Meinung
02/29/2020

Es war einmal ein Spiel ...

Die Entwicklung des Fußballs und seine Doppelmoral bedürften längst einer gründlichen Überarbeitung.

von Bernhard Hanisch

Bayern-Fans standen meist außerhalb der Berichterstattung über Gewalttätigkeiten, verbale Entgleisungen und andere Grauslichkeiten, die in Stadien passieren. Gestern hat sich das geändert. Ein Teil der Münchner Fans hat in Hoffenheim auf brachiale Art und Weise das Image korrigiert. Zweimal wurden im Bayern-Sektor Transparente aufgezogen, die Hoffenheims Klubchef Dietmar Hopp als „Hurensohn“ beschimpften.

Das Spiel wurde unterbrochen und danach von den Spielern beider Mannschaften als unerhebliches Ballgeschiebe zu Ende geführt – verständlich der Protest, der passend wirkte. Eine Reaktion wiederum auf einen Protest, der vielleicht nachzuvollziehen ist, dessen Ausführung allerdings unter jeder Gürtellinie und aus tiefster Schublade gezogen wurde.

Denn nicht nur die Person Hopp auf andere Art und Weise mit kritischem Abstand zu betrachten, wäre eigentlich erlaubt. Die Entwicklung des Fußballs und seine Doppelmoral bedürften längst einer gründlichen Überarbeitung. Dieser Diskussion müssten sich auch die Klubs stellen, die gestern ihren berechtigten Unmut zur Schau stellten. Ein Unmut, der künftig hoffentlich auch bei rassistischen und diskriminierenden Ausfällen selbstverständlich ist.

Gefordert sind nun beide Seiten.

Viele Klubs und all jene Fans, die vergessen haben, dass einmal alles als Spiel begonnen hat.