epa03746680 Tahiti's Marama Vahirua during a training session as preparation to the opening match between Tahiti and Nigeria at the FIFA Confederations Cup 2013 in SESC Venda Nova training facility, Belo Horizonte, Brazil, 15 June 2013. EPA/PETER POWELL .

© APA/PETER POWELL

Confed-Cup
06/17/2013

Die Südseeträumer in Brasilien

Die Amateure aus Tahiti wollen gegen die Fußballstars dieser Welt ein Tor erzielen.

von Günther Pavlovics

Noch bevor die Mannschaft zum ersten Mal antritt, gibt es schon Gewinner unter den Fußballern von Tahiti: Teanoui Tehau und zwei Kollegen dürfen beim Zweitligisten America Belo Horizonte eine längere Probezeit absolvieren. Die Tehaus sind der Team-Clan schlechthin: Auch die Zwillinge Alvin und Lorenzo sowie deren Bruder Jonathan – allesamt Cousins des 20-jährigen Teanoui – sind im Kader für Brasilien.

America stellte Tahiti sein Klubgelände zur Vorbereitung zur Verfügung, in Belo Horizonte spielt Tahiti am Montag gegen Nigeria (21 Uhr/ORF Sport +, Sport1). Die Kicker aus der Südsee haben sich als Ozeanienmeister erstmals für den Confed-Cup qualifiziert. Bisher hatten sich Australien und Neuseeland den Sieg untereinander ausgemacht. Doch die Australier wechselten nach Asien. Und Neuseeland verlor letztes Jahr im Semifinale gegen Neukaledonien. Im Finale gab es am 10. Juni 2012 einen 1:0-Sieg von Tahiti.

Völliges Neuland

Das Stade Pater Te Hono Nui, die Heimat der tahitianischen Nationalmannschaft, fasst 15.000 Zuschauer. Aber meist kommen nur 100 oder 200, wenn das Nationalteam spielt. Normalerweise sind in Tahiti Bootsrennen in traditionellen Va’as Nationalsport Nummer eins. An Fußball denkt bei dem Pazifik-Archipel kaum jemand.

Eddy Etaeta, 43 Jahre jung, ist der Teamchef. Steevy Chong Hue ist der Stürmer, der mit seinem Finaltreffer sich und seine Kollegen zum großen Abenteuer Confed-Cup geschossen hat. Ein Abenteuer ist es allemal. „Auf dem Weg hierher sind meine Spieler zum ersten Mal in ihrem Leben Business Class geflogen. Viele waren noch nie auf einem anderen Kontinent oder haben vor der Presse gesprochen“, erzählte Etaeta. Und jetzt werden sie gegen Fußball-Stars spielen, die sie nur aus dem Fernsehen kennen. Deshalb hat Etaeta ihnen Porträts der Stars gezeigt und gesagt: „Das sind Menschen, keine Monster!“

Die Spieler verkaufen daheim an den Stränden von Tahiti Kokosnüsse und Erfrischungen, sind Tankwart und Lkw-Fahrer – oder sie räumen im Supermarkt die Regale ein. Zehn von ihnen sind derzeit sogar arbeitslos.

Gegen Nigeria, Uruguay und vor allem Spanien gibt es nur die Frage, wie viele Tore Tahiti kassiert. Letzte Wochen hat man gegen Chiles U-20-Auswahl 0:7 verloren. Gegen Spanien spielt man im ausverkauften Maracanã-Stadion. In einer Atmosphäre, die bis auf den einzige Profi, Marama Vahirua , noch keiner von Etaetas Spielern auch nur ansatzweise erlebt hat. „Wir haben beim Training zu Hause über den Lautsprecher die Atmosphäre eingespielt, damit sich die Burschen an das Geschrei von 100.000 Zuschauern gewöhnen können und nicht überwältigt sind“, sagt der Teamchef.

Einziger Profi ist Marama Vahirua vom griechischen Club Panthrakikos. „Wir wollen Spaß haben“, sagte er. „Und ein Tor schießen.“ So hat der 33-Jährige 2001 Nantes zum französischen Titel geschossen. Damals hat er mit einem Paddelschlag gefeiert. So wie man es beim Va’as macht. So wie ihn die „Krieger aus Eisen“ machen. Das ist die Übersetzung von „Toa Aito“, dem Kosenamen von Tahitis Team.

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