Oliver Lederer erklärt

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Sport | Fußball
07/07/2019

Einfach erklärt: Wie eine neue Regel den Fußball verändert

Der Ball ist beim Abstoß jetzt sofort im Spiel. Ein Vorteil für spielstarke Teams. Die wichtigsten Neuerungen im Überblick.

Am 19. Juli beginnt mit der 1. Runde des ÖFB-Cups die neue Saison 2018/’19 im Klubfußball in Österreich. Spätestens dann werden auf den Plätzen und Stadien auch die Regeländerungen sichtbar, die für die neue Spielzeit beschlossen wurden.

Sofern der Ball also ohne technischen Fehler gespielt wird, ergibt sich ab sofort viel mehr Raum für die aufbauende Mannschaft im Ballbesitz.

Teams, die den Gegner gerne nahe des eigenen Tors unter Druck setzen, müssen ihre Pressingformationen künftig also etwas neu ausrichten. Im nächsten Video schildert Oliver Lederer seine Erwartungen an die neue Regel.

Neu ist ab 2019/'20 aber nicht nur der Abstoß. Um den Fußball weiterzuentwickeln, hat sich das IFAB noch mehr ausgedacht. So soll künftig weniger Zeit verloren gehen, auf dem Platz mehr Fairness herrschen und auch beim viel diskutierten Handspiel mehr Licht ins Dunkel kommen. Ein Überblick.

Die Nettospielzeit soll steigen, indem Spieler, die ausgetauscht werden, das Spielfeld ab sofort über die nächst gelegene Begrenzungslinie verlassen müssen. Damit soll verhindert werden, dass Spieler über das halbe Spielfeld gehen, ehe sie den Rasen verlassen. Ein Spielerwechsel dürfte dadurch künftig nur noch wenige Sekunden dauern.  Gut möglich, dass sich dadurch Trainer  den einen oder anderen Wechsel ersparen, der in der Schlussphase dazu dienen soll, eine Führung über die Runden zu bringen.

Die Regelhüter haben den Referees bei dieser Änderung allerdings die Möglichkeit vorbehalten, einen Spieler auch an einem anderen Ort vom Feld zu schicken. Etwa aus Sicherheitsgründen. So soll verhindert werden, dass ein Spieler auf dem Weg in die Kabine vor dem Fanblock der gegnerischen Mannschaft vorbei muss.

Weniger Zeit könnte künftig auch verloren gehen, wenn weniger diskutiert wird. Unterredungen zwischen Schiedsrichtern und Trainern könnten ab sofort etwa kürzer abgehalten werden oder ganz wegfallen. Dann nämlich, wenn ein Trainer einfach eine gelbe oder gar rote Karte sieht. Dies ist ab sofort möglich.

Heikel könnte es auch für Cheftrainer werden, wenn sich eine andere Person auf der Ersatzbank daneben benimmt. Sollte der „Übeltäter“ vom Schiedsrichterteam nicht zu identifizieren sein, muss der ranghöchste Trainer dafür büßen.

Flexibler ist das Regelwerk künftig beim Münzwurf vor der Partie. Bisher konnte der siegreiche Kapitän lediglich auswählen, auf welches Tor seine Mannschaft in Halbzeit eins spielen soll. Jetzt kann der Gewinner auch den Ball wählen und dem Verlierer die Platzwahl überlassen. Das könnte dann passieren, wenn eine Mannschaft den Gegner etwa mit einem einstudierten Spielzug vom Anstoß weg überraschen will.

Noch öfters wird künftig gepfiffen, wenn der Ball eine Hand berührt. Denn mit einer Überarbeitung der Handspielregel will das IFAB für eine klarere Linie sorgen. Ab sofort ist nicht mehr die Absicht das einzig entscheidende Kriterium. Ab sofort wird auch gepfiffen,  wenn der Ball unabsichtlich von der Hand ins gegnerische Tor springt, ein Spieler durch ein unabsichtliches Handspiel in Ballbesitz gelangt oder sich die Hand bzw. der Arm bei einem unabsichtlichen Handspiel über Schulterhöhe befindet.

Fairer wird der Fußball, weil der Schiedsrichter nicht mehr „mitspielen“ darf. Die im Volksmund gängige Bestimmung, „der Schiedsrichter ist Luft“ gibt es nicht mehr. Sollte der Referee ab sofort unabsichtlich mit dem Ball abgeschossen werden und die in Ballbesitz gewesene Mannschaft dadurch die Kugel verlieren, erhält sie ihn mittels Schiedsrichterball zurück.

Unterbrochen wird auch, sollte der Ball vom Schiedsrichter ins Tor springen oder der Kontakt des Balles mit dem Referee einen aussichtsreichen Angriff auslösen.

Weniger gestritten wird künftig in der Mauer bei Freistößen. Bisher stellten sich stets angreifende Spieler zu den Verteidigern, um zu blocken oder dem Torhüter die Sicht zu nehmen. Ab sofort müssen Gegenspieler einen Meter Abstand von der Mauer halten.

Damit geht vermutlich auch weniger Zeit verloren, in der der Referee bisher oft Streithähne trennen und für Ordnung sorgen musste. Man kann davon ausgehen, dass sich die Spieler an die neue Regel halten werden. Andernfalls gibt es einen Ballverlust im Zuge eines indirekten Freistoßes für die verteidigende Mannschaft.