Kevin Wilson kam beim 0:1 zu spät.

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Champions League
02/13/2013

Ein Phantomtor, das noch anerkannt wurde

Juventus-Stürmer Matri erzielte ein Tor, das vom Schiedsrichter nicht gegeben wurde.

von Stephan Blumenschein

Am Dienstag Abend ist die Champions League wohl nur knapp an einem neuen Torskandal vorbeigeschrammt. Es passierte in der 3. Minute des Achtelfinal-Hinspieles zwischen Celtic Glasgow und Juventus Turin, das die Italiener schlussendlich klar 3:0 gewinnen konnten.

Juventus-Stürmer Alessandro Matri hatte einen Stellungsfehler der Celtic-Abwehr ausgenützt und war alleine aufs Tor zugelaufen. Matri schob Celtic-Keeper Fraser Forster den Ball durch die Beine. Sein Schuss rollte ins Tor, Celtic-Verteidiger Kevin Wilson konnte den Ball erst hinter der Torlinie aufhalten.

Das Spiel lief aber weiter, Matri reklamierte sofort beim Torrichter, zugleich schoss sein Teamkollegen Claudio Marchisio den Abpraller ins Tor. Erst jetzt entschied auch der spanische Schiedsrichter Alberto Undiano Mallenco auf 1:0 für die Italiener.

Lange war unklar, wer nun den Treffer erzielt hatte. Zunächst führte die UEFA Marchisio offiziell als Torschützen, noch während des Spieles wurde dann doch Matri das Tor zugesprochen. So weit, so gut.

Doch was wäre gewesen, hätte Marchisio den Abpraller nicht ins Tor geschossen? Dann hätte Matris eigentlich reguläres Tor wohl nicht gegolten, denn Schiri Undiano Mallenco hatte eindeutig weiterspielen lassen.

Torrichter im Fokus

Die Szene beweist, wie problematisch der Einsatz von Torrichtern sein kann. Offenbar hatte dieser nicht gesehen, dass der Ball zu Gänze hinter der Torlinie war. Möglicherweise konnte dies der Torrichter auch gar nicht sehen, weil ihm Celtic-Verteidiger Wilson bei seiner Abwehraktion die Sicht nahm.

Der Einsatz der Torrichter ist ein Alleingang des europäischen Verbandes UEFA. Der Weltverband FIFA setzt in der Frage „Tor oder nicht Tor?“ auf technische Hilfsmittel. Bei der Klub-WM 2012 in Japan wurden mit dem „Hawk-Eye“ (Tor-Kamera) und dem „GoalRef“ (Chip im Ball) zwei Systeme getestet. Allerdings gab es keine Szenen, in denen man die Technik benötigte, um zu entscheiden, ob der Ball nun im Tor war oder nicht.

Simulation

Deshalb wurden beide Systeme im Jänner in der Düsseldorfer Arena statischen und dynamischen Tests unterzogen. Dabei wurden auf dem Feld bei Tag und Nacht Spielsituationen simuliert, um die Leistung und Zuverlässigkeit zu überprüfen.
Ob nun dem „Hawk-Eye“ oder dem „GoalRef“ die Zukunft gehört, könnte sich Anfang März entscheiden. Da tagt nämlich das FIFA-Regelboard IFAB in Edinburgh.