WAC-Boss Riegler feierte 2012 den Aufstieg in die Bundesliga.

© dapd/Markus Leodolter

Interview
09/14/2014

Riegler: "Der Europacup ist sicherlich ein Ziel"

Der WAC-Präsident über den Vergleich mit Mateschitz, die Distanz zu Haider und die Zukunft.

von Günther Pavlovics

Dietmar Riegler ist nicht einmal von seiner Frau zu erreichen, weil er auf irgendeiner Besprechung ist. Doch der Boss des Wolfsberger AC kommt nur wenig verspätet in den VIP-Klub der Lavanttal-Arena. Viel Holz, viel Glas – ein Schmuckstück, auf das der Präsident stolz ist. Aber nicht nur auf das.

KURIER: Unter Ihrer Führung ist Wolfsberg im Fußball erstklassig, konnte sich als Fünfter und Siebenter im Oberhaus behaupten. Was hat Sie dazu bewegt, sich im Fußball zu engagieren?
Dietmar Riegler: In erster Linie will ich etwas für die Jugend in Kärnten tun, den jungen Kickern eine Vision geben, dass sie in der Bundesliga spielen können. Ich will auch in der Region etwas bewegen. Wir haben im Schnitt 5000 Zuschauer. In unserem engeren Einzugsgebiet, dem Lavanttal, wohnen nur 50.000 Menschen. Zehn Prozent der Einwohner – da müssten in manchen Städten Riesenstadien stehen.

In welchen Dimensionen bewegt sich der WAC derzeit?
Der Umsatz des Vereins liegt bei rund sechs Millionen Euro. Besonders der VIP-Klub wirft viel ab, aber wir werden auch von vielen unterstützt, haben viele Kleinsponsoren.

Fließt auch Ihr privates Geld in den Klub?
Wir zahlen Sponsorgeld mit unserer Firma. Jetzt, wo wir in Österreichs höchster Liga spielen, sehen wir, dass der Werbewert für RZ Pellets sehr hoch ist.

Man hörte schon eine Bezeichnung für Sie: Dietrich Mateschitz des Lavanttals.
Ich schätze Herrn Mateschitz. Der Vergleich hinkt aber, weil ich mit meiner Firma ein Produkt verkaufe. Bei mir sind viele Hände und Mitarbeiter im Spiel. Red Bull hingegen verkauft sich von alleine.

Ist Red Bull Salzburg das Vorbild für den Wolfsberger AC?
Für mich war und ist Ried immer der Vorzeigeverein. Vor 20 Jahren habe ich selber in der Aufstiegsmannschaft des WAC gespielt. 1990 haben wir uns als Landesliga-Meister gegen Hartberg und Ried durchgesetzt, sind in die zweite Division aufgestiegen. 1991 sind wir wieder abgestiegen. Später habe ich gesehen, dass sich eine Mannschaft aus einer Region wie dem Innviertel ganz oben etablieren kann.

Fußball ist also auch Leidenschaft für Sie?
Als Bub wollte ich Fußballprofi werden. Aber es war dann doch zu wenig, weshalb ich den beruflichen Weg eingeschlagen habe. Ich habe bis 27 in Regional- oder Landesliga gespielt. Dann bin ich drei Jahre nicht mehr auf den Fußballplatz gegangen. Mit 30 habe ich in St. Andrä wieder zu spielen begonnen. Wir wurden zwei Mal Meister und sind in die Landesliga aufgestiegen. Mit 32 bin ich in den Klubvorstand, ein Jahr später, im Jahr 2000, wurde ich Präsident. Wir haben in der Landesliga gespielt, sind 2003 aufgestiegen.

Das war in St. Andrä. Jetzt sind Sie aber in Wolfsberg.
Nach drei, vier Jahren wollten wir wieder mit einer Lavanttaler Mannschaft in die Bundesliga. Dort war ja der WAC schon. Uns war bewusst, dass es nur über den WAC gehen kann, weil der viele Fans hat.

