Das Motto der Besiktas-Ultras: Carsi ist gegen alles außer Atatürk.

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Revanche
04/18/2014

Die türkischen Fans zeigen Solidarität

Der türkische Regierungschef will die Fußballfans unter Kontrolle bringen.

Carsi heißt eine Ultra-Gruppierung des Istanbuler Fußballklubs Besiktas. Das Stadion liegt direkt neben dem Gezi-Park, der im Vorjahr zusammen mit dem nahe gelegenen Taksim-Platz das Zentrum der Proteste gegen die Regierung war. Carsi-Mitglieder solidarisierten sich mit der Bewegung und waren bei den Auseinandersetzungen mit den Polizeikräften an vorderster Front. In den Tagen des Aufstands sind die Besiktas-Fans endgültig zu Volkshelden avanciert – jedenfalls unter jenen 50 Prozent der Bevölkerung, die nicht hinter der Erdogan-Regierung stehen. Für die anderen hingegen gilt Carsi gar als terroristische Vereinigung, letzten Juni wurden 22 Mitglieder verhaftet.

Die Fans der Stadtrivalen Galatasaray und Fenerbahçe solidarisierten sich mit dem Besiktas-Anhang. Banner auf den Tribünen während der Spiele mit "Überall ist Taksim, überall ist Widerstand" haben die Regierungspartei AKP erbost und zum Handeln gezwungen.

Gläserne Fans

Der Ex-Fußballer Recep Tayyip Erdogan gilt als Förderer des Sports, der auch hier nur allzu gerne seine Vorstellungen durchzusetzen versucht. Mit einem neuen E-Ticket-System sollen die Fans nun unter Kontrolle gebracht werden. Mit der im April eingeführten "Passolig"-Karte werden die Identität der Fans und ihre Bankdaten erfasst und an Polizei und Fußballverband weitergegeben. Carsi sprach in einer Twitter-Erklärung von "frechem Diebstahl" und "E-Ticket-Müll" und kündigte ihr Fernbleiben beim Derby Besiktas gegen Fenerbahçe am Sonntag an.

Bei Besiktas steht es finanziell nicht zum Besten: Umgerechnet rund 166 Millionen Euro betragen die Schulden. Klubchef Fikret Orman steht finanziell wie politisch unter Druck. Im März wurde auf YouTube ein Telefongespräch veröffentlicht, in dem der Regierungschef ihm über einen Dritten ausrichten ließ, dass er Carsi seine Unterstützung entziehen solle. Wenn nicht, werde man Wege finden, den Bau des neuen Stadions am Bosporus stoppen zu lassen.

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