Bundesliga - TSG 1899 Hoffenheim v Bayern Munich

© REUTERS / KAI PFAFFENBACH

Sport Fußball
02/29/2020

Fan-Eklat in Hoffenheim: Eskalation nach Hopp-Anfeindung

In der Bayern-Kurve waren Hass-Plakate gegen den Hoffenheim-Mäzen zu sehen. Der Referee ließ die Partie zwei Mal unterbrechen.

von Andreas Heidenreich

Bilder wie diese hat der Fußball selten gesehen. Da standen 22 Profis auf dem durch starken Regen getränkten Rasen und unterhielten sich während des laufenden Spiels miteinander.

Manche gaberlten oder zeigten technische Gustostückerl. Nur Fußball gespielt wurde nicht mehr beim Duell zwischen Hoffenheim und den Bayern. Kein Zweikampf, kein Laufduell, nichts. 22 Spieler und ihre beiden Klubs wollten ein Zeichen setzen gegen wiederholte Schmähungen. Eine knappe Viertelstunde lang, bis die 90 Minuten erreicht waren und Schiedsrichter Dingert dem Trauerspiel ein Ende setzen konnte.

Doch was war passiert?

Wieder einmal war Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp, der in der Vergangenheit schmähende Anhänger privat verklagt und Recht erhalten hatte, in den Mittelpunkt geraten. Der Milliardär wurde von mitgereisten Bayern-Fans mittels eines Spruchbandes zutiefst beleidigt. 

Das Spiel wurde in Minute 66 erstmals unterbrochen. David Alaba, Trainer Hansi Flick und Sportdirektor Hasan Salihamidzic eilten in die Kurve und schimpften mit dem eigenen Anhang. Der Unparteiische handelte, wie es der für solche Fälle ausgearbeitete Dreistufenplan vorsieht: Er ließ mittels Lautsprecher-Durchsage zur Ordnung aufrufen. Die Partie wurde fortgesetzt. Für zehn Minuten, dann war sie praktisch vorbei. Wieder ein Spruchband, diesmal ein anderes, doch mit der selben Botschaft in Richtung Dietmar Hopp

Bilder vom kuriosen Match in Sinsheim:

Nun wurden die Spieler für 15 Minuten in die Kabinen geschickt. Nach der Rückkehr der Spieler auf den Rasen war es mit dem sportlichen Schauspiel vorbei. Die restlichen gut zehn Minuten wurde gegaberlt.

Erst bei einer weiteren Schmähung wäre es tatsächlich zum Spielabbruch gekommen. 

Stiller Protest

Stattdessen sorgten die Aktiven auf dem Platz für einen stillen Protest. „Das war ein stärkeres Zeichen, als es ein Spielabbruch gewesen wäre“, meinte Hoffenheims Geschäftsführer Peter Görlich. „Es war eine Idee der Spieler“, sagte Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge, der von einer „Watschn“ für die Fans von Bayern München sprach und sich gegenüber Sky kein Blatt vor den Mund nahm: „Ich schäme mich zutiefst für diese Chaoten. Es ist der Moment gekommen, wo wir alle im deutschen Fußball gegen diese Leute vorgehen müssen.“

Der ehemalige Torjäger kündigte scharfe Konsequenzen an: „Wir haben die ganzen Vorkommnisse gefilmt und werden mit aller Schärfe vorgehen. Diese Leute haben in einem Fußballstadion nichts mehr verloren“, betonte der 64-Jährige, der auch gegen die vermehrt aufkommende Homophobie und den Rassismus in den Fußballstadien Maßnahmen setzen will. „Wir haben viel zu lange die Augen zugemacht.“

Für Aufsehen sorgte nach Spielende auch die Aussage von Hansi Flick. Der Bayern-Trainer erzählte, dass man bei den Gästen davon gewusst habe, dass seitens der Fans „etwas geplant ist.“ Man habe versucht, entgegenzuwirken und Transparente nicht ins Stadion zu lassen. „Wir haben allerdings keinen Zugriff gehabt.“

In den sozialen Netzwerken wurde dem Bayern-Boss aber auch Scheinheiligkeit vorgeworfen. Die Kritik hat Substanz: Der Klub fliegt seit Jahren im Winter ins Trainingslager nach Katar und kassiert viel Geld vom Wüstenstaat, in dem Menschenrechte mit Füßen getreten werden und Homosexualität bei Strafe verboten ist. Bei rassistischen und homophoben Vorfällen gab es bisher allerdings nur leere Worthülsen, aber keine vergleichbaren Reaktionen wie diesmal. 

Fortsetzung garantiert.

Fußball gespielt wurde zuvor übrigens auch: Die Bayern gewannen 6:0.

In Köln ging's weiter

Auch beim anschließenden Abendspiel in Köln wurde Hopp mit einem Plakat beleidigt. Die Partie zwischen dem 1. FC Köln und Schalke 04 wurde nach der Halbzeit beim Stand von 2:0 für die Gastgeber erst mit Verspätung wieder angepfiffen.

FC-Trainer Markus Gisdol und Sportchef Horst Heldt waren zuvor zu den Kölner Fans geeilt, um diese zum Abhängen des Plakates zu bewegen. 
 

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