Damals hat Landeshauptmann Jörg Haider in Klagenfurt mit Fußball Politik gemacht. War Jörg Haider jemals bei Ihnen im Stadion?
Jörg Haider war bei keinem unserer Spiele. Es wurde ja alles in den FC Kärnten hineingesteckt.

Sie versuchen, die Politik aus dem Verein herauszuhalten?
Ich bin selbst verantwortlich, habe mich nie politisch bestimmen lassen. Aber ich habe auch gutes Einvernehmen mit den Politikern. Wir sind gut aufgestellt und kommen ohne großartige politische Unterstützung durch. Ich sage mir immer: Wenn du gut arbeitest, wirst du Erfolg haben. Heute bekomme ich so viel Unterstützung vom Land wie alle anderen auch.

Das war im Kärntner Fußball nicht immer so?
Da war immer ein Konkurrenzdenken da, das es auch heute noch gibt. Manchen tut es weh, wie erfolgreich unser Weg war und ist. Und wenn von einer Kärntner Fußballallianz geredet wurde, habe ich den Vorteil für uns nicht gesehen.

Jetzt sehen Sie einen Vorteil darin, den Schlager gegen Salzburg in Klagenfurt zu spielen?
Ich habe jetzt das Gefühl, dass ganz Kärnten hinter Wolfsberg steht. Zudem ist es auch eine wirtschaftliche Überlegung, wenn man die Chance hat, dass 15.000 Zuschauer kommen können.

Jetzt ist es sogar so, dass der WAC die Akademie in Klagenfurt übernommen hat.
Wir haben dort den sportlichen Bereich übernommen, weil wir die Arbeit als nicht allzu zielführend empfunden haben. Land, Stadt und Verband unterstützen uns dabei. Zu einem Elternabend bin ich mit Trainer Didi Kühbauer angereist. Wir wurde mit Applaus empfangen. Und die Kinder haben mit leuchtenden Augen gefragt, ob sie denn jetzt WAC-Spieler seien.

Momentan schaut es mit dem Nachwuchs noch nicht so gut aus. Wie finden Sie Spieler für den WAC?
Wir sind eine gute Adresse, hier gefällt es den Spielern, hier geht es ihnen gut. Mit Liendl und Topcagic haben wir erstmals Spieler geholt, die bei uns mehr wert geworden sind und die wir daher auch verkauft haben. Trainer Kühbauer hat ein gutes Auge und eine gute Hand für die Entwicklung von Spielern.

Und wo soll der Weg hinführen? Nach Europa?
Der Europacup ist sicherlich ein Ziel in den nächsten Jahren, aber wir wollen es nicht mit aller Gewalt.

Sie selbst wollten aber nicht als Fußballer hoch hinaus, sondern als Skifahrer. Wie kam das?
Ich habe die Antiprofis bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen gesehen und dachte mir, es wäre reizvoll, bei so einem Ereignis einmal an den Start zu gehen. Wir fahren viel Ski, mit einigen Freunde fliege ich so alle zwei Jahre zum Heliskiing nach Kanada. Vom Skiverband in Ghana habe ich die Starterlaubnis erhalten und wollte im Riesentorlauf antreten. Allerdings scheiterte der Plan, weil das IOC verlangt, dass man ein halbes Jahr im Land leben muss, für das man startet.

Sieht man Sie in vier Jahren vielleicht in Südkorea starten?
Ich glaube, dass ein Olympiastart nichts mehr wird. Vor vier Jahren hätte ich noch zu trainieren begonnen, aber jetzt glaube ich nicht mehr.

Wie kamen Sie auf Ghana?
Wir haben dort mit Richie Padmore eine Fußballschule gemacht, was aber mehr ein Sozialprojekt war. Aber es wurde mit der Bürokratie immer komplizierter. Wir haben dann bei Red Bull wegen einer Kooperation gesprochen, Red Bull hat dann das Ganze übernommen. Aber mittlerweile auch wieder beendet.

