen Punkt zu spielen." Sollte das Ziel erreicht werden, gibt es 2016 noch weniger Sommerurlaub: In genau einem Jahr wartet in Frankreich das Eröffnungsspiel der EURO.

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