Sport | Fußball
06/15/2013

Andreas Lukse versucht das Comeback

Tormann Andreas Lukse kämpft sich nach dem Absturz bei Rapid zurück.

Es war einmal ein Torhüter mit außergewöhnlichem Talent. Als Sechsjähriger zu Rapid gekommen, durfte er schon mit 17 in der Champions League auf der Bank sitzen. Mit 19 wurde bei der U-20-WM in Kanada der vierte Platz gefeiert. Mit 20 darf sich der Goalie als die Nummer eins beim Rekordmeister bezeichnen.

Was anfängt wie ein Märchen, schlägt bald danach in einen Albtraum um. Heute scheint dennoch ein Happy End möglich. Das ist die Geschichte von Andreas Lukse.

Der 25-jährige Wiener ist gerade mit Kapfenberg in die Saisonvorbereitung für die Erste Liga gestartet. Dass die Steirer im Frühjahr einen Siegeslauf hinlegten, lag auch am Tormann. Im Herbst davor hatte er sich für den finanzmaroden, aber dennoch erfolgreichen FC Lustenau gestreckt. Die Leistungen für die beiden Klubs ließen nur einen Schluss zu: Lukse wurde vor zwei Wochen von der Liga als bester Torhüter der zweiten Spielklasse ausgezeichnet.

Ein Schritt auf dem langen Weg zurück. Das Ziel: Bundesliga. „Ich kämpfe seit zwei Jahren um eine zweite Chance“, sagt Lukse.

Alles verspielt

Rückblick. Am 19. Dezember 2008 titelte der KURIER „Ein Fehlgriff nach Schlusspfiff“. Lukse hatte nach dem letzten Spiel mit Rapid vor dem Abflug in den Urlaub mit seinen Haberern Rene Gartler, Rubin Okotie und Michael Madl durchgemacht. In einem Lokal kam es zu einem Tumult, Lukse verletzte eine Bekannte am Knöchel.

Für Peter Pacult war Lukse damit erledigt. Nie wieder sprach der Trainer mit seinem Tormann. Zu oft hatte er dem Nachtschwärmer schon davor die Stange gehalten. Ihn zur Nummer eins gemacht – mit dem Plan, auch nach der Rückkehr des rekonvaleszenten Helge Payer auf den Youngster zu bauen.

Rene Gartler hat von Pacult noch eine Chance bekommen, ich nicht. Wahrscheinlich, weil der Rene sein riesiges Potenzial öfter gezeigt hat“, erklärt Lukse trocken. „Meine Kombination hieß damals: deppert sein und schlecht spielen. Das konnte nicht gut gehen.“

Welche einmalige Chance sich Lukse selbst zerstörte, „hab’ ich nicht realisiert. Damals war es für mich normal, dass ich bei Rapid spiele.“ Jetzt ist aus seinem Jahrgang nur noch Thomas Schrammel bei Rapid.

Es folgte ein Jahr auf Leihe bei Sturm – ohne Einsätze. „Im Training konnte ich mit Gratzei mithalten, ich hatte in Graz aber keine Lobby.“ Es ging ohne Spielpraxis in die zweite Liga zur Vienna. „Meine Trainer waren Schinkels und Tatar. Damals hab’ ich das Leben noch in vollen Zügen genossen. Es war eine Katastrophe. Dann kam der große Crash.“

Viel gelernt

Ab 1. Juli 2011 ist einer der talentiertesten Torhüter des Landes arbeitslos. „Drei Monate lang. Das war die schlimmste Zeit meines Lebens, meine Freundin war die einzige Stütze. Ich hab’ befürchtet, dass ich in die Ostliga muss. Von dort kommt man kaum noch hoch.“ Den Retter spielte Damir Canadi: Der Lustenau-Trainer baute auf den gefallenen Jungstar. „Ich bin ihm sehr dankbar.“

Seither geht es bergauf. Lukses Ziele für die kommende Saison: „Die Leistung bestätigen und noch besser werden. Dann müsste auch für mich die Bundesliga doch noch einmal möglich sein.“

Sein Resümee: „Ich ziehe meinen Hut vor allen 18-Jährigen, die gutes Geld kassieren und trotzdem auf dem Boden bleiben.“