Der Wolfsberger AC und sein Präsident

Dietmar Riegler Der Unternehmer wurde am 25. April 1966 geboren und wuchs als eines von drei Kindern in Bad St. Leonhard im Lavanttal auf, unweit von Wolfsberg. Die Eltern hatten ein kleines Ziegelwerk. Riegler absolvierte die HTL und nahm einen Job in einem Konstruktionsbüro an, das Komponenten für Biomasseanlagen herstellte. 1995 machte er sich mit Otto Zechmeister selbstständig im Bereich von Biomasse-Heizwerken. 600 bis 700 hat seine Firma bislang geplant, in Österreich und Europa werden zwölf selbst betrieben. Die RZ Pellets (R für Riegler, Z für Zechmeister) deckt rund 30 Prozent des Bedarfs in Österreich und ist somit Branchenführer. An vier Standorten werden um die 300.000 Tonnen Pellets hergestellt. In seiner Firmengruppe beschäftigt Riegler zwischen 250 und 280 Mitarbeiter. Erst kürzlich hat er mit einer Gruppe mit mehreren Geschäftsleuten auf der Kärntner Koralpe die Liftgesellschaft aus der Konkursmasse herausgekauft. Er hat mit seiner Frau Waltraud zwei Kinder (Jakob, Johanna).

WAC Der Kärntner Fußballverein wurde 1931 gegründet. Von 1968 bis 1977 spielte der Klub in der zweithöchsten Spielklasse (erst Regionalliga Mitte, ab 1974 Nationalliga,ab 1975 2. Division). Zwischen 1978 und 1985 sowie zwischen 2010 und 2012 spielte der WAC in der zweithöchsten Spielklasse. 2012 feierte man den erstmaligen Einzug in Österreichs höchste Spielklasse.

Dietmar Kühbauer, ein Familienmensch auf Abwegen

Dietmar Kühbauer ist Katholik. In die Kirche geht er "eher nicht. Aber deshalb bin ich kein schlechter Katholik." Der Sonntag ist ihm aber heilig. Er gilt der Familie.

Am heutigen Sonntag muss der WAC-Trainer eine Ausnahme machen. Keine Frau, keine Kinder, wenn es im Spitzenspiel gegen Meister Salzburg um die Tabellenführung geht. Dabei sind Gattin Ingrid und die beiden Töchter Emily (9) und Kim (7) durchaus Fußball-Fans.

"Die Ältere spielt selbst und ist sehr traurig, dass sie dieses Mal nicht dabei sein", sagt der Vater im KURIER-Gespräch. "Aber die beiden haben am nächsten Tag Schule. Da wäre es nicht zu verantworten, dass sie nach Klagenfurt kommen. Sie werden mit der Mama vor dem Fernseher sitzen." Aber ganz wird ihnen der Papa nicht fehlen. Weil am Montag traditionell trainingsfrei ist, wird er eben einen Tag später heim nach Wulkaprodersdorf kommen.

Kein Heimvorteil

Die Nacht vor dem Schlager verbringt der Trainer in seiner 40-Quadratmeter-Wohnung in Wolfsberg. "Ich brauche nicht mehr", gibt sich der 43-jährige Burgenländer bescheiden. Da hat sogar die Familie Platz, wenn sie zu einem Heimspiel anreist.

Der Wechsel ins Wörthersee-Stadion, wo 20.000 Fans erwartet werden, ist für Kühbauer "eine gute Möglichkeit, aber kein echter Heimvorteil. In Wolfsberg kennen wir jeden Grashalm."

Ein Training in Klagenfurt sei zu wenig. Daher will er auch nichts von einer Favoritenrolle wissen. "Wir sind Außenseiter. Um Salzburg zu schlagen, müsse alles stimmen. "Wir müssen ans Limit gehen, sehr kompakt in der Defensive sein, gute Bälle in der Offensive spielen. Vor allem aber dürfen wir keine Fehler machen."

Dass das Wörthersee-Stadion für die Bullen nicht unbedingt ein guter Boden ist (nur zwei Siege in sechs Ligaspielen) interessiert Kühbauer nicht. Ebenso wenig die Tatsache, dass mit Harald Lechner jener Referee pfeift, der auch das 2:0 am 11. Mai geleitet hat.

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